Schlagwort-Archiv: Red Zone Hunde

Rotti Marlo hat’s gefunden – sein Zuhause!

Im Sommer des Jahres 2014 erreichte mich eine dringende Anfrage – ein Rottweiler mit dem klingenden Namen „Macho“ ließ niemanden an sich ran, Schutzhunde-Trainer (O-Ton: „Ich hatte noch nie mit einem so aggressiven Hund zu tun.“) hielten ihn mittels Hochdruckreiniger auf Abstand und versorgten ihn gerade mal so, dass er nicht verdurstete… Die 6 m² Zwinger verließ Marlo viele Monate lange nie. Marlo hatte dennoch Glück im Unglück, denn er wurde nicht in eine Tötung gebracht, nachdem sein Besitzer Angst vor ihm bekam, sondern kam eben in die Obhut von TierschützerInnen, die die Unterbringung in der Tierpension der Schutzhunde-Trainer finanzierten.

Marlo (damals noch „Macho“) auf seinen 6 m²

Ich wurde also mit der „Resozialisierung“ des Hundes beauftragt, anfangs waren Trainings nur alle 2-3 Wochen möglich, da sich die Tierpension in Ungarn befand. Trotz dieser langen Intervalle machte Marlo Fortschritte. Aus nachvollziehbaren Gründen bestand ich nach etwa einem halben Jahr darauf, dass Marlo nach Österreich gebracht wird – unter den dortigen Umständen war ein „Weiterkommen“ nicht mehr möglich.

Erste Annäherungen…
Training im Zwinger
Die ersten Schritte hinaus…

In der langen Zeit in Österreich wurde Marlo auf Vieles vorbereitet, wie beispielsweise Vertrauen zu Menschen, Tierarzt-Vorbereitung, freundliche Menschenkontakte, Autofahren, ruhige Hundebegegnungen, dirverseste Umweltreize bei Spaziergängen, etc.

Hier eine Linkliste mit ALLEN Blogartikeln über die Zeit mit Marlo – viel Spaß beim Lesen 🙂


https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/training-aggressiver-rottweiler-hilferuf-aus-ungarn/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/erster-spaziergang-mit-dem-rotti-aus-ungarn/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-ungewisse-zukunft/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-bittet-um-hilfe-bald-kommt-er-nach-oesterreich/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/zwischenziel-erreicht-marlo-ist-umgezogen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/erster-besuch-bei-marlo-seit-dem-umzug/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-auf-der-wiese/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-lernt-vertrauen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-freut-sich/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-aus-ungarn-wie-ein-welpe/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hilfe-fuer-marlo-in-fremder-umgebung-decke-als-target/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rotti-marlo-wird-fuer-den-tierarzt-vorbereitet/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-und-die-tierklinik/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-aus-ungarn-zeigt-vertrauen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-sucht-seine-menschen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-lernt-das-leben-zu-geniessen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-sucht-dringend-seine-menschen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/was-sich-ein-hund-wie-marlo-fuers-neue-jahr-wuenscht/

Ich glaube, ihr ahnt es schon… so eine „Resozialisierung“ ist kein Zeitpunkt, sondern eine – durchaus lange – Zeitperiode, in der Engels-Geduld, unendliche Liebe und viel Wissen in Theorie und Praxis (in genau dieser Reihenfolge 😛 ) notwendig sind, ganz ohne Dominanz-, Rangordnungs- oder „wer ist hier der Alpha“-Getue:
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/aggression-und-red-zone-hunde/

Was Marlo alles gelernt hat, ist hier zusammengefasst:
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hundetraining-im-tierheim/



Schon weit fortgeschrittenes Training: direkte Hundebegegnung
… wie im Kaffeehaus …

Fast genau 4 Jahre später, im Sommer 2018, meldeten sich endlich passende Menschen, die alle Hürden auf sich nahmen, um Marlo endlich ein Zuhause geben zu können:
Mehrere Monate lang dauerte das gegenseitige Kennenlernen, das Abstimmen der Chemie, das Zueinanderfinden, das Zuhause-Besuchen, das „Harmonie-Training“.
Vor etwas über 3 Monaten war es dann soweit, Marlo zog endgültig in sein Zuhause um und vor ein paar Tagen absolvierte er gemeinsam mit seinen Menschen erfolgreich den Wiener Hundeführschein!
Auf Marlos Facebook-Seite gibt es viel Wunderschönes darüber nachzulesen: https://www.facebook.com/wunderhund.marlo/

… da freut sich jemand über seine Menschen …
… Zuhause besuchen fahren ..
… Marlo fühlt sich wohl …
… nach dem Umzug ganz toll eingelebt …
Wiener Hundeführschein mit Bravour bestanden!
… da freut sich auch die Trainerin …
… und Marlo freut sich auch!

