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Hundetraining… im Tierheim

Vor kurzem wurde ich gefragt, welche Übungen ich mit Hunden mache, die im Tierheim leben, und wie der Ablauf eines Trainings aussieht.

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Grundsätzlich ist es für mich wichtig, Hunden Alltags-Kompetenzen zu vermitteln. Das hilft einerseits einmal direkt bei der Vergabe, denn je mehr ein Hund kann, desto besser vermittelbar ist er. Aber auch je mehr Strategien ein Hund gelernt hat und je zielgerichteter er auf ein zukünftiges Leben in einem Privathaushalt vorbereitet wird, desto besser wird es ihm selbst im neuen Zuhause gehen (und auch den Menschen).

 

 

Hier eine (unvollständige) Liste an Trainingsmöglichkeiten für Hunde, die im Tierheim leben. Nicht alles ist für jeden Hund gleich wichtig, nicht jeder Hund muss alles können!!!

 

  • Clickertraining / Markertraining: Klare und eindeutige Kommunikation für Hund (und Mensch). So hat der Hund die Chance, möglichst schnell verstehen zu können, was erlernt werden soll (und sinnvoll ist). Schnelligkeit im Training per se ist zwar kein Kriterium im Training, das über die Qualität etwas aussagt, aber je effektiver das Training (und damit der Fortschritt des Hundes), desto besser für den Hund: besonders empfehlenswert bei Hunden im Tierheim, wenn mehrere Personen mit dem Hund umgehen; Futter als Verstärker, zusätzlich Weggehen als Verstärker einsetzen (je nach Übung)S2550008
  • Click für Blick (mit dem Ziel: Selbstständiges Abwenden) –> eher auf Gefühlsebene unterstützen
  • Umorientierungssignal (mit dem Ziel: Selbstständiges Abwenden) –> eher auf Verhaltensebene unterstützen
  • Selbstständiges Abwenden von Reiz –> Futter als Verstärker, eventuell Weggehen als Verstärker einsetzen
  • Geschirrgriff / Anspannung an Leine positiv verknüpfen –> Assoziiert der Hund den Griff ins Geschirr/Leinenspannung mit der Aufregung einer Hundebegegnung, ist es notwendig, daran in ruhigen Situationen ohne Auslöser zu trainieren, sodass der Hund mit Geschirrgriff/Leinenspannung etwas Positives verknüpft.
  • Maulkorb-Training: Absolutes Muss bei Hunden in der Stadt (Hundeführschein, Sachkundenachweis) oder Hunden, die Aggressionsverhalten zeigen
  • Decken-Training: Hilfe in unbekannter Umgebung (Tierarzt, …), Sicherheitsort für ängstliche Hunde, etc…
  • Weiter: An Auslösereiz vorbeigehen
  • Sitz: Hilfreich für viele Situationen (Suchspiele, Hundebegegnung, durch Tür gehen, etc…)
  • Bleib: Hilfreich für viele Situationen (Suchspiele, durch Tür gehen, etc…)
  • Erwünschtes Verhalten gezielt belohnen/fördern: jeder Hund zeigt vor unerwünschtem Verhalten etwas Erwünschtes – das ist anzuerkennen und zu fördern!_DSC2232
  • Unerwünschtes Verhalten verhindern / Management: Situationen, die unerwünschtes Verhalten auslösen, vermeiden (zB. Direktkontakt mit anderen Hunden, bis Trainingslevel erreicht ist)
  • Aus unerwünschtem Verhalten raushelfen: Das Leben ist kein Wunschkonzert, wenn der Hund Unerwünschtes zeigt – aktiv raushelfen!
  • In erster Linie gute Zeit haben: Leistung ist zweitrangig
  • Wohlfühlbudget auffüllen: Hundedinge machen ohne Beeinflussung vom Menschen, Leckerli-Suchen, Beutespielchen, Streicheln, Massage, … je nach Hund und Trainingslevel.

