Schlagwort-Archiv: Trainieren statt dominieren

Rotti Marlo hat’s gefunden – sein Zuhause!

Im Sommer des Jahres 2014 erreichte mich eine dringende Anfrage – ein Rottweiler mit dem klingenden Namen „Macho“ ließ niemanden an sich ran, Schutzhunde-Trainer (O-Ton: „Ich hatte noch nie mit einem so aggressiven Hund zu tun.“) hielten ihn mittels Hochdruckreiniger auf Abstand und versorgten ihn gerade mal so, dass er nicht verdurstete… Die 6 m² Zwinger verließ Marlo viele Monate lange nie. Marlo hatte dennoch Glück im Unglück, denn er wurde nicht in eine Tötung gebracht, nachdem sein Besitzer Angst vor ihm bekam, sondern kam eben in die Obhut von TierschützerInnen, die die Unterbringung in der Tierpension der Schutzhunde-Trainer finanzierten.

Marlo (damals noch „Macho“) auf seinen 6 m²

Ich wurde also mit der „Resozialisierung“ des Hundes beauftragt, anfangs waren Trainings nur alle 2-3 Wochen möglich, da sich die Tierpension in Ungarn befand. Trotz dieser langen Intervalle machte Marlo Fortschritte. Aus nachvollziehbaren Gründen bestand ich nach etwa einem halben Jahr darauf, dass Marlo nach Österreich gebracht wird – unter den dortigen Umständen war ein „Weiterkommen“ nicht mehr möglich.

Erste Annäherungen…
Training im Zwinger
Die ersten Schritte hinaus…

In der langen Zeit in Österreich wurde Marlo auf Vieles vorbereitet, wie beispielsweise Vertrauen zu Menschen, Tierarzt-Vorbereitung, freundliche Menschenkontakte, Autofahren, ruhige Hundebegegnungen, dirverseste Umweltreize bei Spaziergängen, etc.

Hier eine Linkliste mit ALLEN Blogartikeln über die Zeit mit Marlo – viel Spaß beim Lesen 🙂


https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/training-aggressiver-rottweiler-hilferuf-aus-ungarn/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/erster-spaziergang-mit-dem-rotti-aus-ungarn/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-ungewisse-zukunft/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-bittet-um-hilfe-bald-kommt-er-nach-oesterreich/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/zwischenziel-erreicht-marlo-ist-umgezogen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/erster-besuch-bei-marlo-seit-dem-umzug/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-auf-der-wiese/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-lernt-vertrauen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-freut-sich/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-aus-ungarn-wie-ein-welpe/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hilfe-fuer-marlo-in-fremder-umgebung-decke-als-target/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rotti-marlo-wird-fuer-den-tierarzt-vorbereitet/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-und-die-tierklinik/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-aus-ungarn-zeigt-vertrauen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-sucht-seine-menschen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-lernt-das-leben-zu-geniessen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-sucht-dringend-seine-menschen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/was-sich-ein-hund-wie-marlo-fuers-neue-jahr-wuenscht/

Ich glaube, ihr ahnt es schon… so eine „Resozialisierung“ ist kein Zeitpunkt, sondern eine – durchaus lange – Zeitperiode, in der Engels-Geduld, unendliche Liebe und viel Wissen in Theorie und Praxis (in genau dieser Reihenfolge 😛 ) notwendig sind, ganz ohne Dominanz-, Rangordnungs- oder „wer ist hier der Alpha“-Getue:
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/aggression-und-red-zone-hunde/

Was Marlo alles gelernt hat, ist hier zusammengefasst:
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hundetraining-im-tierheim/



Schon weit fortgeschrittenes Training: direkte Hundebegegnung
… wie im Kaffeehaus …

Fast genau 4 Jahre später, im Sommer 2018, meldeten sich endlich passende Menschen, die alle Hürden auf sich nahmen, um Marlo endlich ein Zuhause geben zu können:
Mehrere Monate lang dauerte das gegenseitige Kennenlernen, das Abstimmen der Chemie, das Zueinanderfinden, das Zuhause-Besuchen, das „Harmonie-Training“.
Vor etwas über 3 Monaten war es dann soweit, Marlo zog endgültig in sein Zuhause um und vor ein paar Tagen absolvierte er gemeinsam mit seinen Menschen erfolgreich den Wiener Hundeführschein!
Auf Marlos Facebook-Seite gibt es viel Wunderschönes darüber nachzulesen: https://www.facebook.com/wunderhund.marlo/

… da freut sich jemand über seine Menschen …
… Zuhause besuchen fahren ..
… Marlo fühlt sich wohl …
… nach dem Umzug ganz toll eingelebt …
Wiener Hundeführschein mit Bravour bestanden!
… da freut sich auch die Trainerin …
… und Marlo freut sich auch!

Dass Marlo nach all der Zeit seine Menschen gefunden hat und ich ihn begleiten durfte, ist das Beste, das passieren konnte.
Die 4 Jahre mögen lange erscheinen – aber zumindest ein Großteil davon war nötig, um ihm Vertrauen, Alltagskompetenzen und vor allem Liebe nahezubringen, bevor er „ganz normal“ mit Menschen zusammenleben konnte.

Ich wünsche Marlo und seinen Menschen alles Liebe und Gute für 2019 und noch viele viele gemeinsame Jahre!

TRAINIEREN STATT DOMINIEREN! 🙂


Hundetraining… im Tierheim

Vor kurzem wurde ich gefragt, welche Übungen ich mit Hunden mache, die im Tierheim leben, und wie der Ablauf eines Trainings aussieht.

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Grundsätzlich ist es für mich wichtig, Hunden Alltags-Kompetenzen zu vermitteln. Das hilft einerseits einmal direkt bei der Vergabe, denn je mehr ein Hund kann, desto besser vermittelbar ist er. Aber auch je mehr Strategien ein Hund gelernt hat und je zielgerichteter er auf ein zukünftiges Leben in einem Privathaushalt vorbereitet wird, desto besser wird es ihm selbst im neuen Zuhause gehen (und auch den Menschen).

 

 

Hier eine (unvollständige) Liste an Trainingsmöglichkeiten für Hunde, die im Tierheim leben. Nicht alles ist für jeden Hund gleich wichtig, nicht jeder Hund muss alles können!!!