Dass Marlo nach all der Zeit seine Menschen gefunden hat und ich ihn begleiten durfte, ist das Beste, das passieren konnte.
Die 4 Jahre mögen lange erscheinen – aber zumindest ein Großteil davon war nötig, um ihm Vertrauen, Alltagskompetenzen und vor allem Liebe nahezubringen, bevor er „ganz normal“ mit Menschen zusammenleben konnte.

Ich wünsche Marlo und seinen Menschen alles Liebe und Gute für 2019 und noch viele viele gemeinsame Jahre!

TRAINIEREN STATT DOMINIEREN! 🙂


Fallbeispiele *interaktiv* am 3. Österreichischen Hundetrainerkongress

Der 3. Österreichische Hundetrainerkongress findet am 20./21. Februar 2016 auf der VetMedUniVienna statt.

Ein spannendes Programm wartet auf HundetrainerInnen und -HalterInnen.

 

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Wer gerne einen Ausschnitt aus meiner Arbeit mit „Problemhunden“ (nahezu) *live* miterleben möchte, meldet sich noch schnell an: http://petpartner.at/anmeldung-shop/

 

Ich werde anhand von 3 Fallbeispielen (auch der tolle Rottweiler Marlo) mittels vieler Videos zeigen, wie die Theorie konkret an Hund und TrainerIn (also mir 🙂 ) in der Praxis aussieht.
Das Publikum wird dabei interaktiv in den Vortrag eingebunden – eine spannende Premiere.

 

So kann sich jede und jeder in die Lage der TrainerIn hineinversetzen und sich fragen: „Wie hätte ich es gemacht?“

 

 

Hunde im Tierschutz – die 2. Seite der Medaille

snap131-2Das Internet quillt über vor lauter Meldungen, die gequälte Hunde zeigen, die nur darauf warten gerettet zu werden. Ob überfülltes Tierheim (auch – aber nicht nur – im Ausland), Tötungsstation oder von der Straße aufgelesen – sie alle müssen in Sicherheit gebracht werden! Die pure Lebensrettung ist schnell geschehen und einfach organisiert – und Pflegestellen oder Fixplätze gibt es ja auch genügend, so scheint es.
Doch so schnell erhält man noch keine TierretterInnen-Ehrenmedaille. Im Gegenteil, für die Hunde ist hier das Leid häufig noch längst nicht vorbei. Und für manche geht es nie vorüber, die landen (und enden) dann bestenfalls in heimischen Tierheimen, schlechtestenfalls … aber darüber wollen wir nicht nachdenken, schließlich ist der Hund doch gerettet!

 

Die Gründe, weshalb gar nicht so wenige vermeintliche Rettungen schiefgehen:

 

Die ersten beiden Punkte sind von Seiten der Vermittlungsorganisationen schlecht beeinflussbar. Selbstverständlich gibt es auch Hunde, die ein ganzes Paket an ungünstigen Voraussetzungen mitbringen, es aber doch irgendwie schaffen, sich anzupassen. Das ist aber etwas, das man nur dankbar annehmen kann. Es jedoch zu erwarten, ist unseriös – und ein Tierschutzproblem.

 

Viel wahrscheinlicher ist es, dass der gerettete Hund die eine oder andere Baustelle mitbringt. Zumindest sind etliche von ihnen bei meinen KollegInnen und mir im Training. Die Tücke ist, dass diese Baustelle nicht notgedrungen offensichtlich sein muss: Es können Monate vergehen, bis ein Hund nach dem ganzen Hin und Her angekommen ist – das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wo mehr und mehr Probleme entstehen.

 

Und schon sind wir beim letzten – sehr problematischen – Punkt: Schlechte Beratung und damit schlechte Erfahrungen (für Hund und Mensch) zu diesem Zeitpunkt lassen einen Teufelskreis beginnen. So einige Tierschutzorganisationen kooperieren mit selbsternannten HundetrainerInnen, deren Methoden aus der Steinzeit zu sein scheinen (oder geben gar keine Hilfestellungen). Gewalt erzeugt Gegengewalt, die Abwärtsspirale beginnt. Wer zahlt immer drauf? Richtig, der Hund, der dann bestenfalls im heimischen Tierheim landet. Siehe oben.