 

 

Ganz allgemein kann ein 45-60-Minuten-Training – je nach Trainingslevel und Situation flexibel änderbar – aus folgenden Abfolgen bestehen:

 

Beispiel für Tierheim-Hund Strolchi, seit 1 Woche im Tierheim, Trainingsbeginn:

 

  • Hund seine Erledigungen machen lassen – sich lösen, schnüffeln, laufen – bis er zeigt, dass er „bereit“ ist
  • Übung Nr. 1: Clicker konditionierenS2370018
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 2: Decken-Training
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, möglichst ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 3: Decken-Training
  • Ruhiges Ende des Trainings  – Futter suchen zB. (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)

 

Beispiel für Tierheim-Hund Struppi, seit 4 Monaten im Tierheim, Training 1 mal pro Woche:

 

  • Hund seine Erledigungen machen lassen – sich lösen, schnüffeln, laufen – bis er zeigt, dass er „bereit“ ist
  • Übung Nr. 1: Hunde-Begegnungstraining (Click für Blick, Umorientierungssignal, Selbstständiges Abwenden)
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)0041
  • Übung Nr. 2: Decken-Training Innenraum als Vorstufe zum Tierarzt-Training
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, möglichst ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 3: Sitz-Bleib-Suchspiele im Auslauf
  • Ruhiges Ende des Trainings  – Futter suchen zB. (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)

 

 

 

Die Übungen können, aber müssen nicht dieselben (in unterschiedlicher Schwierigkeit) sein – das hängt sowohl vom Hund, vom Trainingslevel als auch von der Tagesverfassung ab. Was den Ort betrifft, der hängt natürlich von den Übungen ab, kann aber durchaus gewechselt werden. S3170065

 

 

 

Die beiden oben genannten Beispiele dienen auch nur zur Orientierung, keine Regel ohne Ausnahme: Ein Social Walk kann natürlich nicht den beschriebenen Abläufen entsprechen.

 

 

 

 

Wichtig im Training allgemein ist es, nicht krampfhaft ein Ziel zu verfolgen, sondern das Training an den Hund anzupassen:

 

Keep it simple! – dem Hund einfach zeigen, wie er sich sinnvoll verhalten könnte. S2370011

Keep it fun! – denn am Besten und Schnellsten lernt Hund (und Mensch), wenn es Spaß macht. Und dann werden die Grenzen zwischen Übungen und Pausen, Training und Alltag fließend – bis man nur noch auf die Rahmenbedingungen achtet und den Hund für selbstständig gezeigtes erwünschtes Verhalten belohnt.

Weniger ist mehr! – ein schlechter Tag, ungute Stimmung? Dann ist ein Spaziergang alleine oder nur im Auslauf laufen absolut ausreichend. Wichtig ist, dass der Hund eine gute Zeit erlebt, wenn er aus dem Zwinger draußen ist!

 

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Diese Art von Umgang und Training bringt selbstbewusste und humorvolle Hunde hervor,

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  • die auf gute Ideen ohne Anleitung kommen,
  • die jederzeit ansprechbar und damit
  • umlenkbar (Alternativverhalten) sind, wenn nötig,
  • und die gelernt haben, (ihren) Menschen und deren Entscheidungen zu vertrauen.

 

 

 

So lernte auch Marlo (er ist übrigens noch zu haben 🙂 ), der lange Zeit sozial isoliert (sowohl von Hunden als auch Menschen) lebte, dass beispielsweise Hundebegegnungen

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  • kein Grund zur Aufregung sind,
  • er sogar ohne Anleitung bzw. Hilfestellung seiner Trainerin Direktkontakt mit einer Hündin hatte,
  • 100% ansprechbar war,
  • sich selbstständig abwenden konnte und 
  • positives Sozialverhalten zeigte,

 

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und dass Besuche beim TierarztS2370053

 

 

  • kein Grund zur Aufregung sind,
  • bestimmte Übungen mit sich bringen, die wie ein Trick gelernt wurden und
  • keine unangenehmen Zwangshandlungen erfordern.

 

 

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Und last but not least: Hunde im Tierheim sind normalerweise einem höheren Stresslevel ausgesetzt als Privathunde. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie deswegen nicht lernen können – Genau sie brauchen eine gute Trainingsunterstützung, damit es ihnen besser geht und sie Kompetenzen lernen – für’s Leben!

