Schlagwort-Archiv: Problemverhalten

Problemlösungen via TV – nicht empfehlenswert!

 Es gibt diverse TV-Shows, in denen problematische Verhaltensweisen von Hunden schnell „gelöst“ werden. Dies wird durch folgende strafbasierte Maßnahmen erreicht:

  • Zischen (das physische Bestrafung ankündigt)
  • Finger in den Hals rammen
  • in die Flankengegend treten
  • und/oder andere Grausamkeiten

 

Alle Bestrafungen erfolgen zumeist unter dem Deckmantel Rangordnung oder Dominanz und machen daher einen guten (weil kurzfristig „erfolgreichen“) und logischen („Hunde gehen untereinander auch nicht sanft um“) Eindruck. Die (Todes-)Angst der Hunde, deutlich erkennbar an Körpersprache und Ausdruck der Augen, will niemand mehr sehen –> kann ja nicht so schlimm sein.

(Mehr Infos: http://www.trainieren-statt-dominieren.de/artikel/der-hundefluesterer und http://dogsinthecity.at/blog/die-h%C3%A4ufigsten-tv-mythen-um-hundeerziehung )

„Gut“ sind diese Methoden jedoch keineswegs:

Sie widersprechen

  • dem Österreichischen Tierschutzgesetz:

§ 5 Verbot der Tierquälerei

(1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.

  •  und der Verordnung über die tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden:
Grundsätze der Hundeausbildung 
 
§ 2. (1) Die Ausbildung des Hundes muss tierschutzkonform erfolgen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass keine Maßnahmen zur Anwendung kommen, die gemäß § 5 TSchG vom Verbot der Tierquälerei erfasst sind.
(2) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf Wert zu legen, dass
  1. ein gutes Sozialverhalten der Hunde gegenüber Menschen und anderen Hunden und eine geeignete Gewöhnung an ihre Lebens- und Trainingsumgebung gefördert werden,
  2. die Ausbildung altersgemäß ist und den körperlichen Möglichkeiten und Lernvoraussetzungen des Hundes entspricht,
  3. auf rassespezifische Eigenschaften und individuelle Eigenschaften des Hundes angemessen eingegangen wird.

 

(3) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf zu achten, dass sie auf den Grundlagen der lerntheoretischen Erkenntnisse aufbaut und Methoden der positiven Motivation der Vorzug vor aversiven Methoden gegeben wird.

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/

Auch sind diese veralteten Methoden auf keinen Fall „logisch“ – schon gar nicht für den Hund:

  • Es gibt im Rudel keine heftigst verteidigte und ständig umkämpfte Rangordnung, sondern eine Familienstruktur!
  • Die Rudelführer sind Eltern und zeichnen sich durch große Toleranz, Freundlichkeit und Fürsorglichkeit gegenüber ihren Schützlingen aus. Ihr Hauptanliegen ist es, ihnen Schutz zu bieten und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht.
  • Ranghohe Tiere sind absolut souverän. Niemals gehen von ihnen unberechenbare Gewaltaktionen aus. Sie bedrohen keine Rudelmitglieder.
  • Nur im absoluten Ausnahmefall kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Wenn ein Wolf einen anderen angreift, geht es meist um Leben und Tod. Übrigens werden deshalb auch der so genannte “Alphawurf” oder das “Nackenschütteln” als Disziplinierungsmaßnahme in der Hundeerziehung vom Hund als ernsthafte Angriffe auf Leib und Leben, ja sogar Tötungsabsichten, interpretiert … mit dem Risiko entsprechender Gegenwehr – ganz abgesehen von dem Vertrauensverlust in den anscheinend unberechenbaren Menschen. Unterwerfungsgesten werden im alltäglichen Umgang mit einander immer freiwillig gezeigt und niemals erzwungen.
  • “Gehorsam” spielt in einem Wolfsrudel keine Rolle.

Quelle: http://www.spass-mit-hund.de/mehr-wissen/die-sache-mit-der-dominanz/wolfsrudel/

Derartige vermeintliche Pauschallösungen im TV großflächig zu streuen, mutiert immer mehr zu einem tierschutzrechtlichen Problem.

Im Rahmen der PetExpo 2014 in Wien fand ein Podiumsgespräch zum Thema „TV-Hundetraining-Shows im Lichte des Status quo in Österreich“ statt.

Dankenswerterweise ist die gesamte Diskussion als auch die Abschluss-Statements der Podiumsgäste (Karl Weißenbacher, Messerli-Institut, VetMedWien; Iris Schöberl, UniWien, Präsidentin VÖHT; Erik Schmid, Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz; Sunny Benett, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin und Bloggerin; Christine Arhant, Institut für Tierhaltung und Tierschutz, VetMedWien; Ursula Aigner, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin, BMG) auf YouTube zu finden.