 

Weshalb manche (viele?) Menschen (auch im Tierschutz) auf die „Hau-drauf“-Lösungen reinfallen, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht, weil belohnungsbasiertes, wirklich gewaltfreies und damit tierschutzkonformes Training kompliziert wirkt und nicht nur eine simple Maßnahme („hau drauf“, „reiß ordentlich an“) für ein komplexes Problem bietet. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht!

 

Wirklich leid tun mir jedenfalls die Hunde – und deren Menschen. Letztere tun ja meistens ihr Bestes und setzen schlechte Ratschläge um. Auch entgegen ihrer ethischen Grundsätze, weil ihnen einE vermeintlicheR ExpertIn zu Leinenruck, Side-Kick, Alpha-Wurf und Co geraten hat.

 

Und nun komme ich zum Grund dieses Posts… einer wahren Begebenheit:

Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Auto am Stadtrand um eine Kurve und beobachtete ein junges Paar mit einer Hündin. Der stark hechelnden Hündin wurde mittels Leinenruck am Kettenhalsband der Boden unter den Vorderbeinen genommen.
Innerlich zog es mich zusammen, jedoch ist das eine Szene, die eine Trainerin in einer Großstadt eben zu sehen bekommt. Bei einer einmaligen Aktion im Beobachtungszeitraum sage ich normalerweise nichts.
Als ich vorbeigefahren war und wieder geradeaus fuhr, blickte ich in den Rückspiegel, um hoffentlich die Bestätigung der einmaligen Aktion zu erhalten. Jedoch weit gefehlt, ich sah einen stark gestressten Hund, der überhaupt nicht wusste, wie er der Strafe entgehen konnte, und somit wieder keinen Halt unter den Beinen hatte.
Ich hörte bereits meinen Puls, betätigte den Blinker, stoppte das Auto und stieg aus. Es folgte ein emotionales Gespräch, durchaus nicht unbedingt freundlich, mit der dringenden Bitte sich an eine/n wirklich gewaltfrei arbeitende/n Trainer/in zu wenden, muss ja nicht ich sein.
Anhand der Reaktion ahnte ich schon, dass die Beiden selbst nicht gerade glücklich darüber waren, was sie tun mussten. Aber es wurde ihnen eben von einem selbsternannten Hundecoach als notwendig erklärt – gerade bei einem Tierschutzhund, der Aggressionsverhalten zeigt.
In der Hoffnung, dass es für den Hund (und die Menschen) doch noch zu einer positiven Lösung kommen würde, stieg ich wieder ins Auto und fuhr mit zitternden Knien weiter.
Etwa ein halbes Jahr später ging ich mit meinen Hunden in der Gegend spazieren – und wen sah ich da? Die Hündin und ihre Besitzerin von damals Leckerli-fütternd mit rosarotem Sicherheitsgeschirr!!!

Meine Freude war groß, wenigstens eine Hündin war tatsächlich gerettet! 

Doch damit war die Erfolgsgeschichte noch nicht vorüber. Ich stehe inzwischen mit der Besitzerin in gutem Kontakt, wir haben uns „ausgesprochen“. Und sie war so lieb und hat mich darin unterstützt, ihre Geschichte zu erzählen – in der Hoffnung, dass einigen die Augen geöffnet werden.

 

Hier die Geschichte aus der Sicht der BesitzerInnen:

 

Vorgeschichte: 

Kettenhündin aus der Slowakei, kam ins Auffanglager, mit ca 2,5 Jahren nach Österreich zu einer Großpflegestelle. Sie verstand sich mit den dortigen Hunden nicht, weshalb sie die Pflegestelle öfter wechseln musste. Schließlich kam sie zur Tierpension eines selbsternannten Hundeexperten. Ich habe natürlich wie fast jeder Cesar Millan im Fernsehen gesehen und habe nie verstanden wie es noch Problemhunde geben kann wenn die Lösung so einfach ist. Den Hund auf den ich aufgepasst habe, habe ich aber trotzdem mit Leckerlis von anderen Hunden abgelenkt. Das Kettenhalsband auf Vermittlungsfotos der Hündin fand ich grauenvoll. 