 

Interesse geweckt? 🙂

Mehr dazu gibt es selbstverständlich in Fortbildungen und Seminaren mit Canis sapiens speziell zum Thema Tierheime – Beratung und Schulung: https://canis-sapiens.at/tierheime-beratung-und-schulung/

Einfach anfragen unter u.aigner@gmail.com 🙂

 

 

Hunde im Tierschutz – die 2. Seite der Medaille

snap131-2Das Internet quillt über vor lauter Meldungen, die gequälte Hunde zeigen, die nur darauf warten gerettet zu werden. Ob überfülltes Tierheim (auch – aber nicht nur – im Ausland), Tötungsstation oder von der Straße aufgelesen – sie alle müssen in Sicherheit gebracht werden! Die pure Lebensrettung ist schnell geschehen und einfach organisiert – und Pflegestellen oder Fixplätze gibt es ja auch genügend, so scheint es.
Doch so schnell erhält man noch keine TierretterInnen-Ehrenmedaille. Im Gegenteil, für die Hunde ist hier das Leid häufig noch längst nicht vorbei. Und für manche geht es nie vorüber, die landen (und enden) dann bestenfalls in heimischen Tierheimen, schlechtestenfalls … aber darüber wollen wir nicht nachdenken, schließlich ist der Hund doch gerettet!

 

Die Gründe, weshalb gar nicht so wenige vermeintliche Rettungen schiefgehen:

 

Die ersten beiden Punkte sind von Seiten der Vermittlungsorganisationen schlecht beeinflussbar. Selbstverständlich gibt es auch Hunde, die ein ganzes Paket an ungünstigen Voraussetzungen mitbringen, es aber doch irgendwie schaffen, sich anzupassen. Das ist aber etwas, das man nur dankbar annehmen kann. Es jedoch zu erwarten, ist unseriös – und ein Tierschutzproblem.

 

Viel wahrscheinlicher ist es, dass der gerettete Hund die eine oder andere Baustelle mitbringt. Zumindest sind etliche von ihnen bei meinen KollegInnen und mir im Training. Die Tücke ist, dass diese Baustelle nicht notgedrungen offensichtlich sein muss: Es können Monate vergehen, bis ein Hund nach dem ganzen Hin und Her angekommen ist – das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wo mehr und mehr Probleme entstehen.

 

Und schon sind wir beim letzten – sehr problematischen – Punkt: Schlechte Beratung und damit schlechte Erfahrungen (für Hund und Mensch) zu diesem Zeitpunkt lassen einen Teufelskreis beginnen. So einige Tierschutzorganisationen kooperieren mit selbsternannten HundetrainerInnen, deren Methoden aus der Steinzeit zu sein scheinen (oder geben gar keine Hilfestellungen). Gewalt erzeugt Gegengewalt, die Abwärtsspirale beginnt. Wer zahlt immer drauf? Richtig, der Hund, der dann bestenfalls im heimischen Tierheim landet. Siehe oben.

 

Weshalb manche (viele?) Menschen (auch im Tierschutz) auf die „Hau-drauf“-Lösungen reinfallen, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht, weil belohnungsbasiertes, wirklich gewaltfreies und damit tierschutzkonformes Training kompliziert wirkt und nicht nur eine simple Maßnahme („hau drauf“, „reiß ordentlich an“) für ein komplexes Problem bietet. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht!

 

Wirklich leid tun mir jedenfalls die Hunde – und deren Menschen. Letztere tun ja meistens ihr Bestes und setzen schlechte Ratschläge um. Auch entgegen ihrer ethischen Grundsätze, weil ihnen einE vermeintlicheR ExpertIn zu Leinenruck, Side-Kick, Alpha-Wurf und Co geraten hat.

 

Und nun komme ich zum Grund dieses Posts… einer wahren Begebenheit:

Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Auto am Stadtrand um eine Kurve und beobachtete ein junges Paar mit einer Hündin. Der stark hechelnden Hündin wurde mittels Leinenruck am Kettenhalsband der Boden unter den Vorderbeinen genommen.
Innerlich zog es mich zusammen, jedoch ist das eine Szene, die eine Trainerin in einer Großstadt eben zu sehen bekommt. Bei einer einmaligen Aktion im Beobachtungszeitraum sage ich normalerweise nichts.
Als ich vorbeigefahren war und wieder geradeaus fuhr, blickte ich in den Rückspiegel, um hoffentlich die Bestätigung der einmaligen Aktion zu erhalten. Jedoch weit gefehlt, ich sah einen stark gestressten Hund, der überhaupt nicht wusste, wie er der Strafe entgehen konnte, und somit wieder keinen Halt unter den Beinen hatte.
Ich hörte bereits meinen Puls, betätigte den Blinker, stoppte das Auto und stieg aus. Es folgte ein emotionales Gespräch, durchaus nicht unbedingt freundlich, mit der dringenden Bitte sich an eine/n wirklich gewaltfrei arbeitende/n Trainer/in zu wenden, muss ja nicht ich sein.
Anhand der Reaktion ahnte ich schon, dass die Beiden selbst nicht gerade glücklich darüber waren, was sie tun mussten. Aber es wurde ihnen eben von einem selbsternannten Hundecoach als notwendig erklärt – gerade bei einem Tierschutzhund, der Aggressionsverhalten zeigt.
In der Hoffnung, dass es für den Hund (und die Menschen) doch noch zu einer positiven Lösung kommen würde, stieg ich wieder ins Auto und fuhr mit zitternden Knien weiter.
Etwa ein halbes Jahr später ging ich mit meinen Hunden in der Gegend spazieren – und wen sah ich da? Die Hündin und ihre Besitzerin von damals Leckerli-fütternd mit rosarotem Sicherheitsgeschirr!!!

Meine Freude war groß, wenigstens eine Hündin war tatsächlich gerettet! 

Doch damit war die Erfolgsgeschichte noch nicht vorüber. Ich stehe inzwischen mit der Besitzerin in gutem Kontakt, wir haben uns „ausgesprochen“. Und sie war so lieb und hat mich darin unterstützt, ihre Geschichte zu erzählen – in der Hoffnung, dass einigen die Augen geöffnet werden.

 

Hier die Geschichte aus der Sicht der BesitzerInnen:

 

Vorgeschichte: 

Kettenhündin aus der Slowakei, kam ins Auffanglager, mit ca 2,5 Jahren nach Österreich zu einer Großpflegestelle. Sie verstand sich mit den dortigen Hunden nicht, weshalb sie die Pflegestelle öfter wechseln musste. Schließlich kam sie zur Tierpension eines selbsternannten Hundeexperten. Ich habe natürlich wie fast jeder Cesar Millan im Fernsehen gesehen und habe nie verstanden wie es noch Problemhunde geben kann wenn die Lösung so einfach ist. Den Hund auf den ich aufgepasst habe, habe ich aber trotzdem mit Leckerlis von anderen Hunden abgelenkt. Das Kettenhalsband auf Vermittlungsfotos der Hündin fand ich grauenvoll. 

 

Kennenlernen: (Hündin war 4 Jahre alt)

 

Wir fuhren zum selbsternannten Experten. Er brachte die Hündin aus dem Zwinger. Als sie weglaufen wollte bekam sie sofort einen heftigen Leinenruck mit dem Kettenhalsband auf Zug. Ich war sprachlos aber dachte tatsächlich das müsse so sein! Beim Gespräch mit dem „Trainer“ versicherte ich ihm, dass ich mit Hündin fertig werden würde. Ich würde viel Sport mit ihr machen und sie dann mit Leckerlis von Hunden weglotsen. Er lächelte nur. Auf die Frage warum sie so ein furchtbares Halsband trage meinte er nur, dass sie sonst weglaufen würde. 

 

Dann „durften“ wir bei einer seiner Trainingsstunden zusehen. Der Moment des Leinenrucks war total kurz. Für uns sah es tatsächlich so aus als würde er nur mit der Kette rascheln. Die Hunde waren sofort brav und folgten aufs Wort. Wir wussten damals nicht, dass sie einfach total eingeschüchtert waren. Wir hatten keine Ahnung von der Hundesprache. (Ich legte auch meinem Pflegehund eine Kette um und der war allein davon so eingeschüchtert, dass er permanent bei Fuß ging.)