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=ZC-pU_SdCSU[/embedyt]

 

Podiumsgespräch „TV-Hundetraining-Shows im Lichte des Status quo in Österreich“
[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=GyyFSZBWqok[/embedyt]
Abschluss-Statements „www.trainieren-statt-dominieren.de

Was diese „TV-Hunde-Gurus“ also großflächig ignorieren, ist grundlegendes Wissen über hundliches Verhalten. Hunde sind hochsoziale Säugetiere und keine Reiz-Reaktions-Maschinen, die mittels Pauschalmaßnahme XY zu „behandeln“ sind! Weitere Infos zu diesem Thema findet ihr hier: http://www.welt.de/print/wams/lifestyle/article109247711/Was-Hunde-wirklich-denken.html und http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html.

Die Folgen derartiger veralteter rangordnungs- und strafbasierter Methoden können „böse enden“ (ZuseherInnen der YouTube-Links wissen inzwischen Genaueres). Folgende Blogeinträge von mir (und viele KollegInnen an anderer Stelle – danke dafür!) erklären auch einiges dazu:

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.com/2013/03/aggression-und-red-zone-hunde.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.com/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html

Daher schließe ich diesen Eintrag mit einem Zitat (denn besser könnte frau es nicht formulieren):

  • „Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten.“
Ute Blaschke-Berthold, www.cumcane.de

und

Psychologie für ProblemhundehalterInnen – neue Seminartermine!!!

Neue Termine im Sommer:

Beide Seminare werden als Fortbildungen für tierschutzqualifizierte HundetrainerInnen anerkannt und demnächst in dieser Liste eingetragen.

 

  •  Knackpunkt Hund – Psychologie für „Problem“-HundehalterInnen und HundetrainerInnen

 

2-Tages-Seminar 16 Unterrichtseinheiten

Dipl. Psych. Kirsten Cordes, www.sokomut.de

Wann: 26./27. Juli 2014, zweitägiges Seminar (09:30 – 17:30)
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at!

 

Themenübersicht:

 

1.) Begrüßung, Vorstellung, Überblick über die Themen/Ablauf

2.) Was denken SIE eigentlich über Hunde? 

2.1.) Chefsache!?

2.2.) „Verhundlichung“ des Menschen 

2.3.) „Vermenschlichung“ des Hundes (oder:„Lassies Erbe“) 

2.4.) Naturbursche Hund 

2.5.) Auslastung ist alles! 

2.6.) „Treue, Liebe und Bindung“ 

2.7.) Die Gene sind schuld 

2.8.) Das kann man alles „klickern“!

2.9.) Es ist doch nur ein Hund!

3.) Warum haben SIE eigentlich einen Hund?

3.1.) Biophilie 

3.2.) Der Hund als Erweiterung des Selbstbildes

3.4.) Soziale Zuwendung und Anerkennung

3.5.) Systemischer Ansatz

3.5.1.) Der Hund im schwarzen Schafspelz

3.5.2) Problemhund als Fokus

3.5.3.) Substitut des idealen Selbst

3.5.4.) Substitut des negativen Selbst 

3.5.5.) Ergänzende Rolle des Hundes 

3.5.6.) Hund als Bündnispartner 

3.5.7.) Rollenumkehr

3.5.8.) Der instrumentalisierte Hund

3.6.) Reflektion und Quintessenz

4.) Emotionen des (Problem-)Hundehalters

4.1.) Warum ist das Thema Emotionen wichtig?

4.2.) Aber Emotionen sind doch „normal“?

4.3.) Die Sache mit dem Höhlenbären in unserem Kopf

4.4.) Warum wir dazu neigen, Situationen als potentiell gefährlich zu beurteilen 

4.5.) Vor Emotion kommt „Denken“, bzw. „Beurteilen“

4.6.) Auf Emotion folgt Verhalten

4.7.) Warnung vor dem schlechten Gewissen

4.8.) Spiegelneurone 

4.9.) Kognitive/ Affektive/ Motorische Empathie

4.10.) „Problem“hund kann krank machen

4.11.) Beispielhafte Emotionen beim Hundehalter, resultierendes Verhalten und die Folgen für den Hund

4.12.) Was sollen die Leute denken? 

4.13.) „Mein Hund ist böse!“ 

5.) Lösungsansätze: 

5.1.) Theoretische Lösungsansätze

5.2 ) Praktische Lösungsansätze

5.3 ) Psychologische Lösungsansätze

6.) Abschluss/Reflektion

 

 

 

  • Vertiefungsseminar zu „Knackpunkt Hund“

1 Seminartag 8 Unterrichtseinheiten

Detaillierte Vertiefung der Lösungsansätze 

mit praktischen Beispielen und Übungen am Menschen. 

Dipl. Psych. Kirsten Cordes, www.sokomut.de

Wann: 9. August 2014, eintägiges Seminar (09:30-17:30)
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at!

 

Themenübersicht:

 

1.) Theoretische Lösungsansätze: Beurteilung von Informationsquellen im „Informationszeitalter“

2.) „Praktische“ Hilfsmittel, psychologisch betrachtet

2.1.) Leckerchen

2.2.) Halsband/Geschirr/Stachelhalsband, (Würgehalsband) 

2.3.) Maulkorb

2.4.) Schleppleine

2.5.) Flexi-Leine (Roll-Leine)

2.6.) Zimmerkennel/Hauszwinger

2.7.) Sprühhalsband/Vibrationshalsband

2.8.) Rütteldose, Wurfdiscs, Wurfketten, Sprühflasche

2.9.) Halti 

2.10.) Videokamera 

2.11.) Medikamente/Futterzusätze/Fütterung 

2.12.) Lebensweltgestaltung zur Stressreduktion?