 

  • Clickertraining / Markertraining: Klare und eindeutige Kommunikation für Hund (und Mensch). So hat der Hund die Chance, möglichst schnell verstehen zu können, was erlernt werden soll (und sinnvoll ist). Schnelligkeit im Training per se ist zwar kein Kriterium im Training, das über die Qualität etwas aussagt, aber je effektiver das Training (und damit der Fortschritt des Hundes), desto besser für den Hund: besonders empfehlenswert bei Hunden im Tierheim, wenn mehrere Personen mit dem Hund umgehen; Futter als Verstärker, zusätzlich Weggehen als Verstärker einsetzen (je nach Übung)S2550008
  • Click für Blick (mit dem Ziel: Selbstständiges Abwenden) –> eher auf Gefühlsebene unterstützen
  • Umorientierungssignal (mit dem Ziel: Selbstständiges Abwenden) –> eher auf Verhaltensebene unterstützen
  • Selbstständiges Abwenden von Reiz –> Futter als Verstärker, eventuell Weggehen als Verstärker einsetzen
  • Geschirrgriff / Anspannung an Leine positiv verknüpfen –> Assoziiert der Hund den Griff ins Geschirr/Leinenspannung mit der Aufregung einer Hundebegegnung, ist es notwendig, daran in ruhigen Situationen ohne Auslöser zu trainieren, sodass der Hund mit Geschirrgriff/Leinenspannung etwas Positives verknüpft.
  • Maulkorb-Training: Absolutes Muss bei Hunden in der Stadt (Hundeführschein, Sachkundenachweis) oder Hunden, die Aggressionsverhalten zeigen
  • Decken-Training: Hilfe in unbekannter Umgebung (Tierarzt, …), Sicherheitsort für ängstliche Hunde, etc…
  • Weiter: An Auslösereiz vorbeigehen
  • Sitz: Hilfreich für viele Situationen (Suchspiele, Hundebegegnung, durch Tür gehen, etc…)
  • Bleib: Hilfreich für viele Situationen (Suchspiele, durch Tür gehen, etc…)
  • Erwünschtes Verhalten gezielt belohnen/fördern: jeder Hund zeigt vor unerwünschtem Verhalten etwas Erwünschtes – das ist anzuerkennen und zu fördern!_DSC2232
  • Unerwünschtes Verhalten verhindern / Management: Situationen, die unerwünschtes Verhalten auslösen, vermeiden (zB. Direktkontakt mit anderen Hunden, bis Trainingslevel erreicht ist)
  • Aus unerwünschtem Verhalten raushelfen: Das Leben ist kein Wunschkonzert, wenn der Hund Unerwünschtes zeigt – aktiv raushelfen!
  • In erster Linie gute Zeit haben: Leistung ist zweitrangig
  • Wohlfühlbudget auffüllen: Hundedinge machen ohne Beeinflussung vom Menschen, Leckerli-Suchen, Beutespielchen, Streicheln, Massage, … je nach Hund und Trainingslevel.

 

 

Ganz allgemein kann ein 45-60-Minuten-Training – je nach Trainingslevel und Situation flexibel änderbar – aus folgenden Abfolgen bestehen:

 

Beispiel für Tierheim-Hund Strolchi, seit 1 Woche im Tierheim, Trainingsbeginn:

 

  • Hund seine Erledigungen machen lassen – sich lösen, schnüffeln, laufen – bis er zeigt, dass er „bereit“ ist
  • Übung Nr. 1: Clicker konditionierenS2370018
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 2: Decken-Training
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, möglichst ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 3: Decken-Training
  • Ruhiges Ende des Trainings  – Futter suchen zB. (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)

 

Beispiel für Tierheim-Hund Struppi, seit 4 Monaten im Tierheim, Training 1 mal pro Woche:

 

  • Hund seine Erledigungen machen lassen – sich lösen, schnüffeln, laufen – bis er zeigt, dass er „bereit“ ist
  • Übung Nr. 1: Hunde-Begegnungstraining (Click für Blick, Umorientierungssignal, Selbstständiges Abwenden)
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)0041
  • Übung Nr. 2: Decken-Training Innenraum als Vorstufe zum Tierarzt-Training
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, möglichst ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 3: Sitz-Bleib-Suchspiele im Auslauf
  • Ruhiges Ende des Trainings  – Futter suchen zB. (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)

 

 

 

Die Übungen können, aber müssen nicht dieselben (in unterschiedlicher Schwierigkeit) sein – das hängt sowohl vom Hund, vom Trainingslevel als auch von der Tagesverfassung ab. Was den Ort betrifft, der hängt natürlich von den Übungen ab, kann aber durchaus gewechselt werden. S3170065

 

 

 

Die beiden oben genannten Beispiele dienen auch nur zur Orientierung, keine Regel ohne Ausnahme: Ein Social Walk kann natürlich nicht den beschriebenen Abläufen entsprechen.

 

 

 

 

Wichtig im Training allgemein ist es, nicht krampfhaft ein Ziel zu verfolgen, sondern das Training an den Hund anzupassen:

 

Keep it simple! – dem Hund einfach zeigen, wie er sich sinnvoll verhalten könnte. S2370011

Keep it fun! – denn am Besten und Schnellsten lernt Hund (und Mensch), wenn es Spaß macht. Und dann werden die Grenzen zwischen Übungen und Pausen, Training und Alltag fließend – bis man nur noch auf die Rahmenbedingungen achtet und den Hund für selbstständig gezeigtes erwünschtes Verhalten belohnt.

Weniger ist mehr! – ein schlechter Tag, ungute Stimmung? Dann ist ein Spaziergang alleine oder nur im Auslauf laufen absolut ausreichend. Wichtig ist, dass der Hund eine gute Zeit erlebt, wenn er aus dem Zwinger draußen ist!

 

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Diese Art von Umgang und Training bringt selbstbewusste und humorvolle Hunde hervor,

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  • die auf gute Ideen ohne Anleitung kommen,
  • die jederzeit ansprechbar und damit
  • umlenkbar (Alternativverhalten) sind, wenn nötig,
  • und die gelernt haben, (ihren) Menschen und deren Entscheidungen zu vertrauen.

 

 

 

So lernte auch Marlo (er ist übrigens noch zu haben 🙂 ), der lange Zeit sozial isoliert (sowohl von Hunden als auch Menschen) lebte, dass beispielsweise Hundebegegnungen

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  • kein Grund zur Aufregung sind,
  • er sogar ohne Anleitung bzw. Hilfestellung seiner Trainerin Direktkontakt mit einer Hündin hatte,
  • 100% ansprechbar war,
  • sich selbstständig abwenden konnte und 
  • positives Sozialverhalten zeigte,

 

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und dass Besuche beim TierarztS2370053

 

 

  • kein Grund zur Aufregung sind,
  • bestimmte Übungen mit sich bringen, die wie ein Trick gelernt wurden und
  • keine unangenehmen Zwangshandlungen erfordern.

 

 

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Und last but not least: Hunde im Tierheim sind normalerweise einem höheren Stresslevel ausgesetzt als Privathunde. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie deswegen nicht lernen können – Genau sie brauchen eine gute Trainingsunterstützung, damit es ihnen besser geht und sie Kompetenzen lernen – für’s Leben!