 

Wir gingen mit der Hündin spazieren, sie zog sehr an der Leine. Der angebliche Trainer sah uns zu und gab uns „netterweise“ Gratisunterricht. Er meinte „So führt man einen Hund!“ und versetzte ihr einen wahnsinnig heftigen Leinenruck. Ich drehte mich um damit er meine Tränen nicht sehen konnte. Er erklärte uns, dass es für den Hund besser wäre einmal einen kräftigen Ruck zu bekommen als ständigem Druck auf dem Hals ausgesetzt zu sein wenn er an der Leine zieht. So peinlich es mir heute ist: es klang logisch und wir glaubten ihm. Seine Frau zeigte mir wie man einen Hund dazu bringt sich hinzusetzen: sie nahm die Leine in die Hand und zog so lange nach oben bis die Beine der Hündin einsackten. Ich machte es ihr nach. Als die Hündin saß war ich stolz es geschafft zu haben die Bestie zu bändigen.

 

Zuhause angekommen:

 

Wir dachten die Hündin müsse gleich beim ersten Spaziergang die ganze Umgebung kennenlernen und machten eine große Runde. Von Leinenführigkeit wie damals beim angeblichen Experten war keine Rede. Sie hechelte wie verrückt, war starkem Stress ausgesetzt. Wir ruckten an der Leine aber das veränderte nichts. Also ruckten wir fester. Dann kamst du und hast uns erklärt, dass sie leidet. In diesem Moment war alles einfach viel zu viel! Am liebsten hätte ich den Hund sofort wieder hergegeben. Dann kam die erste Hundebegegnung und die Hündin wollte den anderen Hund einfach nur killen! Würgereiz hin oder her! Da war klar: was der „Hundeexperte“ gesagt hat war reiner Schwachsinn. Er meinte zwar, dass man bei Kettenhunden fester durchgreifen müsse, weil sie am Hals schon hart wären aber damit hat’s einfach gereicht. Ich habe daheim das Kettenhalsband um meinen Hals gelegt und mir lief es kalt den Rücken runter. Ich ging am nächsten Tag mit der Hündin einkaufen und kaufte ihr ein Geschirr. Der erste Versuch mit positivem Training war gleich sehr erfolgreich: ich hatte einen Hamster und belohnte den Jagdhund für ruhiges Verhalten neben dem Hamsterkäfig. Problem in wenigen Minuten gelöst!!! Das Hundeproblem war aber noch lange nicht gelöst. Ich versuchte die Hündin mit Leckerlis abzulenken – hatte damit aber nur mäßig Erfolg. Dann sah ich eine Frau wie sie ihren Hund an uns vorbeiclickerte und fragte sie (über das Geschrei der Hündin drüber) ob das funktioniere. Sie meinte es funktioniere super, man brauche dafür nur einen Trainer damit man‘s von Anfang an richtig mache. (Anmerkung: Das war eine meiner Kundinnen)

Wenn ich diese Zeilen lese, wird mir jetzt noch ganz anders. So vielen Hunden wird Furchtbares angetan – auch im Namen des Tierschutzes. 
Doch müssen auch die hilfesuchenden Menschen durch eine „harte Zeit“. Die kurze Schilderung der Besitzerin zeigt, wie sehr sie mit sich selbst im Konflikt war – berechtigterweise!

Ich erlebe es häufig als Hundetrainerin, dass Menschen tatsächlich erleichtert sind, den Hund nicht maßregeln zu müssen, sondern dass sie ihm auf gewaltfreie und tierschutzkonforme Weise viel besser zeigen können, wie er sich verhalten soll.
Alleine schon die Erklärung, dass der Hund nicht die Weltherrschaft an sich reißen möchte, sondern aus vielerlei Gründen nicht anders kann, öffnet Emathie und somit die Tür zu einer vertrauensvollen Beziehung.

Daher ist es mir ein großes Anliegen, dass Vermittlungsorganisationen mit seriösen HundetrainerInnen, die belohnungsbasiert, gewaltfrei und tierschutzkonform arbeiten, kooperieren.
Hundevermittlungen sollten idealerweise von Vorneherein begleitet werden (zumindest sollte es diesbezüglich Empfehlungen seitens der Vermittlungsorganisation geben). Oft genügen wenige Trainingseinheiten, um Hund und Mensch zu helfen.
Vermittlungsbegleitung spart Geld, Nerven und bedeutet echten aktiven Tierschutz. Vorbeugen ist besser als Heilen!

Trainieren statt dominieren!