2.13.) „Lassen sie das mal den Fachmann machen“: Hundeschulen Zwischen Wattebausch und Appellplatz ?

3.) Psychologische Lösungsansätze

3.1.) Wahrnehmungsschulung durch Perspektivenübernahme

3.2.) Lerntheorie und Verhaltensformung für den Hundehalter 

3.3.) Kognitive Umstrukturierung 

3.4.) Entspannung als Wut- und Angstantagonist

3.5.) Krisenmanagement

3.6.) Ehrlich zu sich selbst sein, an sich arbeiten.

Anmeldungen ab sofort möglich.

Social Walk in the City – Soziale Kompetenz gemeinsam lernen

In der Stadt passiert es sehr schnell, dass Hunde verängstigt werden – der Verkehr ist laut, das Ubahnfahren unbekannt, der Beißkorb unangenehm, andere Hunde schießen um die Ecke, oder einfach viele fremde Menschen auf wenig Raum. Unangenehmerweise kann sich aus einem Schreckerlebnis binnen kurzer Zeit ein allgemeines Problem entwickeln – Angst generalisiert besonders schnell – ein Teufelskreis, aus dem der Hund ohne Hilfe nicht herauskommt.

Aus dem zuvor Hundeverträglichen Hund wird ein richtiger Leinenpöbler oder plötzlich klappt das Busfahren nicht mehr spannungsfrei, Begegnungen mit RadfahrerInnen werden zum Spießrutenlauf, etc. ‚Social Walk in the City‘ kann hier helfen: Hund und Mensch bekommen Anleitung und Hilfestellungen bei Engpässen, wenn ein Ausweichen nicht mehr möglich ist.

In Kleinstgruppen (2-3 Mensch-Hund-Teams) lernen die Hunde Fähigkeiten wie z.B. das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Begegnung mit (fremden) Hunden auf engem Raum, entspannte Kaffeehausbesuch oder was sonst noch für die jeweiligen TeilnehmerInnen sinnvoll ist.


Auch eine Stadtrunde macht Spaß


Viel Lachen beim Kaffeehausbesuch


Öffi-Fahren in Sicherheitsposition inkl. Beißkorb – ist gar nich so schlimm!


Engstelle, fremder Hund kommt? Kein Problem

 

Gemeinsames Warten auf die UBahn. Von- und miteinander lernen!

Ort: U4/U6 Längenfeldgasse – U4 Meidling Hauptstraße – U4 Schönbrunn.
Zeit: später Nachmittag – abends unter der Woche oder vormittags am Wochenende

Weitere Informationen und Anmeldungen bitte per Mail an info@canis-sapiens.at oder telefonisch unter 0664 5043654.

2. Termin und Vertiefungsseminar: Psychologie für „Problem“-HundehalterInnen – Knackpunkt Hund

Der erste Termin im Februar war ein voller Erfolg: DAHER GIBT ES EINEN ZWEITEN (und dann dritten, vierten, … 🙂 ):

HINWEIS:  DIESES SEMINAR IST NICHT NUR FÜR HALTERINNEN, SONDERN INSBESONDERE FÜR TRAINERINNEN ALS FORTBILDUNG INTERESSANT. LETZTENDLICH LIEGT DIE TÄTIGKEIT ALS HUNDETRAINERIN WENIGER IM DIREKTEN TRAINING VON HUNDEN, SONDERN IM TRAINING VON HUNDEHALTERINNEN.

Seminar: Psychologie für „Problem“-HundehalterInnen – Knackpunkt Hund

Wann: 17./18. Mai 2014, zweitägiges Seminar
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at!
 
HINWEIS für SchülerInnen von http://www.sztvt.at/: Es wird Praxiszeit angerechnet!!!

Vertiefungsseminar für AbsolventInnen des oben angekündigten Seminars

Wann: 7. oder 8. Juni 2014, eintägiges Seminar
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at!
 
 
Hier die Seminarankündigung des ersten Seminars für Interessierte:
Ich stolperte im Umgang mit Dana dauernd über Steine, die ich mir selbst in den Weg legte. Aus diesen persönlichen Erfahrungen entwickelte ich dieses Seminar. Warum soll nur ich aus meinen Fehlern lernen?
Dipl.-Psych. Kirsten Cordes

Der hier vorgestellte Informationsvortrag war übervoll, daher ist es Zeit, das eigentliche Seminar „Knackpunkt Hund – Psychologie für (Problem-)Hundehalter“ anzukündigen:

Wann: 8./9. Februar 2014, ganztags
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at

(auch diejenigen, die sich bereits vorangemeldet haben, bitte ich um nochmalige Bestätigung per Email!)