 

Interesse geweckt? 🙂

Mehr dazu gibt es selbstverständlich in Fortbildungen und Seminaren mit Canis sapiens speziell zum Thema Tierheime – Beratung und Schulung: https://canis-sapiens.at/tierheime-beratung-und-schulung/

Einfach anfragen unter u.aigner@gmail.com 🙂

 

 

Fallbeispiele *interaktiv* am 3. Österreichischen Hundetrainerkongress

Der 3. Österreichische Hundetrainerkongress findet am 20./21. Februar 2016 auf der VetMedUniVienna statt.

Ein spannendes Programm wartet auf HundetrainerInnen und -HalterInnen.

 

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Wer gerne einen Ausschnitt aus meiner Arbeit mit „Problemhunden“ (nahezu) *live* miterleben möchte, meldet sich noch schnell an: http://petpartner.at/anmeldung-shop/

 

Ich werde anhand von 3 Fallbeispielen (auch der tolle Rottweiler Marlo) mittels vieler Videos zeigen, wie die Theorie konkret an Hund und TrainerIn (also mir 🙂 ) in der Praxis aussieht.
Das Publikum wird dabei interaktiv in den Vortrag eingebunden – eine spannende Premiere.

 

So kann sich jede und jeder in die Lage der TrainerIn hineinversetzen und sich fragen: „Wie hätte ich es gemacht?“

 

 

Hunde im Tierschutz – die 2. Seite der Medaille

snap131-2Das Internet quillt über vor lauter Meldungen, die gequälte Hunde zeigen, die nur darauf warten gerettet zu werden. Ob überfülltes Tierheim (auch – aber nicht nur – im Ausland), Tötungsstation oder von der Straße aufgelesen – sie alle müssen in Sicherheit gebracht werden! Die pure Lebensrettung ist schnell geschehen und einfach organisiert – und Pflegestellen oder Fixplätze gibt es ja auch genügend, so scheint es.
Doch so schnell erhält man noch keine TierretterInnen-Ehrenmedaille. Im Gegenteil, für die Hunde ist hier das Leid häufig noch längst nicht vorbei. Und für manche geht es nie vorüber, die landen (und enden) dann bestenfalls in heimischen Tierheimen, schlechtestenfalls … aber darüber wollen wir nicht nachdenken, schließlich ist der Hund doch gerettet!

 

Die Gründe, weshalb gar nicht so wenige vermeintliche Rettungen schiefgehen:

 

Die ersten beiden Punkte sind von Seiten der Vermittlungsorganisationen schlecht beeinflussbar. Selbstverständlich gibt es auch Hunde, die ein ganzes Paket an ungünstigen Voraussetzungen mitbringen, es aber doch irgendwie schaffen, sich anzupassen. Das ist aber etwas, das man nur dankbar annehmen kann. Es jedoch zu erwarten, ist unseriös – und ein Tierschutzproblem.

 

Viel wahrscheinlicher ist es, dass der gerettete Hund die eine oder andere Baustelle mitbringt. Zumindest sind etliche von ihnen bei meinen KollegInnen und mir im Training. Die Tücke ist, dass diese Baustelle nicht notgedrungen offensichtlich sein muss: Es können Monate vergehen, bis ein Hund nach dem ganzen Hin und Her angekommen ist – das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wo mehr und mehr Probleme entstehen.

 

Und schon sind wir beim letzten – sehr problematischen – Punkt: Schlechte Beratung und damit schlechte Erfahrungen (für Hund und Mensch) zu diesem Zeitpunkt lassen einen Teufelskreis beginnen. So einige Tierschutzorganisationen kooperieren mit selbsternannten HundetrainerInnen, deren Methoden aus der Steinzeit zu sein scheinen (oder geben gar keine Hilfestellungen). Gewalt erzeugt Gegengewalt, die Abwärtsspirale beginnt. Wer zahlt immer drauf? Richtig, der Hund, der dann bestenfalls im heimischen Tierheim landet. Siehe oben.

 

Weshalb manche (viele?) Menschen (auch im Tierschutz) auf die „Hau-drauf“-Lösungen reinfallen, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht, weil belohnungsbasiertes, wirklich gewaltfreies und damit tierschutzkonformes Training kompliziert wirkt und nicht nur eine simple Maßnahme („hau drauf“, „reiß ordentlich an“) für ein komplexes Problem bietet. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht!

 

Wirklich leid tun mir jedenfalls die Hunde – und deren Menschen. Letztere tun ja meistens ihr Bestes und setzen schlechte Ratschläge um. Auch entgegen ihrer ethischen Grundsätze, weil ihnen einE vermeintlicheR ExpertIn zu Leinenruck, Side-Kick, Alpha-Wurf und Co geraten hat.

 

Und nun komme ich zum Grund dieses Posts… einer wahren Begebenheit:

Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Auto am Stadtrand um eine Kurve und beobachtete ein junges Paar mit einer Hündin. Der stark hechelnden Hündin wurde mittels Leinenruck am Kettenhalsband der Boden unter den Vorderbeinen genommen.
Innerlich zog es mich zusammen, jedoch ist das eine Szene, die eine Trainerin in einer Großstadt eben zu sehen bekommt. Bei einer einmaligen Aktion im Beobachtungszeitraum sage ich normalerweise nichts.
Als ich vorbeigefahren war und wieder geradeaus fuhr, blickte ich in den Rückspiegel, um hoffentlich die Bestätigung der einmaligen Aktion zu erhalten. Jedoch weit gefehlt, ich sah einen stark gestressten Hund, der überhaupt nicht wusste, wie er der Strafe entgehen konnte, und somit wieder keinen Halt unter den Beinen hatte.
Ich hörte bereits meinen Puls, betätigte den Blinker, stoppte das Auto und stieg aus. Es folgte ein emotionales Gespräch, durchaus nicht unbedingt freundlich, mit der dringenden Bitte sich an eine/n wirklich gewaltfrei arbeitende/n Trainer/in zu wenden, muss ja nicht ich sein.
Anhand der Reaktion ahnte ich schon, dass die Beiden selbst nicht gerade glücklich darüber waren, was sie tun mussten. Aber es wurde ihnen eben von einem selbsternannten Hundecoach als notwendig erklärt – gerade bei einem Tierschutzhund, der Aggressionsverhalten zeigt.
In der Hoffnung, dass es für den Hund (und die Menschen) doch noch zu einer positiven Lösung kommen würde, stieg ich wieder ins Auto und fuhr mit zitternden Knien weiter.
Etwa ein halbes Jahr später ging ich mit meinen Hunden in der Gegend spazieren – und wen sah ich da? Die Hündin und ihre Besitzerin von damals Leckerli-fütternd mit rosarotem Sicherheitsgeschirr!!!