 

Kennenlernen: (Hündin war 4 Jahre alt)

 

Wir fuhren zum selbsternannten Experten. Er brachte die Hündin aus dem Zwinger. Als sie weglaufen wollte bekam sie sofort einen heftigen Leinenruck mit dem Kettenhalsband auf Zug. Ich war sprachlos aber dachte tatsächlich das müsse so sein! Beim Gespräch mit dem „Trainer“ versicherte ich ihm, dass ich mit Hündin fertig werden würde. Ich würde viel Sport mit ihr machen und sie dann mit Leckerlis von Hunden weglotsen. Er lächelte nur. Auf die Frage warum sie so ein furchtbares Halsband trage meinte er nur, dass sie sonst weglaufen würde. 

 

Dann „durften“ wir bei einer seiner Trainingsstunden zusehen. Der Moment des Leinenrucks war total kurz. Für uns sah es tatsächlich so aus als würde er nur mit der Kette rascheln. Die Hunde waren sofort brav und folgten aufs Wort. Wir wussten damals nicht, dass sie einfach total eingeschüchtert waren. Wir hatten keine Ahnung von der Hundesprache. (Ich legte auch meinem Pflegehund eine Kette um und der war allein davon so eingeschüchtert, dass er permanent bei Fuß ging.)

 

Wir gingen mit der Hündin spazieren, sie zog sehr an der Leine. Der angebliche Trainer sah uns zu und gab uns „netterweise“ Gratisunterricht. Er meinte „So führt man einen Hund!“ und versetzte ihr einen wahnsinnig heftigen Leinenruck. Ich drehte mich um damit er meine Tränen nicht sehen konnte. Er erklärte uns, dass es für den Hund besser wäre einmal einen kräftigen Ruck zu bekommen als ständigem Druck auf dem Hals ausgesetzt zu sein wenn er an der Leine zieht. So peinlich es mir heute ist: es klang logisch und wir glaubten ihm. Seine Frau zeigte mir wie man einen Hund dazu bringt sich hinzusetzen: sie nahm die Leine in die Hand und zog so lange nach oben bis die Beine der Hündin einsackten. Ich machte es ihr nach. Als die Hündin saß war ich stolz es geschafft zu haben die Bestie zu bändigen.

 

Zuhause angekommen:

 

Wir dachten die Hündin müsse gleich beim ersten Spaziergang die ganze Umgebung kennenlernen und machten eine große Runde. Von Leinenführigkeit wie damals beim angeblichen Experten war keine Rede. Sie hechelte wie verrückt, war starkem Stress ausgesetzt. Wir ruckten an der Leine aber das veränderte nichts. Also ruckten wir fester. Dann kamst du und hast uns erklärt, dass sie leidet. In diesem Moment war alles einfach viel zu viel! Am liebsten hätte ich den Hund sofort wieder hergegeben. Dann kam die erste Hundebegegnung und die Hündin wollte den anderen Hund einfach nur killen! Würgereiz hin oder her! Da war klar: was der „Hundeexperte“ gesagt hat war reiner Schwachsinn. Er meinte zwar, dass man bei Kettenhunden fester durchgreifen müsse, weil sie am Hals schon hart wären aber damit hat’s einfach gereicht. Ich habe daheim das Kettenhalsband um meinen Hals gelegt und mir lief es kalt den Rücken runter. Ich ging am nächsten Tag mit der Hündin einkaufen und kaufte ihr ein Geschirr. Der erste Versuch mit positivem Training war gleich sehr erfolgreich: ich hatte einen Hamster und belohnte den Jagdhund für ruhiges Verhalten neben dem Hamsterkäfig. Problem in wenigen Minuten gelöst!!! Das Hundeproblem war aber noch lange nicht gelöst. Ich versuchte die Hündin mit Leckerlis abzulenken – hatte damit aber nur mäßig Erfolg. Dann sah ich eine Frau wie sie ihren Hund an uns vorbeiclickerte und fragte sie (über das Geschrei der Hündin drüber) ob das funktioniere. Sie meinte es funktioniere super, man brauche dafür nur einen Trainer damit man‘s von Anfang an richtig mache. (Anmerkung: Das war eine meiner Kundinnen)

Wenn ich diese Zeilen lese, wird mir jetzt noch ganz anders. So vielen Hunden wird Furchtbares angetan – auch im Namen des Tierschutzes. 
Doch müssen auch die hilfesuchenden Menschen durch eine „harte Zeit“. Die kurze Schilderung der Besitzerin zeigt, wie sehr sie mit sich selbst im Konflikt war – berechtigterweise!