Worum geht es? Nicht (nur) um die Veränderung von Hundeverhalten, sondern darum, wie wir Menschen unser Verhalten ändern können.
Das ist die mitunter wichtigste Voraussetzung, um in Zukunft harmonisch mit dem Hund zu kooperieren.
Insofern richtet sich das Seminar sowohl an bereits interessierte HundehalterInnen, als auch an HundetrainerInnen.
Gute TrainerInnen wissen beispielsweise viel über Lerntheorie und wenden dies im Training mit Hunden an.
Sehr gute Trainerinnen wissen oben genanntes UND wenden dies gerade im Umgang mit Menschen an. 🙂

Denn:
„Innere Überzeugungen, Glaubenssätze, (verdrängte) Ängste und (unbewusste) Handlungen machen uns oft einen Strich durch die wohlgeplante „Erziehung“ des Hundes. Da helfen in der Regel keine noch so guten Erziehungsratgeber, denn des Pudels Kern beim „Problemhund“ liegt nicht selten im Halter selbst.“
Dipl.-Psych. Kirsten Cordes 

Ich freue mich auf ein spannendes Wochenende!!!

„Aber der hat keine Angst“ – das notwendige Erstgespräch

Oft ist der Grund für HundebesitzerInnen, mich zu kontaktieren, (beginnendes Angst-) Aggressionsverhalten. Manche sind überrascht, unter Umständen nicht gleich mit dem Training beginnen zu können oder gar, dass ich ihnen den Hund nicht ‚abrichte‘, sondern vorerst ’nur‘ einen Termin für ein Erstgespräch bekommen. Dabei wird hier oft die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg gelegt, denn es gilt, so einige veraltete Mythen (Dominanz und Rangordnung) aufzuklären.

 

Im Fall von Angstaggression erkläre ich unter anderem Folgendes:
  • Sozialisation: Hund bekommt Angst (und Stress) in – aus menschlicher Sicht – Normalsituationen, weil er zu wenig oder negativen ‚Input‘ in dieser wichtigen Lebenssphase bekommen hat
  • Lernerfahrungen: Funktion von Aggressionsverhalten (‚Bleib weg‘, ‚Geh weg‘, ‚Lass mich in Ruhe‘) wird erreicht, Deeskalation davor/in der Vergangenheit erfolglos
 
Hier gibt es bereits einige Posts von mir über Aggressionsverhalten nachzulesen:
 
Manchmal passiert es, dass ich beim Erklären der Eskalationsstufen von Aggressionsverhalten unterbrochen werde:
„Mein Hund hat keine Angst, ist nicht unsicher. Er ist dominant, hat ja auch den Schwanz aufgestellt.“
Tja, das kann so aussehen, wenn der Hund schon Übung darin hat, sich durch Aggressionsverhalten Erleichterung zu verschaffen:
Er ist sicher in dem, was er tut. Sein Verhalten bringt schließlich den erwünschten Erfolg: Der ‚Mann mit Hut‘ beispielsweise, der vom Hund im Vorbeigehen bellend und kurrend angesprungen wird, entfernt sich schleunigst.
 
Die Verstärkung dieses Verhaltens beruht also eben nicht darauf, dass der Hund sich einen Vorteil ‚erhofft‘ – er möchte weder alle Menschen dominieren, noch die Person am anderen Ende der Leine ‚in der Rangordnung in Frage stellen‘.
Er will sich schlicht und einfach nicht mehr so unwohl fühlen oder fürchten müssen. Und da vorangegangene Versuche der Deeskalation seitens des Hundes nicht funktioniert haben, muss er notgedrungen seine Strategie ändern – und erklimmt die Stufen nach oben.Der Hund macht die – wahrlich einprägende – Erfahrung, sich durch Aggressionsverhalten zuverlässig ‚retten‘ zu können, was weiterführend bewirkt, dass körpersprachliche Anzeichen von Angst tendenziell mehr und mehr verschwinden: Der Hund weiß ja, dass Aggression funktioniert – mit jeder einzelnen Erfahrung wird er sicherer.
Und das in Riesenschritten: Etwas Unangenehmes oder Bedrohliches vermeiden oder vertreiben zu können, ist evolutionsbiologisch äußerst wichtig – unter Umständen überlebenswichtig.
 
Auf diesem Foto sieht man sieht deutlich die Unsicherheit in der Körpersprache eines Hundes im Tierheim. Hier beweist ihm eine Praktikantin, dass es keinen Grund zur Sorge gibt, sie bringt ihm gute Leckerlis und überfordert ihn nicht. Er lernt, dass Menschen am Gitter eigentlich nett sind. Würde ihn die Person vor dem Gitter anstarren, also aus seiner Sicht bedrohen, wäre er vermutlich bellend und knurrend an die Tür gesprungen. Geht die Person dann, lernt der Hund, wie er sich Menschen ‚vom Hals halten‘ kann.Es ist wichtig, dass HundebesitzerInnen wirklich verstehen, weshalb ein Hund sich unerwünscht verhält. Dies zu erklären braucht Zeit, die aber notwendig ist: Jemand, der insgeheim denkt, der Hund sei dominant, wird ein gewaltfreies, auf positiver Verstärkung aufbauendes Training im ungünstigsten Fall abbrechen und zu ‚logischeren‘ (und einfacheren, aber gefährlichen und tierschutzrelevanten) TV-Methoden wechseln.
Dabei sollte das Motto doch lauten: Trainieren statt dominieren! Gut erklärt, ist halb trainiert… 🙂

