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Ein Hundeleben lang isoliert

Sogenannte Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

 

 

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer „Fight or Flight“-Reaktion ist enorm hoch. 

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer „tollen Strategie“ – aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der „Nutz“-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden…

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

 

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.
(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun. Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

 

 

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.

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Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.

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Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.

 

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Voraussetzungen waren in seinem Fall:

  • positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
  • positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
  • positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
  • Verhalten „Kopf durch Schlaufe stecken“ positiv erlernt

 

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde „aufgegeben“ werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht „auszahlt“. Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

 

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt – unter Anleitung – stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon – der Hund sowieso.

 

Hunde in öffentlichen Verkehrsmitteln: Ein (Tier)Schutzproblem!

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… kurz bevor ich die handycam gezückt habe, war die ubahn getreten voll.
der hund war schon beim einsteigen extrem gestresst und hat die ganze zeit ängstlich und hektisch die ihn umringenden beine angesehen – schließlich könnte ja jederzeit jemand auf ihn drauf steigen (was sicher auch schon des öfteren passiert ist). der schwanz war die ganze zeit total eingeklemmt zwischen den hinterbeinen am bauch anliegend… (das konnte ich leider nicht filmen, eben weil es so dicht gedrängt war…)
die besitzerin bekommt davon kaum etwas mit, sie achtet überhaupt nicht auf ihren hund, passt auch nicht darauf auf, dass sich ihr eigener hund sicher fühlt.

eher im gegenteil, sie zieht den bereits völlig überforderten hund (wenigstens) am brustgeschirr zwischen den menschlichen beinen herum.
als einige menschen ausgestiegen sind und ich mit filmen begonnen habe, konnte der hund wenigstens ein bisschen durchatmen, die besitzerin steht allerdings noch immer mit dem rücken zu ihm, im zweifelsfall kann sie nicht mal sagen „passen sie auf, dass sie auf meinen hund nicht draufsteigen“.
furchtbare situation aus sicht des hundes.

eine noch ärgere situation hab ich mal beobachtet, aber leider nicht gefilmt. ein pekingese sitzt bei den füßen seiner besitzerin in der ubahn. immer wenn er sich bewegt oder aufsteht, „tritt sie ihn wieder zurecht“.
den ängstlichen blick des kleinhundes zu den füßen seines menschen werd ich nicht mehr vergessen. als sie dann ausgestiegen sind, war der kleine nur damit beschäftigt, allen beinen und sich bewegenden füßen möglichst auszuweichen. ein unterfangen, das ihm nicht gut gelingen kann – schließlich wird er an der leine herumgezerrt, oft genug direkt vor die füße eines menschen.

arg, was hunde alles ertragen (müssen) und noch ärger, dass nicht mehr schnapp- und beißvorfälle passieren.
wenn ich mir vorstelle, ein hund in der situation zu sein, ich würde wahrscheinlich prophyllaktisch jedem/jeder ins wadl zwicken. auf meinen menschen kann ich mich ja nicht verlassen, im gegenteil, die bringen mich ja sogar in diese misere oder verschlimmern sie durch eigene tritte sogar noch.

das fahren von öffentlichen verkehrsmitteln kann aber selbstverständlich auch anders aussehen…

trockentraining der „parkposition“. zwischen den beinen verliert der hund auch bei plötzlichen stopps nicht das gleichgewicht und er ist abgeschirmt vor „auf pfote steigen“ und co.

eißkorbtraining muss natürlich sein – und zwar vor dem ersten öffi-fahren. hedy ist ausgestattet und bereit.

hedys erste ubahnfahrt haben wir zu einer zeit gemacht, in der wenig los war. hedys menschen stehen dennoch abschirmend und sicherheit gebend zwischen ihr und den anderen.

hedys erste ubahnfahrt… ganz weiß sie noch nicht, was das eigentlich soll… aber wir fahren gleich mal zu einem netten gebiet zum spazierengehen, dann machts wieder sinn. 🙂


in der „parkposition“ fühlt hedy sich sicher und schaut auch mal, was und wer sonst noch so mitfährt.

 

zwischendurch gibts immer kekse, damit das alles in guter erinnerung bleibt.

weil genügend platz ist (nachdem ein paar menschen ausgestiegen sind), kann hedy auch „frei“ sitzen… und wird für diese geniale idee gelobt und bekommt einen keks.

ubahnfahren… ein klacks… denkt sich hedy und marschiert gehobenen schwanzes aus der ubahn. 🙂