Meine Freude war groß, wenigstens eine Hündin war tatsächlich gerettet! 

Doch damit war die Erfolgsgeschichte noch nicht vorüber. Ich stehe inzwischen mit der Besitzerin in gutem Kontakt, wir haben uns „ausgesprochen“. Und sie war so lieb und hat mich darin unterstützt, ihre Geschichte zu erzählen – in der Hoffnung, dass einigen die Augen geöffnet werden.

 

Hier die Geschichte aus der Sicht der BesitzerInnen:

 

Vorgeschichte: 

Kettenhündin aus der Slowakei, kam ins Auffanglager, mit ca 2,5 Jahren nach Österreich zu einer Großpflegestelle. Sie verstand sich mit den dortigen Hunden nicht, weshalb sie die Pflegestelle öfter wechseln musste. Schließlich kam sie zur Tierpension eines selbsternannten Hundeexperten. Ich habe natürlich wie fast jeder Cesar Millan im Fernsehen gesehen und habe nie verstanden wie es noch Problemhunde geben kann wenn die Lösung so einfach ist. Den Hund auf den ich aufgepasst habe, habe ich aber trotzdem mit Leckerlis von anderen Hunden abgelenkt. Das Kettenhalsband auf Vermittlungsfotos der Hündin fand ich grauenvoll. 

 

Kennenlernen: (Hündin war 4 Jahre alt)

 

Wir fuhren zum selbsternannten Experten. Er brachte die Hündin aus dem Zwinger. Als sie weglaufen wollte bekam sie sofort einen heftigen Leinenruck mit dem Kettenhalsband auf Zug. Ich war sprachlos aber dachte tatsächlich das müsse so sein! Beim Gespräch mit dem „Trainer“ versicherte ich ihm, dass ich mit Hündin fertig werden würde. Ich würde viel Sport mit ihr machen und sie dann mit Leckerlis von Hunden weglotsen. Er lächelte nur. Auf die Frage warum sie so ein furchtbares Halsband trage meinte er nur, dass sie sonst weglaufen würde. 

 

Dann „durften“ wir bei einer seiner Trainingsstunden zusehen. Der Moment des Leinenrucks war total kurz. Für uns sah es tatsächlich so aus als würde er nur mit der Kette rascheln. Die Hunde waren sofort brav und folgten aufs Wort. Wir wussten damals nicht, dass sie einfach total eingeschüchtert waren. Wir hatten keine Ahnung von der Hundesprache. (Ich legte auch meinem Pflegehund eine Kette um und der war allein davon so eingeschüchtert, dass er permanent bei Fuß ging.)

 

Wir gingen mit der Hündin spazieren, sie zog sehr an der Leine. Der angebliche Trainer sah uns zu und gab uns „netterweise“ Gratisunterricht. Er meinte „So führt man einen Hund!“ und versetzte ihr einen wahnsinnig heftigen Leinenruck. Ich drehte mich um damit er meine Tränen nicht sehen konnte. Er erklärte uns, dass es für den Hund besser wäre einmal einen kräftigen Ruck zu bekommen als ständigem Druck auf dem Hals ausgesetzt zu sein wenn er an der Leine zieht. So peinlich es mir heute ist: es klang logisch und wir glaubten ihm. Seine Frau zeigte mir wie man einen Hund dazu bringt sich hinzusetzen: sie nahm die Leine in die Hand und zog so lange nach oben bis die Beine der Hündin einsackten. Ich machte es ihr nach. Als die Hündin saß war ich stolz es geschafft zu haben die Bestie zu bändigen.

 

Zuhause angekommen:

 

Wir dachten die Hündin müsse gleich beim ersten Spaziergang die ganze Umgebung kennenlernen und machten eine große Runde. Von Leinenführigkeit wie damals beim angeblichen Experten war keine Rede. Sie hechelte wie verrückt, war starkem Stress ausgesetzt. Wir ruckten an der Leine aber das veränderte nichts. Also ruckten wir fester. Dann kamst du und hast uns erklärt, dass sie leidet. In diesem Moment war alles einfach viel zu viel! Am liebsten hätte ich den Hund sofort wieder hergegeben. Dann kam die erste Hundebegegnung und die Hündin wollte den anderen Hund einfach nur killen! Würgereiz hin oder her! Da war klar: was der „Hundeexperte“ gesagt hat war reiner Schwachsinn. Er meinte zwar, dass man bei Kettenhunden fester durchgreifen müsse, weil sie am Hals schon hart wären aber damit hat’s einfach gereicht. Ich habe daheim das Kettenhalsband um meinen Hals gelegt und mir lief es kalt den Rücken runter. Ich ging am nächsten Tag mit der Hündin einkaufen und kaufte ihr ein Geschirr. Der erste Versuch mit positivem Training war gleich sehr erfolgreich: ich hatte einen Hamster und belohnte den Jagdhund für ruhiges Verhalten neben dem Hamsterkäfig. Problem in wenigen Minuten gelöst!!! Das Hundeproblem war aber noch lange nicht gelöst. Ich versuchte die Hündin mit Leckerlis abzulenken – hatte damit aber nur mäßig Erfolg. Dann sah ich eine Frau wie sie ihren Hund an uns vorbeiclickerte und fragte sie (über das Geschrei der Hündin drüber) ob das funktioniere. Sie meinte es funktioniere super, man brauche dafür nur einen Trainer damit man‘s von Anfang an richtig mache. (Anmerkung: Das war eine meiner Kundinnen)

Wenn ich diese Zeilen lese, wird mir jetzt noch ganz anders. So vielen Hunden wird Furchtbares angetan – auch im Namen des Tierschutzes. 
Doch müssen auch die hilfesuchenden Menschen durch eine „harte Zeit“. Die kurze Schilderung der Besitzerin zeigt, wie sehr sie mit sich selbst im Konflikt war – berechtigterweise!

Ich erlebe es häufig als Hundetrainerin, dass Menschen tatsächlich erleichtert sind, den Hund nicht maßregeln zu müssen, sondern dass sie ihm auf gewaltfreie und tierschutzkonforme Weise viel besser zeigen können, wie er sich verhalten soll.
Alleine schon die Erklärung, dass der Hund nicht die Weltherrschaft an sich reißen möchte, sondern aus vielerlei Gründen nicht anders kann, öffnet Emathie und somit die Tür zu einer vertrauensvollen Beziehung.

Daher ist es mir ein großes Anliegen, dass Vermittlungsorganisationen mit seriösen HundetrainerInnen, die belohnungsbasiert, gewaltfrei und tierschutzkonform arbeiten, kooperieren.
Hundevermittlungen sollten idealerweise von Vorneherein begleitet werden (zumindest sollte es diesbezüglich Empfehlungen seitens der Vermittlungsorganisation geben). Oft genügen wenige Trainingseinheiten, um Hund und Mensch zu helfen.
Vermittlungsbegleitung spart Geld, Nerven und bedeutet echten aktiven Tierschutz. Vorbeugen ist besser als Heilen!