Reaktive Hunde – Erfolge durch belohnungsbasiertes und bedürfnisorientiertes Training

Nomen est omen: reaktive Hunde heißen nicht ohne Grund so… Sie reagieren auf mehr oder weniger viele Umweltreize mit Aggressionsverhalten. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben: Schlechte Erfahrungen, aversive Trainingsmethoden, Überforderung, Krankheiten… Ich möchte mich hier hauptsächlich auf mangelhafte Sozialisation beziehen (über den Einfluss aversiver Trainingsmethoden auf das hundliche Verhalten habe ich bereits einige Blogeinträge verfasst). 

Oft leben reaktive Hunde in Situationen, auf die sie in ihrer Kindheit nicht vorbereitet wurden. Am Land aufgewachsen mit wenig Menschenkontakt ist es nicht verwunderlich, dass ein Leben als erwachsener Hund in der Großstadt mehr als stressig ist. Mangelhafte Sozialisation (Gewöhnung an belebte Umwelt) und Habituation (Gewöhnung an unbelebte Umwelt) sind dafür verantwortlich, dass die Hunde auf unbekannte Reize ängstlich reagieren. Aus dieser Angst heraus entwickelt sich sehr schnell ein Teufelskreis – in Richtung Selbstverteidigung, sprich Aggressionsverhalten.

In den ersten Wochen in der städtischen Umgebung sind die Hunde oft noch so überwältigt und eingeschüchtert von den vielen Eindrücken, dass sie „keine Reaktion“ (aus Sicht der BesitzerInnen, also kein Bellen, Knurren, in die Leine springen, Zähne zeigen, Schnappen,…) zeigen und vermeintlich „sooo brav“ sind.

Das ist jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm. Sind Umstellung und erster Schock mal verarbeitet, machen viele Hunde die Erfahrung, dass sie sich selbst durch Aggressionsverhalten Erleichterung verschaffen können:
Denn die Funktion von Aggressionsverhalten ist eine Distanzvergrößerung zum Auslöser: Fremde Menschen weichen aus, andere Hunde ziehen sich zurück oder werden an der Leine schnell weggezogen, wenn sich der eigene Hund knurrend in die Leine wirft.
Aber auch in Situationen, in denen Menschen, Hunde, Autos … (oder worauf auch immer der Hund reaktiv reagiert) sowieso vorbeigehen, wie beispielsweise am Gartenzaun, wird der funktionale Verstärker bedient: die auslösenden Reize verschwinden, wenn der Hund sich aufregt.
Zu allem Unglück reagieren die meisten BesitzerInnen – verständlicherweise – intuitiv falsch; sie werden hektisch, ziehen an der Leine, schimpfen, … und alles wird immer schlimmer. Der öffentlich soziale Druck ist groß, wer möchte schon einen „aggressiven und gefährlichen“ Hund haben bzw. von Fremden darauf aufmerksam gemacht werden???

Das Training von reaktiven Hunden kommt völlig ohne Leinenruck, Geschrei, Alpha-Würfe oder sonstige (Nieren-)Sticheleien (jaaa… ich meine Cesar Millan’s Kicks!) aus. Die Hunde sollen schließlich lernen, mit den Angstauslösern gut leben zu können und Vertrauen in ihre Menschen gewinnen. Problematisches Verhalten durch Strafe kaschieren bzw. unterdrücken sieht nur im ersten Moment (für Laien) „gut“ aus, der Hund fühlt sich noch immer völlig überfordert (durch die Bestrafung noch schlimmer) und traut sich nur nicht mehr, seine Gefühle zu zeigen.

Durch positive Verstärkung (Clicker- bzw. Markertraining), Stressreduktionsmaßnahmen und Management hat der Malinois-Mischling Apollo gelernt, dass er nicht mehr *Alles* anschreien, anbellen oder anspringen muss, das sich im Freien bewegt. Inzwischen sind wir schon so weit im Training, dass ein „normaler“ Trainingsspaziergang „wenig hergibt“ und wir bereits Cafe-Besuche machen können mit einem entspannten Apollo.

Im Bauhaus ist alles unaufregend…

Zwischendurch mal Belohnen für den braven Bub!

Während Frauerl auf der einen Seite sucht, hat Apollo was Interessantes in der Nase…

Beißkorbtraining musss auch sein… 🙂 Aber alles positiv!

Cafe-Haus-Liegen ist laaangweilig…

Zum Glück ist Apollo kamerageil und freut sich, ein so großer Star zu sein.

Wenns mal wieder länger dauert… 

Frauchen ist doch die Beste!!!