Ich erlebe es häufig als Hundetrainerin, dass Menschen tatsächlich erleichtert sind, den Hund nicht maßregeln zu müssen, sondern dass sie ihm auf gewaltfreie und tierschutzkonforme Weise viel besser zeigen können, wie er sich verhalten soll.
Alleine schon die Erklärung, dass der Hund nicht die Weltherrschaft an sich reißen möchte, sondern aus vielerlei Gründen nicht anders kann, öffnet Emathie und somit die Tür zu einer vertrauensvollen Beziehung.

Daher ist es mir ein großes Anliegen, dass Vermittlungsorganisationen mit seriösen HundetrainerInnen, die belohnungsbasiert, gewaltfrei und tierschutzkonform arbeiten, kooperieren.
Hundevermittlungen sollten idealerweise von Vorneherein begleitet werden (zumindest sollte es diesbezüglich Empfehlungen seitens der Vermittlungsorganisation geben). Oft genügen wenige Trainingseinheiten, um Hund und Mensch zu helfen.
Vermittlungsbegleitung spart Geld, Nerven und bedeutet echten aktiven Tierschutz. Vorbeugen ist besser als Heilen!

Trainieren statt dominieren!

Marlo lernt das Leben zu genießen

Die letzten Wochen waren für Marlo sehr erfreulich, denn er bekommt jetzt öfter Abwechslung: Marion, die neue Qualitätszeit-Patin, und Thomas, einer der Marlo-Rettungs-Helfer, besuchen ihn zusätzlich zu mir und seiner Retterin, die die Unterbringung finanziert. Aus dem „Pechvogel“ Marlo, der in seinem bisherigen Leben nur wenig kennen lernte – er wurde größtenteils in einem kleinen Zwinger gehalten – kommt ein entzückender und liebenswerter Hund zum Vorschein, der menschliche Nähe genießt.

 

Marlo wird bereits auf ein wirkliches Zuhause vorbereitet, er lernt:

 

  • neue Menschen positiv kennen
  • Menschen zu vertrauen
  • Leinenführigkeit
  • Beißkorbtraining
  • Decke als Sicherheitsort
  • Signale wie Komm, Sitz
  • positiv konditionierter Geschirrgriff
  • an anderen Hunden vorbeigehen
  • … und das Leben zu genießen … 🙂

 


Marlo mit Sternchen in den Augen: Dabei hatte der Rottweiler bisher einen ganz anderen Ruf: schmerzbedingt (er hat Spondylosen) und aufgrund eines harten und gewaltsamen Umgangs, wurde er – bevor ich ihn kennenlernen durfte – als aggressiv abgestempelt.

Gemeinsam mit engagierten TierschützerInnen konnte seine Rettung gelingen – fairer Umgang und Training durch positive Verstärkung ohne Bedrohungs- oder Strafszenarios sei dank. Dieser tolle Hund sucht noch seine Menschen! InteressentInnen, bitte unter u.aigner(ät)gmail.com melden! Marlo braucht dringend ein Zuhause!

 

Solange Marlo noch nicht in ein Zuhause umziehen kann, muss seine Unterbringung und Versorgung finanziert werden. Daher sind, neben der Qualitätszeit-Patenschaft, finanzielle UnterstützerInnen herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

Danke!

Rottweiler Marlo aus Ungarn zeigt Vertrauen

Eine Woche nach dem Besuch in der Tierklinik zeigt Marlo deutlich, dass ein Tierarztbesuch mit dem richtigen Training kein traumatisierendes Ereignis sein muss.

Auch ein Hund wie er, der als aggressiv abgestempelt und deshalb einen großen Teil seines bisherigen Lebens ausschließlich in einem kleinen Zwinger gehalten wurde, kann wieder lernen, dass er Menschen vertrauen kann.

Viel mehr noch, er genießt Streicheleinheiten, wuzelt sich im Wohlfühlmodus  zum ersten Mal seit ich ihn kenne und geht ganz positiv und offen auf fremde Menschen zu.