Was sich ein Hund wie Marlo für’s neue Jahr wünscht

marlo-1Knapp ein Jahr ist vergangen, seit Marlo von Ungarn nach Österreich übersiedelte, was ihm gleichzeitig auch das Leben gerettet hat. Denn er hätte eingeschläfert werden sollen, Marlo galt als unberechenbar und aggressiv: Ein halbes Jahr vor seinem Umzug lernte ich ihn kennen, nachdem seine Retterinnen eine TrainerIn gesucht hatten, die sich bereiterklärte, mit einem Hund wie Marlo zu arbeiten.
Hunde wie Marlo (hier ist mehr über seine Geschichte nachzulesen) liegen mir besonders am Herzen. Durch strafbasierte Trainingsmethoden und empathielosen Umgang nimmt die Abwärtsspirale seinen Lauf, der Hund lernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert – die unangenehmen Menschen bleiben auf Abstand. Übrig bleibt ein Lebewesen, völlig unverstanden und fehlinterpretiert, das wegen menschlicher Fehlleistungen getötet werden soll. Daher willigte ich sofort ein, den Rottweiler (damals noch „Macho“ genannt – Namensgebung lässt auf Besitzer schließen…) kennen zu lernen und mit ihm zu arbeiten. 🙂

 

Die Voraussetzungen waren alles andere als erfolgsversprechend: Der Rottweiler lebte seit Jahren in engen Zwingern, kaum jemand traute sich hinein, er zeigte Aggressionsverhalten und ich konnte nur alle drei Wochen die Reise nach Ungarn antreten.
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Marlo beim heutigen Besuch: Eine Freude 🙂 Es hat sich alles zum Positiven entwickelt – mit Trainingsmethoden, die auf positiver Verstärkung beruhen, und einem gewaltfreien Umgang (ohne Einschüchterungen, Schreckreize, wegschupsen, etc.)

Kurz nach seiner Übersiedelung zeigte sich Marlo schon von seiner besten Seite – das Wenige, was in Ungarn an Training geschah, hatte er nicht vergessen. 🙂

Vor der Auflistung, was Marlo alles schon kann (inkl. vieler Videos), gibt’s erstmal Impressionen vom heutigen Besuch bei Marlo, dem Supertopcheckerrotti aus Ungarn (Updates, Fotos und noch weitere Videos auch auf Canis sapiens – Facebook-Seite und auf meinem YouTube-Kanal):

Marlos Trainingsfortschritte: 🙂

  • Basis Tierarzttraining
  • Tierklinik – Gesundheitszustand abchecken und Kastration
  • Vertrauen
  • Freude am Leben
  • Grundkommandos: Sitz, Platz, Abrufen, Warten, Ressourcen tauschen, Leinenführigkeit
  • Tricks: Pfote, Handtouch, Küsschen
  • An anderen Hunden vorbeigehen/auf andere Hunde zugehen/Social Walks

 

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=I8YmarueKVs[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=-G8aAAt0xVc[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=IFPyKOQjbMs[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=VOq6_an7w2o[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=x5n_YTLuitc[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=sZbdd7ViQbw[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=RtbWzo_MTUI[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=JVBhfM16XkI[/embedyt]

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=CCBbUKRoKFc[/embedyt]

Rottweiler Marlo – und viele andere mit einem ähnlichen Schicksal – wünscht sich, dass er im Jahr 2016 endlich SEINE Menschen kennenlernt und nach Hause gehen kann. Er hat es sich schwerstens verdient, der liebe Marlo!
Ideal wäre ein Haus mit Garten in einer ruhigen Gegend und Menschen, die Marlo so lieben, wie er ist.

InteressentInnen, bitte unter u.aigner@gmail.com melden! Die Vermittlung würde natürlich bestmöglich begleitet werden, damit der Start ins neue Leben ohne Komplikationen verläuft…

 

 

Diejenigen, die Marlo nicht aufnehmen können, aber dennoch helfen wollen, können auch unterstützen! Seine Betreuung muss natürlich nach wie vor finanziert werden und auch hier ist Hilfe von nöten! Danke!

 

 

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

 

Inzwischen wünschen Marlo und ich alles erdenklich Gute für das Jahr 2016!!!

Spider hat ein neues Zuhause!