Trainieren statt dominieren!

Rottweiler Marlo sucht seine Menschen

Marlo ist ein etwa 5jähriger, wunderschöner, kastrierter Rottweilerrüde, der positiv und aufgeschlossen auf Menschen zugeht, Streicheleinheiten genießt und in der Nähe von Wien untergebracht ist. In seinem bisherigen Leben lernte er nur wenig kennen, er wurde größtenteils in einem kleinen Zwinger gehalten. Wir wünschen uns ein ein ruhiges Zuhause am Land mit Garten, das hektische Leben in der Stadt würde ihn überfordern. Marlo sollte ohne andere Tiere oder Kinder leben. Der Rottweiler hatte bisher viel Pech in seinem Leben: schmerzbedingt (er hat Spondylosen)und aufgrund von hartem und gewaltsamem Umgang, wurde er – bevor ich ihn kennenlernen durfte – als aggressiv abgestempelt.

 

Gemeinsam mit engagierten TierschützerInnen konnte seine Rettung gelingen – fairer Umgang und Training durch positive Verstärkung ohne Bedrohungs- oder Strafszenarios machten aus Marlo einen neugierigen (Jung-) Hund, der vertrauensvoll die Welt entdeckt und viel dazulernt. Marlos Menschen sollten idealerweise bereits Hundeerfahrung haben und dem Um- bzw. Einzug etwas Zeit geben. Die Bereitschaft, auf seine Bedürfnisse und Möglichkeiten individuell einzugehen und vor allem im Bereich Umgang und Training dazuzulernen, ist eine Voraussetzung für die Vermittlung.

 

 

Marlo ein neues Zuhause zu geben, bedeutet bestimmt einen Mehraufwand im Vergleich zu einem Hund, der bisher viele positive Erfahrungen mit Menschen, anderen Tieren und der Umwelt machen durfte.
Es lohnt sich aber tausendfach – ein lachender und glücklicher Marlo ist das schönste Geschenk!
Er hat es sich von ganzem Herz verdient!
Wer Marlo kein Zuhause bieten kann, aber Zeit und Engagement mitbringt, kann auch mit einer Patenschaft helfen: 
Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe. 
Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und Unterbringung kostet Geld.
Daher sind UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:
Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

Danke!

 

Ein Hundeleben lang isoliert

Sogenannte Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

 

 

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer „Fight or Flight“-Reaktion ist enorm hoch. 

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer „tollen Strategie“ – aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der „Nutz“-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden…

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

 

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.
(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun. Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

 

 

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.

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Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.

[evideo id=“qK6wvhew2D0″ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.

 

[evideo id=“TWaFH-sq7wY“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Voraussetzungen waren in seinem Fall:

  • positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
  • positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
  • positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
  • Verhalten „Kopf durch Schlaufe stecken“ positiv erlernt

 

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde „aufgegeben“ werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht „auszahlt“. Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

 

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt – unter Anleitung – stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon – der Hund sowieso.

 

Rottweiler Marlo aus Ungarn. Wie ein Welpe…

… erkundet er die Welt und es ist eine Freude, ihm dabei zuzusehen. 🙂

Marlo lebte in seinem kurzen Leben nahezu ausschließlich in kleinen Zwingern, teilweise auf 4m², das letzte Jahr auf 6m².
Marlo galt als aggressiv, im Schutzhundesport erfahrene Trainer wagten nicht, mit ihm zu arbeiten. Als er zum ersten Mal wieder ins Freie durfte, musste er buchstäblich gehen lernen (er robbte fast am Bauch), weil er mit dem Untergrund und allen Umwelteinflüssen überfordert war.

Marlo zeigt ausgeprägtes Interesse an seiner Umwelt und findet den Tunnel zum Durchlaufen toll.

 

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Er lernt, gemeinsam interessante Dinge zu finden und zu kooperieren:

 

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Apportieren:

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Beißkorbtraining fast abgeschlossen:

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Berührung an Kopf oder Hals ist kein Problem mehr für Marlo, also kommt mal der Rücken dran:

 

 

Marlo gibt die Pfote:

 

Marlo ist einfach freundlich:

Jetzt wird es Zeit, für diesen tollen Hund auch ein richtiges Zuhause zu finden.
InteressentInnen, nur her mit euch! Bitte an: u.aigner@gmail.com 

Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher „praktisch nichts“ kennengelernt hat.

 

Aber auch eine Patenschaft wäre sehr wünschenswert: Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe. Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und die Unterbringung in Österreich kostet – genauso wie in Ungarn – Geld. Daher sind finanzielle UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

 

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien   
AT16 5300 0032 5502 1086   
HYPNATWW   
Kennwort Marlo 

 

DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZER_INNEN!

… to be continued …

Problemlösungen via TV – nicht empfehlenswert!

 Es gibt diverse TV-Shows, in denen problematische Verhaltensweisen von Hunden schnell „gelöst“ werden. Dies wird durch folgende strafbasierte Maßnahmen erreicht:

  • Zischen (das physische Bestrafung ankündigt)
  • Finger in den Hals rammen
  • in die Flankengegend treten
  • und/oder andere Grausamkeiten

 

Alle Bestrafungen erfolgen zumeist unter dem Deckmantel Rangordnung oder Dominanz und machen daher einen guten (weil kurzfristig „erfolgreichen“) und logischen („Hunde gehen untereinander auch nicht sanft um“) Eindruck. Die (Todes-)Angst der Hunde, deutlich erkennbar an Körpersprache und Ausdruck der Augen, will niemand mehr sehen –> kann ja nicht so schlimm sein.

(Mehr Infos: http://www.trainieren-statt-dominieren.de/artikel/der-hundefluesterer und http://dogsinthecity.at/blog/die-h%C3%A4ufigsten-tv-mythen-um-hundeerziehung )

„Gut“ sind diese Methoden jedoch keineswegs:

Sie widersprechen

  • dem Österreichischen Tierschutzgesetz:

§ 5 Verbot der Tierquälerei

(1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.

  •  und der Verordnung über die tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden:
Grundsätze der Hundeausbildung 
 
§ 2. (1) Die Ausbildung des Hundes muss tierschutzkonform erfolgen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass keine Maßnahmen zur Anwendung kommen, die gemäß § 5 TSchG vom Verbot der Tierquälerei erfasst sind.
(2) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf Wert zu legen, dass
  1. ein gutes Sozialverhalten der Hunde gegenüber Menschen und anderen Hunden und eine geeignete Gewöhnung an ihre Lebens- und Trainingsumgebung gefördert werden,
  2. die Ausbildung altersgemäß ist und den körperlichen Möglichkeiten und Lernvoraussetzungen des Hundes entspricht,
  3. auf rassespezifische Eigenschaften und individuelle Eigenschaften des Hundes angemessen eingegangen wird.