Die Golden Retriever-Hündin Fee ist noch am Anfang des Trainings. Sie lebte lange Jahre am Land und ist erst seit ein paar Monaten in der Großstadt Wien. Vorbeigehende Hunde und vor allem Menschen springt sie mit enormer Kraft an und regt sich sehr auf. Ja, genau, es hängt eben nicht von der Rasse ab, ob ein Hund unerwünschtes Aggressionsverhalten zeigt.
Auch Fee hat inzwischen schon große Fortschritte gemacht, sie lernt, den Entscheidungen ihres Frauchens zu vertrauen und die Umwelt nicht mehr so furchtbar zu finden. Und ihr Frauchen weiß endlich, wie sie Fee am Besten unterstützen und helfen kann. 🙂

Fee lernt, sich an ihrem Frauchen zu orientieren…

… anstatt alles selbst in die Pfote zu nehmen.

„Ich sehe fremde Menschen!“

„Mami sagt, das ist OK…“

Fee und ihre Menschin machen angenehme Erfahrungen.

Trainieren statt dominieren!!!

Die Hundebox sinnvoll und hundegerecht verwenden

 ich hab ja ein „dynamisches trio“… 🙂

eine, die herdi-mäßig territorial reaktiv handelt,
einen, der schon schwer gebissen hat (aus tierheim, dort „abgerichtet“ und fast getötet worden) und „kein blatt vor den mund nimmt“,
und einen, der zwar grundsätzlich alles liebt, was lebt, aber mit seinem fröhlichen gewusle eher mehr aufregung reinbringt als gelassenheit fördert.

daher ist naturgemäß besuch empfangen kein zuckerschlecken… oder doch? 🙂

ich habe mich dagegen entschieden, hannes bei besuch den beißkorb anzuziehen. obwohl der beißkorb immer was positives ankündigt (spaziergang, futter,…) und er auch zu sabbern beginnt, sobald er den beißkorb sieht (pavlov sei dank :-)), hasst er ihn noch immer abgrundtief.

ein ordentliches boxentraining war mir – und hannes – bedeutend sympathischer.

also lernten die hunde auf signal „rein“ in die box (hannes) bzw. in ihren korb (baghira und nemo) zu gehen. dort gibts dann immer was leckeres zum kauen.

als auf mein „rein“ die hunde freudigst auf ihre plätze gelaufen sind – das checken die supertopcheckerdoggers gaaanz schnell – , hab ich begonnen, das auch beim (besser vor :-)) empfang von besucherInnen einzuführen.

mit großem erfolg:
wenn die menschen meine wohnung betreten sind die hunde noch glücklichst damit beschäftigt, ihr kauli zu zerteilen und zu essen. das nimmt die aufregung (kauen beruhigt wie daumenlutschen) und macht alles zu einem angenehmen ereignis (pavlov is always on your shoulder ;-)).

bei bekannten (und geliebten) menschen ist danach sowieso alles paletti und die box von hannes wird geöffnet, baghira und nemo freuen sich.

bei bekannten, aber nicht so „bevorzugten“, menschen kann hannes an einer kurzen schleppleine (zur sicherheit) aus der box, alle hunde bekommen für besuch anschauen kekse. auch das führt innerhalb kürzester zeit – wenn nicht sofort – zu relaxten hunden.

bei unbekannten menschen bleibt hannes zuerst noch in der box und alle 3 bekommen für blick zu besucherInnen click & leckerli. da ists dann schnell vorbei mit der aufregung (die ohnehin von mal zu mal weniger wird) und hänschen kann wieder an der schleppleine raus.

[ganz allgemein instruiere ich besuchspersonen natürlich im vorhinein, belohne wünschenswertes verhalten der hunde und manage, wenns notwendig sein sollte!]

die box ist immer offen… hannes legt sich oft einfach so hinein. für ihn bedeutet die box, dass etwas angenehmes bis entspannendes passiert. niemals wird er bestraft durch „einsperren“ – was er sich ohnehin nicht lange gefallen lassen würde, genau das eingesperrt werden war im tierheim das größte problem mit ihm.

auch nemo findet die box sehr einladend, und macht schon mal ein nickerchen drinnen. kein problem für hannes, er schläft inzwischen auf der couch. 🙂

Aggression und „Red Zone“-Hunde

Hunde, die Aggressionsverhalten gegenüber Menschen oder anderen Hunden (generell Lebewesen) zeigen, machen uns Angst. Im Gegensatz zu manch anderen – für Menschen problematischen – Verhaltensweisen ist hier unmittelbarer Handlungsbedarf.

Darüber herrscht soweit mal Einigkeit; was man von den „Behandlungsmethoden“ nicht gerade sagen kann: von – in Österreich illegalen – Trainingsutensilien wie Teletakt und Stachelhalsband über Leinenruck und anderen gegen das Österreichische Tierschutzgesetz verstoßende Korrekturen bis hin zum gewaltfreien Training mit Leckerlis und co ist alles vertreten.