Um den Jahreswechsel 2010/2011 hätte der Schäfer-Malamute-Mischling Spider euthanasiert werden sollen, er wurde als gefährlich eingestuft. Im Rahmen meiner damaligen Arbeit im Tierschutz (Vier Pfoten) gelang seine Rettung.

Seit dem lebte er in der Pfotenhilfe in Lochen/OÖ. 

Heute durfte ich erfahren, dass Spider seine Menschen gefunden hat und bereits in sein Zuhause eingezogen ist 🙂 *mademyday* Ich freue mich so für ihn!

Und ich hoffe, dass Rottweiler Marlo nicht so lange warten muss und auch bald seine Menschen kennenlernt. 

Rottweiler Marlo aus Ungarn zeigt Vertrauen

Eine Woche nach dem Besuch in der Tierklinik zeigt Marlo deutlich, dass ein Tierarztbesuch mit dem richtigen Training kein traumatisierendes Ereignis sein muss.

Auch ein Hund wie er, der als aggressiv abgestempelt und deshalb einen großen Teil seines bisherigen Lebens ausschließlich in einem kleinen Zwinger gehalten wurde, kann wieder lernen, dass er Menschen vertrauen kann.

Viel mehr noch, er genießt Streicheleinheiten, wuzelt sich im Wohlfühlmodus  zum ersten Mal seit ich ihn kenne und geht ganz positiv und offen auf fremde Menschen zu.

Es ist jetzt dringend an der Zeit, dass Marlo mehr neue Menschen kennenlernt – am Besten gleich SEINE neuen Menschen.

InteressentInnen, nur her mit euch! 🙂 u.aigner(ät)gmail.com

Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher „praktisch nichts“ kennengelernt hat.

Wer Marlo kein Zuhause bieten kann, aber Zeit und Engagement mitbringt, kann auch mit einer Patenschaft helfen: 

Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe.


Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und Unterbringung und vor allem akut die Tierklinik kosten Geld.

Daher sind UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

DANKE! 


Und hier noch die Fotostrecke vom vertrauensvollen Wuzel-Streichel-Wohlfühl-Marlo (danke an den Fotograf!):

Ein Hundeleben lang isoliert

Sogenannte Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

 

 

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer „Fight or Flight“-Reaktion ist enorm hoch. 

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer „tollen Strategie“ – aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der „Nutz“-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden…

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

 

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.
(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun. Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

 

 

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.

[evideo id=“uOeWa4184ug“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.

[evideo id=“qK6wvhew2D0″ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.

 

[evideo id=“TWaFH-sq7wY“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Voraussetzungen waren in seinem Fall:

  • positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
  • positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
  • positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
  • Verhalten „Kopf durch Schlaufe stecken“ positiv erlernt

 

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde „aufgegeben“ werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht „auszahlt“. Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

 

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt – unter Anleitung – stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon – der Hund sowieso.

 

Training „aggressiver Rottweiler“ – Hilferuf aus Ungarn

Vor ein paar Wochen erreichte mich ein Anruf einer Tierschützerin. Sie hilft gemeinsam mit einer Tierschutzorganisation, Hunde aus Ungarn zu vermitteln bzw. vor der Tötungsstation zu retten.

Macho in seinem kleinen „Zuhause“ 
in der Tierpension.

„Seit einigen Monaten haben wir einen Rottweiler-Rüden in einer Tierpension untergebracht und niemand traut sich in den Zwinger. Sie wurden mir für die Resozialisation empfohlen.“, hörte ich die Dame am Telefon sagen. 

Nach einem langen Telefonat, bei dem ich meine Einstellung und Grundlagen im Umgang und Training erklärte, war klar: Alle 2 Wochen besuchen wir den „Problemhund“ und ich werde mit ihm arbeiten – häufiger geht sich beruflich nicht aus. Aber weniger ist ohnehin mehr – mal schauen, wie weit wir kommen werden.