 

(3) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf zu achten, dass sie auf den Grundlagen der lerntheoretischen Erkenntnisse aufbaut und Methoden der positiven Motivation der Vorzug vor aversiven Methoden gegeben wird.

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/

Auch sind diese veralteten Methoden auf keinen Fall „logisch“ – schon gar nicht für den Hund:

  • Es gibt im Rudel keine heftigst verteidigte und ständig umkämpfte Rangordnung, sondern eine Familienstruktur!
  • Die Rudelführer sind Eltern und zeichnen sich durch große Toleranz, Freundlichkeit und Fürsorglichkeit gegenüber ihren Schützlingen aus. Ihr Hauptanliegen ist es, ihnen Schutz zu bieten und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht.
  • Ranghohe Tiere sind absolut souverän. Niemals gehen von ihnen unberechenbare Gewaltaktionen aus. Sie bedrohen keine Rudelmitglieder.
  • Nur im absoluten Ausnahmefall kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Wenn ein Wolf einen anderen angreift, geht es meist um Leben und Tod. Übrigens werden deshalb auch der so genannte “Alphawurf” oder das “Nackenschütteln” als Disziplinierungsmaßnahme in der Hundeerziehung vom Hund als ernsthafte Angriffe auf Leib und Leben, ja sogar Tötungsabsichten, interpretiert … mit dem Risiko entsprechender Gegenwehr – ganz abgesehen von dem Vertrauensverlust in den anscheinend unberechenbaren Menschen. Unterwerfungsgesten werden im alltäglichen Umgang mit einander immer freiwillig gezeigt und niemals erzwungen.
  • “Gehorsam” spielt in einem Wolfsrudel keine Rolle.

Quelle: http://www.spass-mit-hund.de/mehr-wissen/die-sache-mit-der-dominanz/wolfsrudel/

Derartige vermeintliche Pauschallösungen im TV großflächig zu streuen, mutiert immer mehr zu einem tierschutzrechtlichen Problem.

Im Rahmen der PetExpo 2014 in Wien fand ein Podiumsgespräch zum Thema „TV-Hundetraining-Shows im Lichte des Status quo in Österreich“ statt.

Dankenswerterweise ist die gesamte Diskussion als auch die Abschluss-Statements der Podiumsgäste (Karl Weißenbacher, Messerli-Institut, VetMedWien; Iris Schöberl, UniWien, Präsidentin VÖHT; Erik Schmid, Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz; Sunny Benett, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin und Bloggerin; Christine Arhant, Institut für Tierhaltung und Tierschutz, VetMedWien; Ursula Aigner, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin, BMG) auf YouTube zu finden.

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=ZC-pU_SdCSU[/embedyt]

 

Podiumsgespräch „TV-Hundetraining-Shows im Lichte des Status quo in Österreich“
[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=GyyFSZBWqok[/embedyt]
Abschluss-Statements „www.trainieren-statt-dominieren.de

Was diese „TV-Hunde-Gurus“ also großflächig ignorieren, ist grundlegendes Wissen über hundliches Verhalten. Hunde sind hochsoziale Säugetiere und keine Reiz-Reaktions-Maschinen, die mittels Pauschalmaßnahme XY zu „behandeln“ sind! Weitere Infos zu diesem Thema findet ihr hier: http://www.welt.de/print/wams/lifestyle/article109247711/Was-Hunde-wirklich-denken.html und http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html.

Die Folgen derartiger veralteter rangordnungs- und strafbasierter Methoden können „böse enden“ (ZuseherInnen der YouTube-Links wissen inzwischen Genaueres). Folgende Blogeinträge von mir (und viele KollegInnen an anderer Stelle – danke dafür!) erklären auch einiges dazu:

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.com/2013/03/aggression-und-red-zone-hunde.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.com/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html

Daher schließe ich diesen Eintrag mit einem Zitat (denn besser könnte frau es nicht formulieren):

  • „Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten.“
Ute Blaschke-Berthold, www.cumcane.de

und

Hunde vermenschlichen – ein Problem?

Dieser Artikel wurde unter folgenden Titel auf http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html veröffentlicht:

Mäntel, Spielzeug, Gourmetfutter: Wie weit dürfen wir Hunde zu Menschen erziehen?

„Rangordnung vs. Verweichlichung“ – „Natur des Hundes vs. böse Vermenschlichung“- das sind wohl DIE gegensätzlichen Glaubenssätze in der Hundewelt.

Liegt die Wahrheit in der Mitte? Im Durchschnitt – „Von allem ein bisschen“, „Jede Seite hat Recht“?
Wie in vielen anderen Bereichen auch gibt es bei solchen Rechnungen keine Verbesserung: Wenn die Hälfte der Menschen ein Kilogramm Brot täglich zur Verfügung hat, die andere Hälfte jedoch nichts, bedeutet das eben NICHT, dass alle ein halbes Kilogramm tatsächlich essen können.
Ich kann hier lediglich auf ein paar ausgewählte Bereiche eingehen, um zu zeigen, dass nur ein Ansatz im Umgang mit dem Lebewesen Hund gesellschaftlich adäquat, moralisch und ethisch vertretbar und wissenschaftlich fundiert ist.

 

1. Der Hund als Ersatz für (zwischen-)menschliche Lücken?
Hunde sind hochsoziale, (mit-)fühlende, intelligente und bindungsfähige Lebewesen, die sich im Laufe der Domestikation an ein Leben mit Menschen angepasst haben und sie sind kognitiv vergleichbar mit menschlichen Kleinkindern. Daher ist eine sehr enge Beziehung und Bindung zwischen Mensch und Hund etwas Wünschenswertes.
Eines sollten wir jedoch nicht vergessen: Hunde sind trotz allem Hunde und keine kleinen Menschen in Hundegestalt. Daher ist es IMMER – unabhängig von der Hunderasse – notwendig, sich mit Hundeverhalten und hundlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Schließlich sollte die Gemeinschaft Mensch-Hund eine Win-win-Situation sein. Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n FreundIn zu haben, die eine tiefe Verbundenheit mit sich bringt UND der Hund dabei glücklich ist – wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, ihr/sein Bedürfnis zu befriedigen, sich um jemanden zu kümmern UND der Hund dabei glücklich ist – wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n verlässliche/n PartnerIn für Freizeitaktivitäten zu haben UND der Hund dabei glücklich ist – wunderbar!
Abzulehnen ist selbstverständlich die Anschaffung eines Hundes, der als Mode-Accessoire missbraucht und wie eine Tasche behandelt wird. Auch menschliche Individuen, deren Finanzen ein teures Auto nicht erlauben, die sich aber dafür einen „scharfen“ Hund halten – und ihn dementsprechend hart behandeln -, um ihr Mini-Ego aufzubessern, sind zu verurteilen.