Es ist jetzt dringend an der Zeit, dass Marlo mehr neue Menschen kennenlernt – am Besten gleich SEINE neuen Menschen.

InteressentInnen, nur her mit euch! 🙂 u.aigner(ät)gmail.com

Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher „praktisch nichts“ kennengelernt hat.

Wer Marlo kein Zuhause bieten kann, aber Zeit und Engagement mitbringt, kann auch mit einer Patenschaft helfen: 

Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe.


Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und Unterbringung und vor allem akut die Tierklinik kosten Geld.

Daher sind UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

DANKE! 


Und hier noch die Fotostrecke vom vertrauensvollen Wuzel-Streichel-Wohlfühl-Marlo (danke an den Fotograf!):

Erster Spaziergang mit dem Rotti aus Ungarn

Einige Zeit ist vergangen, seitdem ich zum ersten Mal bei Macho, dem Rotti, war.Hier ist seine Geschichte nachzulesen:

Training „aggressiver Rottweiler“ – Hilferuf aus Ungarn

Fotoalbum 4. Besuch

Fotoalbum 5. Besuch

[Für weitere Infos bzgl. Training von gefährlichen Hunden:Aggression und Red Zone-HundeAggression? – Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist„Aber der hat keine Angst!“ – das notwendige Erstgespräch]Da der Name „nicht unbedingt“ passend ist, wurden mittels einer Umfrage auf meiner Facebook-Seite Canis sapiens – gewaltfreies Hundetraining nach geeigneteren Namen gesucht und diese dann an die verantwortlichen Personen zur Abstimmung weitergeleitet.

Hiermit darf ich das Ergebnis in Form eines Doppelnamens präsentieren:“Marlo-Pikachu„. Diverse Spitznamen werden folgen. 🙂 Marlo macht riesige Fortschritte, beim letzten Besuch (der 6. insgesamt Fotoalbum 6. Besuch) konnte er zum ersten Mal seit 10 Monaten (!!!) seinen Zwinger verlassen. Nicht mal ums Eck schauen konnte er monatelang!

 

 

 

 

Zuerst wagte er es fast nicht aus der Zwingertür und bewegte sich wie auf Nadeln. Er war völlig überwältigt und sehr schnell mit den Reizen überfordert. Hier ein kurzes Video vom ersten Spaziergang:

[evideo id=“-RML9EjTKTs“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Gewaltfreies Training, basierend auf positiver Verstärkung anstatt Verunsichern, Unterwerfen oder Korrekturen/Maßregelungen, ist zwar unspektakulär und erscheint im ersten Moment als mäßig zielführend, dafür sind die Fortschritte mittelfristig unschlagbar und nachhaltig!Wir sind auf der Suche nach einem Fixplatz für Marlo. Da er so wenig kennengelernt hat, ist ein Haus (am Land) mit Garten Voraussetzung, keine (Klein-)Kinder. Ein Kennenlernen wäre ab sofort möglich, Marlo braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen.Verantwortungsvolle InteressentInnen melden sich bitte unter u.aigner@gmail.com. Er wird es mit ewiger Treue danken!

Aggression und „Red Zone“-Hunde

Hunde, die Aggressionsverhalten gegenüber Menschen oder anderen Hunden (generell Lebewesen) zeigen, machen uns Angst. Im Gegensatz zu manch anderen – für Menschen problematischen – Verhaltensweisen ist hier unmittelbarer Handlungsbedarf.

Darüber herrscht soweit mal Einigkeit; was man von den „Behandlungsmethoden“ nicht gerade sagen kann: von – in Österreich illegalen – Trainingsutensilien wie Teletakt und Stachelhalsband über Leinenruck und anderen gegen das Österreichische Tierschutzgesetz verstoßende Korrekturen bis hin zum gewaltfreien Training mit Leckerlis und co ist alles vertreten.

 

Inzwischen gibt es genügend Erkenntnisse über das Ausdrucks- und Lernverhalten, hundliche Bedürfnisse und Sozialverhalten, die beweisen, dass ein Training von Hunden, das auf Korrekturen und Bestrafung aufbaut, einen Hund weder „sicher“ macht noch tierschutzgerecht ist. Einige Argumente habe ich bereits in vergangenen Posts thematisiert (selbstverständlich kein Anspruch auf Vollständigkeit!):

 

Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist

Besuch bei Tierärztin – über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und Hansi, dem Untoten

Training mit dominanter und aggressiver Super Susi

Die Vorurteile gegenüber dem gewaltfreien und belohnungsbasierten Training von Hunden

 

Trotzdem erscheint es jedoch für viele Menschen logisch, einen Hund insbesondere für aggressives Verhalten zu bestrafen oder zu korrigieren, ihm deutlich zu zeigen, dass sein Verhalten unangemessen ist. Veraltete und überholte Rangordnungs- und Dominanztheorien untermauern dieses Vorgehen.