 

Inzwischen gibt es genügend Erkenntnisse über das Ausdrucks- und Lernverhalten, hundliche Bedürfnisse und Sozialverhalten, die beweisen, dass ein Training von Hunden, das auf Korrekturen und Bestrafung aufbaut, einen Hund weder „sicher“ macht noch tierschutzgerecht ist. Einige Argumente habe ich bereits in vergangenen Posts thematisiert (selbstverständlich kein Anspruch auf Vollständigkeit!):

 

Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist

Besuch bei Tierärztin – über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und Hansi, dem Untoten

Training mit dominanter und aggressiver Super Susi

Die Vorurteile gegenüber dem gewaltfreien und belohnungsbasierten Training von Hunden

 

Trotzdem erscheint es jedoch für viele Menschen logisch, einen Hund insbesondere für aggressives Verhalten zu bestrafen oder zu korrigieren, ihm deutlich zu zeigen, dass sein Verhalten unangemessen ist. Veraltete und überholte Rangordnungs- und Dominanztheorien untermauern dieses Vorgehen.

 

Medial, vor allem im Fernsehen, sind Beiträge beliebt, die sich mit der „Behandlung“ von Aggressionsverhalten befassen. Teilweise spektakuläre Maßnahmen, wie den Hund auf den Boden drücken bis er aufgibt, und weniger auffällige Korrekturen wie Leinenrucke, Tritte oder anderweitige Androhungen unangenehmer Konsequenzen erreichen viele ZuseherInnen. Und zum Leidtragen der Hunde (und der Sicherheit!) gibt es inzwischen auch viele NachahmerInnen. Der amerikanische Hundeflüsterer Cesar Millan ist der wohl bekannteste Anwender dieser tierquälerischen Methoden.

 

Hier ein vor kurzem erschienenes Interview einer Österreichischen Zeitung über die Gefahren und Tierschutzrelevanz von Cesar Millan und co:

 

 

 

Gerade Aggressionsverhalten erfordert also keine aversiven Trainingsmethoden (auch keine psychischen Bedrohungen „Wehe wenn du das tust“, „Nein“, Zischlaute aller Art), sondern Management (auslösende Situationen verhindern oder sinnvolle „Schadensbegrenzung“) und gezieltes Training durch positive Verstärkung (abseits der Abklärung möglicher gesundheitlicher Ursachen, Stressreduktion, klare Strukturen, Veränderungen im Tagesablauf, etc). Weder psychische noch physische Gewalt führt zu Hunden, die für ihre Umwelt keine Gefahr (mehr) darstellen.

 

Doch was ist mit diesen „Red Zone“-Hunden, die Cesar Millan meist innerhalb „kurzer Zeit rehabilitiert“? Die sind doch „wirklich aggressiv“ und „absolut gefährlich“, Ausnahmehunde in Punkto Aggressivität, die eine Trainerin wie ich und viele meiner KollegInnen noch nie live gesehen haben. Cesar rettet Hunde vor dem Einschläfern – ein Held?

Nein. Auch andere HundetrainerInnen retten Hunden das Leben, arbeiten aber gewaltfrei und belohnungsbasiert, mich eingeschlossen. Zahlreiche ExpertInnen warnen außerdem vor dem Training mittels Strafe und Korrekturen.
Ein weiterer Fehler in dieser Herangehensweise besteht vor allem auch darin, dass das Aggressionsverhalten überhaupt ausgelöst wird, um es dann bestenfalls zu unterdrücken. Eine sinnvolle, tierschutzkonforme und sichere Verhaltensänderung findet hier nicht statt. Fast jeder Hund kann zu einem „Red Zone“-Hund werden, wenn er für sein Ausdrucksverhalten bestraft und/oder massiv körperlich „bedrängt“ wird (ein Tritt in die Flanken ist übrigens kein Aufmerksamkeitssignal wie ein menschliches auf die Schultern tippen, was auch niemals Aggressionsverhalten unterbrechen könnte!).

 

Gutes Training von Aggressionsproblemen behandelt die Ursachen: die Assoziationen der Hunde werden positiv verändert und der Hund lernt eine adäquate Verhaltensalternative. Das sieht dann wenig spektakulär aus. Auch bei „Red Zone“-Hunden.

Gerade heute hatte ich einen Hund im Training, den „sogar“ Cesar Millan als „Red Zone“-Hund bezeichnen würde: Dämon (er wird Dämi gerufen), ein kastrierter Pitbull-Rüde, hat andere Hunde bereits mehrfach gebissen und einen sogar getötet (auch VertreterInnen anderer Rassen, die eine ähnliche Geschichte haben, sind bei mir im Training). Menschen gegenüber ist Dämon sehr freundlich, obwohl er bestimmt in der Vergangenheit vom Vorbesitzer körperlich bestraft wurde. Sein jetziger Besitzer erzählte mir im Erstgespräch, dass Dämon lange Zeit bei schnellen Bewegungen zusammenzuckte.
Der Hund hat Glück, sein Mensch ist ein Naturtalent. Nach nur zwei Theorieeinheiten (auch für den NÖ-Sachkundenachweis) inkl. Videobeispielen konnten wir die erste Praxisstunde erfolgreich abschließen: mittels positiver Verstärkung (hier mit Clicker) verändern sich Dämons Assoziationen anderen Hunden gegenüber und er lernt ein adäquates Alternativverhalten. Ausschlaggebend für den Erfolg war, dass wir Dämon nie in die Situation führten, die Aggressionsverhalten auslöst.
Die Prognose ist gut und ich bin zuversichtlich, dass wir die Distanz zu anderen Hunden bald verringern können, denn der Besitzer trainiert auch im Alltag ganz bewusst mit dem Hund, hat viel Einfühlungsvermögen und Empathie. Ziel ist es, dass man Dämon sicher an anderen Hunden in angemessenem Abstand vorbeiführen kann und dass er generell ansprechbar und damit kontrollierbar bleibt. Dämon trägt ein Brustgeschirr (an dem auch die Leine befestigt ist), wird „mit Leckerlis belohnt“ und ist mit Beißkorb gesichert.