Daher:
Vermenschlichung im Sinne der Hunde: JA.
Hundehaltung, die aus einer Modeströmung erwächst oder die kleine Egos aufbessern soll: NEIN.

 

2. Manche Hunde tragen Mäntel – absolut unnatürliche Vermenschlichung?
Hunde haben durch künstliche (also vom Menschen verursachte) Zuchtauswahl sehr divergierende Erscheinungsbilder. Zudem leben sie in beheizten Räumen, was verhindert, dass sich ein entsprechendes Winterfell bildet. Vor allem manche kurzhaarige Rassen haben in der kalten Jahreszeit also nichts zu lachen. Dasselbe gilt für ältere Tiere, die ihre Energien nicht für Wärmeproduktion verschwenden sollten, im Sinne eines weiteren langen Lebens. Es hat daher grundsätzlich gar nichts mit „böser Vermenschlichung“ zu tun, wenn ein Hund einen Mantel trägt.
Ausgenommen sind natürlich Mode-Accessoires, deren Funktion erst erfunden werden muss, oder Kleidungsstücke, die den Hund in seinem natürlichen Verhalten behindern und/oder ihm unvorbereitet aufgezwungen werden. Also: zuerst informieren (was unter anderem bis zum Ende lesen und verstehen bedeutet) und dann urteilen!

 

3. Natürliche Hundeernährung?
Der Hund stammt vom Wolf ab. Der Wolf frisst Beutetiere samt deren Mageninhalt. Daher tendieren Hunde, wie auch Wölfe, schon mal eher in Richtung Allesesser (Omnivore) – viel mehr als unsere Hauskatzen, die die Innereien eher liegen lassen.
Hunde sind jedoch keine Wölfe mehr. Sie haben sich im Zuge der Domestikation (Haustierwerdung) mit großer Wahrscheinlichkeit unter anderem freiwillig der menschlichen Gesellschaft angeschlossen und die Vorteile davon genossen: Die Nahrungsreste der Menschen waren gute, nahrhafte und einfache „Beute“. Und Überraschung: Die Nahrungsreste bestanden nicht unbedingt aus Fleisch.
Daher: Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen ist sowohl mittels rein pflanzlicher Quellen als auch „herkömmlich“ möglich. Die Gesundheit unserer Hunde hängt nicht davon ab, ob die Inhaltsstoffe tierlicher oder pflanzlicher Herkunft sind, sie müssen den Bedürfnissen der Hunde angepasst sein. Wenn also über Ernährung von Hunden diskutiert wird, dann bitte auf einem höheren Niveau und nicht über „Glaubenskriege“.
Dasselbe gilt im Übrigen auch für Fertigfutter vs. Frischfütterung/Kochen für den Hund: Es gibt hochwertiges Fertigfutter, das selbstverständlich einer einseitigen Frischfütterung überlegen ist, genauso wie minderwertige Produkte, in denen Abfälle der menschlichen Nahrungsmittelproduktion verarbeitet und teuer verkauft werden.

 

4. Korrigieren, dominieren, Rangordnung klarstellen, bestrafen statt belohnen?
Manche Ewiggestrige sehen den Hund ausschließlich als Rudeltier, das sich einem Führer natürlich unterordnet, wenn sich dieser nur entsprechend dominant behauptet. „Dominant behaupten“ heißt hier meistens, den Hund mit Zischlauten, Leinenrucks, Alpha-Würfen von unerwünschtem, aber durchaus natürlichem Verhalten abzuhalten. „Korrektur“ wird das dann beschönigend genannt.
Selbst wenn diese Korrektur auch nur irgendwie tierschutzgerecht wäre oder effektiv erscheint, lernt ein Hund dadurch nicht, was er eigentlich tun soll oder könnte. Allein die Tatsache, dass derartige Korrekturen immer und immer wieder notwendig sind (und häufig immer heftiger ausfallen, sobald die „mildere“ Korrektur ihre Wirkung verfehlt), oder zumindest die Androhung dieser – ein warnender Blick z.B. -, sollte doch schon Hinweis genug sein, dass diese Methode nicht nachhaltig ist.
Das Resultat eines solchen „Trainings“ ist lediglich ein Hund, der aufgehört hat, sich zu wehren und unter Umständen sogar in einen depressiven bis lethargischen Zustand verfällt. „Gut abgerichtet“, würden manche „KollegInnen“ sagen. Viele TrainerkollegInnen, WissenschafterInnen und ich sagen dazu „erlernte Hilflosigkeit“. Dabei verschwindet das – im wahrsten Sinne des Wortes – bekämpfte Fehlverhalten, doch der Hund wird ein Ventil für seine aufgestauten Gefühle suchen müssen: Stressbedingte Erkrankungen, andere Verhaltensauffälligkeiten wie Stereotypien, etc.
In diversen TV-Shows wird ein Hund, der nach einem langen Kampf mit dem selbsternannten Hundetrainer regungslos am Boden liegt, als „entspannt“ bezeichnet. Der Hund ist jedoch in Wirklichkeit alles andere als das: „Vor Angst nach Luft ringend und völlig erschöpft“ wäre noch immer eine beschönigende Formulierung dieser Tierquälerei.
Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, wie eine derartige Empathielosigkeit seitens aller beteiligten Menschen (auch der leichtgläubigen ZuseherInnen!) zustande kommen kann: Die Augen derart behandelter Hunde sind vor Angst weit aufgerissen, die Atmung ist schnell und flach und nicht ruhig, wie es ein tatsächlich entspannter Hund zeigen würde.

 

5. Verhundlichen des Menschen als Lösung?
„Hunde untereinander sind auch nicht zimperlich.“, „Hunde bestrafen sich gegenseitig auch.“ – Das oder Ähnliches hört man immer wieder als Legitimation für mehr oder minder harte Bestrafungen oder Korrekturen.
Erstens gehen Hunde Konfrontationen primär aus dem Weg und zweitens sind wir MENSCHEN, keine Hunde. Des Weiteren habe ich auch noch keinen Hund erlebt, der einem anderen Hund Leinenführigkeit beibringen wollte. In diesem Sinne für die unverbesserlichen BesserwisserInnen: Viel Spaß bei der Ano-Genital-Kontrolle und beim Revier markieren! Wenn schon, denn schon!
Es muss doch unser Ziel sein, unseren Hunden zu helfen, erwünschtes und gesellschaftlich sicheres Verhalten zu zeigen – ob der vielen Unnatürlichkeiten im Leben unserer Hunde AUCH mit Leckerli-Belohnung! Allein schon die Geräuschkulisse in unserem Großstadtleben hat sich sehr schnell sehr stark verändert, verglichen mit den Umweltreizen zu Zeiten der Domestikation. Das ist von einer Natürlichkeit aus „Hundesicht“ weit entfernt.