 

Medial, vor allem im Fernsehen, sind Beiträge beliebt, die sich mit der „Behandlung“ von Aggressionsverhalten befassen. Teilweise spektakuläre Maßnahmen, wie den Hund auf den Boden drücken bis er aufgibt, und weniger auffällige Korrekturen wie Leinenrucke, Tritte oder anderweitige Androhungen unangenehmer Konsequenzen erreichen viele ZuseherInnen. Und zum Leidtragen der Hunde (und der Sicherheit!) gibt es inzwischen auch viele NachahmerInnen. Der amerikanische Hundeflüsterer Cesar Millan ist der wohl bekannteste Anwender dieser tierquälerischen Methoden.

 

Hier ein vor kurzem erschienenes Interview einer Österreichischen Zeitung über die Gefahren und Tierschutzrelevanz von Cesar Millan und co:

 

 

 

Gerade Aggressionsverhalten erfordert also keine aversiven Trainingsmethoden (auch keine psychischen Bedrohungen „Wehe wenn du das tust“, „Nein“, Zischlaute aller Art), sondern Management (auslösende Situationen verhindern oder sinnvolle „Schadensbegrenzung“) und gezieltes Training durch positive Verstärkung (abseits der Abklärung möglicher gesundheitlicher Ursachen, Stressreduktion, klare Strukturen, Veränderungen im Tagesablauf, etc). Weder psychische noch physische Gewalt führt zu Hunden, die für ihre Umwelt keine Gefahr (mehr) darstellen.

 

Doch was ist mit diesen „Red Zone“-Hunden, die Cesar Millan meist innerhalb „kurzer Zeit rehabilitiert“? Die sind doch „wirklich aggressiv“ und „absolut gefährlich“, Ausnahmehunde in Punkto Aggressivität, die eine Trainerin wie ich und viele meiner KollegInnen noch nie live gesehen haben. Cesar rettet Hunde vor dem Einschläfern – ein Held?

Nein. Auch andere HundetrainerInnen retten Hunden das Leben, arbeiten aber gewaltfrei und belohnungsbasiert, mich eingeschlossen. Zahlreiche ExpertInnen warnen außerdem vor dem Training mittels Strafe und Korrekturen.
Ein weiterer Fehler in dieser Herangehensweise besteht vor allem auch darin, dass das Aggressionsverhalten überhaupt ausgelöst wird, um es dann bestenfalls zu unterdrücken. Eine sinnvolle, tierschutzkonforme und sichere Verhaltensänderung findet hier nicht statt. Fast jeder Hund kann zu einem „Red Zone“-Hund werden, wenn er für sein Ausdrucksverhalten bestraft und/oder massiv körperlich „bedrängt“ wird (ein Tritt in die Flanken ist übrigens kein Aufmerksamkeitssignal wie ein menschliches auf die Schultern tippen, was auch niemals Aggressionsverhalten unterbrechen könnte!).

 

Gutes Training von Aggressionsproblemen behandelt die Ursachen: die Assoziationen der Hunde werden positiv verändert und der Hund lernt eine adäquate Verhaltensalternative. Das sieht dann wenig spektakulär aus. Auch bei „Red Zone“-Hunden.