Vorgeschichte des unkastrierten Rüden:
Macho – was für ein „genialer“ Name – lebte bei einem Mann, der spätestens ab Machos Pubertät mit ihm überfordert war. Macho musste bestimmt auch unangenehme Erfahrungen mit Menschen machen – als Konsequenz lernte er, dass Aggressionsverhalten funktioniert –> Menschen lassen ihn dann in Ruhe.
So kam es dazu, dass Macho nur noch in einem Zwinger eingesperrt war, der Besitzer kaum Zeit hatte, ein „Teufelskreis“…
Weil er so wenig Zeit für Macho hatte, entschied sich der Besitzer, ihm einen zweiten Rottweiler-Rüden „zum Spielen“ dazu zu kaufen. Tja, was soll mensch da sagen??? „Gut gemeint“ hilft halt auch nix. Denn anstatt zu spielen haben die beiden Hunde eher gekämpft. Was dazu geführt hat, dass beide nebeneinander eingesperrt in einem kleinen Zwinger ihr Dasein fristeten. Da der Besitzer immer mehr Angst vor Macho bekam, wurde entschieden, ihn abzugeben – zum Glück für Macho nicht in die Tötung, sondern in die Obhut der Tierschützer.

Macho lebt zwar unter sehr ungünstigen Umständen, aber er hat in seinem kleinen Zwinger eine Rückzugsmöglichkeit: Eine Hütte, deren Öffnung auf die Seite zeigt. Das bedeutet, dass Macho sich auch unangenehmen Blicken und Situationen entziehen kann – das gibt ihm sehr viel Sicherheit und vor allem Kontrolle. Ich bin mir sicher, diese Möglichkeit, auch weggehen zu können und nicht attackieren zu müssen, ist der Grund dafür, dass sich Macho gar nicht so aggressiv präsentiert.

Leckerli-Füttern und 
Clicker-Konditionieren.

Im Rahmen des ersten Besuchs konnte ich ihn bereits durch das Zwingergitter füttern (er nahm die Leckerlis unerwartet sanft!) und ihn auch in seine Hütte (auf ungarisch) schicken. Das hat er nämlich nach einiger Zeit gelernt, teilte mir der 
Tierpensionsleiter mit.
Letzterer hat seit 40 Jahren Hundeerfahrung (Schutzhunde“sport“) und O-Ton: „Ich hatte noch nie mit einem derart aggressiven Hund zu tun.“.
Anmerkung von mir: Er hatte noch nie mit Hunden zu tun, die sich nicht jede unfaire Bestrafung und brutale Behandlung gefallen lassen, sondern sich wehren.
Aber alles hat auch seinen Sinn: Der Tierpensionsleiter ist inzwischen auch schon dazu übergegangen, beruhigend auf Macho einzureden, während er ihm Leckerlis durch das Gitter steckt. 🙂

Auch beim zweiten Besuch hat Macho richtig toll mitgemacht.
Folgendes haben wir erfolgreich bewältigt:

Macho bestimmt selbst, 
wie weit wir gehen beim Training „Tür öffnen“.
  • Clicker ankonditionieren
  • Handtarget mit Nase folgen
  • Click für Blick zu mir
  • Tür öffnen, Macho in sein Haus schicken – Click & Belohnung
  • Tür öffnen – Click & Belohnung
  • Halsband und Leine zeigen – Click & Belohnung
  • Einfach „da sein“ und ihm zeigen, dass Nichts passiert, was er nicht will und wovor er Angst hat. 

Macho denkt: „Die ist offenbar keine 
Gefahr, da kann ich mich auch hinlegen.“

Letzteres ist besonders wichtig. Macho hat eindeutig große Angst davor, in eine bedrängende Situation zu kommen – seine Augen und seine Körpersprache zeigen 
das ganz deutlich. Hat er keine Möglichkeit auszuweichen und erkennt mensch seine Angst nicht, ist es klar, dass Macho in einen massiven Konflikt gebracht wird.

Bei mir braucht Macho jedoch keine Angst zu haben. Ich gehe nur soweit, wie es für ihn ok ist. 

Die Arbeit mit und um Macho wird von mir weiter dokumentiert und hier auf meinem Blog veröffentlicht. Demnächst kommt sicher schon das eine oder andere tolle Video von dem lieben Rotti-Buben!

Vielleicht findet sich ja jemand, der/die sich in Macho verliebt und bereit ist, ein bisschen mehr Arbeit „reinzustecken“… Macho wird es jedem/jeder danken!

Ich kann ihn leider nicht zu mir nehmen, mein Hundekontingent ist voll! 

InteressentInnen können sich bei mir gerne melden: info@canis-sapiens.at