 

6. Positive Verstärkung – Degradierung zum Futterautomat?
Selbstverständlich nicht. Der gezielte Einsatz von Futter- oder anderen Belohnungen ermöglicht dem Hund in kleinen positiven Lernschritten, sich im Dickicht der menslichen Regeln zurechtzufinden.
Stellen wir uns einmal vor (als EuropäerInnen), plötzlich in Peking alleine auf der Straße zu stehen. Wir kennen weder die Schriftzeichen, noch verstehen wir ein gesprochenes Wort. Ich denke, wir wären sehr dankbar, wenn sich jemand uns annehmen würde, der in kleinen, verständlichen Schritten erklärt, was wichtig ist, damit wir uns verständigen können.
Jemand, der uns bei jedem falschen Wort – und es kann nur falsch sein! – bestraft, wird uns bestimmt zur Verzweiflung bringen. Selbst wenn die Strafe nur ein Korrekturwort (nämlich „falsch“) wäre, also nichts Bedrohliches oder Schmerzhaftes, wird uns das Gefühl der Frustration früher oder später äußerst lernunwillig machen.
Manche sagen auch „stur“ dazu … Klingelt’s? Sie kennen bestimmt viele Hunde, die total „stur“ einfach nicht das tun, was sie tun sollen. Schon mal darüber nachgedacht, dass sie vielleicht noch gar nicht wissen, was sie überhaupt tun sollen? Oder dass es andere Gründe außer „Sturheit“ geben kann, weshalb ein Hund nicht sofort unsere Gedanken lesen kann?

 

7. Muss man dann immer mit Leckerlis belohnen? 
Nein, aber man kann, da fällt mir auch kein Zacken aus der Krone. Warum auch nicht, wenn mein Hund daran eine Freude hat, habe auch ich eine Freude damit (meine Hunde sind im Übrigen schlank und pumperlgesund). Aber es gibt auch genügend andere Möglichkeiten, einen Hund zu belohnen oder ihn glücklich zu machen.
Merkwürdig erscheint mir überhaupt, dass die Frage recht häufig ist: „Wann kann man aufhören mit den Belohnungen?“ Wieso sollte ich aufhören, meinem Hund Anerkennung, Zufriedenheit und Glück zu bescheren? Neben der Tatsache, dass es für unsere harmonische Beziehung förderlich ist?
Interessanterweise stellt kaum jemand die Frage: „Wann kann ich mit bestrafen/korrigieren aufhören?“… Weshalb? Weil die Begründung ja so „logisch“ ist: Der Hund möchte halt noch immer die WeltHERRschaft an sich reißen. Welch veraltetes Halb-Wissen (abseits der Macho-Allüren übertragen auf unschuldige Hunde; allein deshalb schon abzulehnen!).
Die Theorie der starren Rangordnung, bei der der „Dominante“ immer aufpassen muss, dass er nicht vom „Subdominanten“ überfallen und gestürzt wird, stützt sich auf Konfrontationen, die bei Wölfen in Gefangenschaft beobachtet wurden. Was sagt uns das über Hunde? Gar nichts, da Hunde längst keine Wölfe mehr sind. Und selbst die Schlussfolgerung Wölfen gegenüber ist inkorrekt, denn eine natürliche Wolfsfamilie hat mit einem willkürlich zusammengewürfelten Haufen an Wolfindividuen auf zu engem Raum nichts zu tun.

Fazit: Alles, was Hunde gerne tun/mögen, kann als Belohnung angeboten werden: Schnüffeln, Spuren suchen, spielen, laufen, Aufmerksamkeit, … und natürlich auch Essbares.
Daher individuell auf die Bedürfnisse und Vorlieben des jeweiligen Hundes eingehen statt vermeintliche Pauschallösungen aufzwingen!
Vermenschlichung bedeutet für mich, Hunde und deren Gefühlswelt ernst zu nehmen. Denn wir Menschen sind verantwortlich dafür, ob es unseren Hunden gut oder schlecht geht. Hunde haben keine Wahl und lieben zumeist ihre Menschen – bedingungslos. Diese bedingungslose Liebe verpflichtet uns als vernunftbegabte und empathiefähige Menschen, dafür zu sorgen, dass es unseren Hunden gut geht und sie glücklich sind!

Training – Dressur – Abrichten

 Tyke, 20 Jahre lang gequälte Zirkuselefantenfrau, musste sterben. Sie wurde gewaltsam trainiert. Sie funktionierte lange Zeit. Bis zu dem Tag, an dem sie sich zur Wehr setzte – endlich. Das war zwar ihr Todesurteil, aber für sie nach einem qualvollen Leben eine Erleichterung. 

Video: Tykes letzter Kampf

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Sowas Training zu nennen, was vielen Tieren angetan wird, bringt mich zum nachdenken. Ich hab inzwischen manchmal Probleme damit, meine Arbeit als „Training“ zu bezeichnen, wenn diese gewaltsame Dressur eines sein soll. Oder wenn – einige – Menschen es damit assoziieren. 

Das, was Elefantin Tyke mitmachen musste, erleben viele Hunde tagtäglich. Schockiert? Es ist leider so. „Abrichten“ wird das genannt von älteren Semestern – „Training“ von jüngeren. Abscheulich, verachtenswert, widerlich.

Hunde müssen funktionieren. Das ist das Ziel des „Trainings“. Ein harmonisches Miteinander, Freundschaft, Vertrauen spielen keine Rolle: Hauptsache, der Hund „spurt“, ist unauffällig wie eine Handtasche oder ein Koffer, den man als Mensch nachzieht – ein Accessoire oder eine gebändigte Kampfmaschine zum Angeben.

Und alle staunen:

„BOAH, ist er gut abgerichtet.“

JAAAA. Bis er zurückschlägt. Denn im Rahmen meiner Arbeit habe ich mit vielen Hunden zu tun, die sich irgendwann zur Wehr setzen.

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html

Meine Hunde zeigen mir, wie es ihnen geht. Und ich stelle mich darauf ein. Sie müssen nicht immer alles können, sie sind keine Maschinen oder Automaten mit Signalen anstatt von Knöpfen.
Und schon gar nicht werden sie gewaltsam – weder physisch noch psychisch – zu etwas gezwungen.
Für unser gemeinsames Wohlbefinden, Vertrauen zueinander und für Sicherheit im Leben.