Gerade heute hatte ich einen Hund im Training, den „sogar“ Cesar Millan als „Red Zone“-Hund bezeichnen würde: Dämon (er wird Dämi gerufen), ein kastrierter Pitbull-Rüde, hat andere Hunde bereits mehrfach gebissen und einen sogar getötet (auch VertreterInnen anderer Rassen, die eine ähnliche Geschichte haben, sind bei mir im Training). Menschen gegenüber ist Dämon sehr freundlich, obwohl er bestimmt in der Vergangenheit vom Vorbesitzer körperlich bestraft wurde. Sein jetziger Besitzer erzählte mir im Erstgespräch, dass Dämon lange Zeit bei schnellen Bewegungen zusammenzuckte.
Der Hund hat Glück, sein Mensch ist ein Naturtalent. Nach nur zwei Theorieeinheiten (auch für den NÖ-Sachkundenachweis) inkl. Videobeispielen konnten wir die erste Praxisstunde erfolgreich abschließen: mittels positiver Verstärkung (hier mit Clicker) verändern sich Dämons Assoziationen anderen Hunden gegenüber und er lernt ein adäquates Alternativverhalten. Ausschlaggebend für den Erfolg war, dass wir Dämon nie in die Situation führten, die Aggressionsverhalten auslöst.
Die Prognose ist gut und ich bin zuversichtlich, dass wir die Distanz zu anderen Hunden bald verringern können, denn der Besitzer trainiert auch im Alltag ganz bewusst mit dem Hund, hat viel Einfühlungsvermögen und Empathie. Ziel ist es, dass man Dämon sicher an anderen Hunden in angemessenem Abstand vorbeiführen kann und dass er generell ansprechbar und damit kontrollierbar bleibt. Dämon trägt ein Brustgeschirr (an dem auch die Leine befestigt ist), wird „mit Leckerlis belohnt“ und ist mit Beißkorb gesichert.

Die 2. Praxiseinheit und es klappt schon wunderbar:

 

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=tRCXeYy2JzQ[/embedyt]

(Im Training von Hund-Hund-Aggression ist mir übrigens auch wichtig, dass der hundliche Trainingspartner, in dem Fall „mein“ Nemo, auch Spass daran hat – an der Leine gehen kann und soll ja auch lustig sein.)

Hannes lebt… seit einem Jahr bei uns!

Rottweiler-Mischling Hannes lebt.

Da er erst ca. 4 Jahre alt und „pumperlgsund“ ist, sollte das eigentlich nicht verwundern…

Dennoch ist es so, dass Hänschen seit 7.1.2011 eigentlich schon tot wäre. Er ist also ein Untoter sozusagen.

Wie das???

Er ist einer der drei Hunde, die ich um den Jahreswechsel 2010/2011 vor der ungerechtfertigten Euthanasie (was für ein widerliches Wort in dem Zusammenhang) retten konnte.

Alle haben unterschiedliche Geschichten, aber eine Gemeinsamkeit: sie wurden schlecht behandelt, ihre Zeichen wurden nicht verstanden und galten als gefährlich.

Hier ist die Geschichte von Spider, der nach wie vor eine neue Familie sucht, er hätte es sich so verdient:

Susi, die Dritte im Bunde, wartet auch noch sehnsüchtig:

Aber kommen wir wieder zurück zu Hänschen klein, ehemals Blacky. Er wurde durch Gehorsamsfanatiker der alten Schule verhaut, im wahrsten Sinne.

Sprüche (und deren Umsetzung) wie „Dem muss man mal zeigen, wer der Herr ist“, „Der ist dominant und gehört untergeordnet“, „Der muss parieren“, … haben ihn nicht zu einem folgsamen und schon gar nicht zu seinem sozial sicheren Hund gemacht:

In einem österreichischen Tierheim wurde ihm das Fürchten vor Menschen gelehrt…

Was leider bei so vielen Hunden funktioniert (Stichwort „erlernte Hilflosigkeit“), klappt bei einigen Wenigen nicht – Hannes ist einer von ihnen. Und ich bin „stolz“ auf ihn, dass er sich nicht alles hat gefallen lassen, sondern gelernt hat, sich zur Wehr zu setzen, auch wenn es ihm fast das Leben gekostet hätte (und ich auch im Alltag sehr auf ihn aufpassen muss).

Hier seine Geschichte und grundlegende Informationen über hundliches Lernverhalten zum Nachlesen in vergangenen Posts:

Gestern vor genau einem Jahr ist er in unsere WG eingezogen;

zu Baghira, Nemo, Leila, Linus (der uns leider am 20.1.2013 aufgrund eines Tumors im hohen Alter verlassen hat ;-( –> Linus, wir vermissen dich unendlich!) und mir.

Es war und ist eine Herausforderung, mit 3 (mitunter „schwierigen“) Hunden zusammenzuleben und für sie alleine verantwortlich zu sein, aber ich möchte keinen Tag missen.

Danke, Baghira, Nemo und Hänschen, dass ich so viel von euch lernen darf!