Die 2. Praxiseinheit und es klappt schon wunderbar:

 

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=tRCXeYy2JzQ[/embedyt]

(Im Training von Hund-Hund-Aggression ist mir übrigens auch wichtig, dass der hundliche Trainingspartner, in dem Fall „mein“ Nemo, auch Spass daran hat – an der Leine gehen kann und soll ja auch lustig sein.)

Hannes lebt… seit einem Jahr bei uns!

Rottweiler-Mischling Hannes lebt.

Da er erst ca. 4 Jahre alt und „pumperlgsund“ ist, sollte das eigentlich nicht verwundern…

Dennoch ist es so, dass Hänschen seit 7.1.2011 eigentlich schon tot wäre. Er ist also ein Untoter sozusagen.

Wie das???

Er ist einer der drei Hunde, die ich um den Jahreswechsel 2010/2011 vor der ungerechtfertigten Euthanasie (was für ein widerliches Wort in dem Zusammenhang) retten konnte.

Alle haben unterschiedliche Geschichten, aber eine Gemeinsamkeit: sie wurden schlecht behandelt, ihre Zeichen wurden nicht verstanden und galten als gefährlich.

Hier ist die Geschichte von Spider, der nach wie vor eine neue Familie sucht, er hätte es sich so verdient:

Susi, die Dritte im Bunde, wartet auch noch sehnsüchtig:

Aber kommen wir wieder zurück zu Hänschen klein, ehemals Blacky. Er wurde durch Gehorsamsfanatiker der alten Schule verhaut, im wahrsten Sinne.

Sprüche (und deren Umsetzung) wie „Dem muss man mal zeigen, wer der Herr ist“, „Der ist dominant und gehört untergeordnet“, „Der muss parieren“, … haben ihn nicht zu einem folgsamen und schon gar nicht zu seinem sozial sicheren Hund gemacht:

In einem österreichischen Tierheim wurde ihm das Fürchten vor Menschen gelehrt…

Was leider bei so vielen Hunden funktioniert (Stichwort „erlernte Hilflosigkeit“), klappt bei einigen Wenigen nicht – Hannes ist einer von ihnen. Und ich bin „stolz“ auf ihn, dass er sich nicht alles hat gefallen lassen, sondern gelernt hat, sich zur Wehr zu setzen, auch wenn es ihm fast das Leben gekostet hätte (und ich auch im Alltag sehr auf ihn aufpassen muss).

Hier seine Geschichte und grundlegende Informationen über hundliches Lernverhalten zum Nachlesen in vergangenen Posts:

Gestern vor genau einem Jahr ist er in unsere WG eingezogen;

zu Baghira, Nemo, Leila, Linus (der uns leider am 20.1.2013 aufgrund eines Tumors im hohen Alter verlassen hat ;-( –> Linus, wir vermissen dich unendlich!) und mir.

Es war und ist eine Herausforderung, mit 3 (mitunter „schwierigen“) Hunden zusammenzuleben und für sie alleine verantwortlich zu sein, aber ich möchte keinen Tag missen.

Danke, Baghira, Nemo und Hänschen, dass ich so viel von euch lernen darf!

Was tun, wenn sich der Hund nicht von gefundenem Essbaren abrufen lässt?

Hunde, insbesondere Angehörige der Rasse Labrador Retriever, können sehr „verfressen“ sein. Das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes, im Gegenteil, sogar erwünscht… 

Camillo, der aus Frust leinenaggressiv reagiert, lernt zum Beispiel über gezielte Belohnung mit Futter, dass er nicht jeden Hund begrüßen muss und die ganze Aufregung eigentlich eh „für nix“ ist (über Desensibilisierung, Gegenkonditionierung und Alternativverhalten). Insofern ist ein Hund, der mit Essbarem gut motivierbar ist, im gewaltfreien und belohnungsbasierten Training wirklich sehr angenehm. 

Dennoch gibt es Situationen im Zusammenhang mit Essbarem, in denen mensch das Gefühl hat, der Hund „gehorcht“ nicht… schlimmer sogar, „der verarscht dich!“, würden wohl so manch Unwissende behaupten…

Ein wunderschönes Beispiel ist Camillos „Komposthaufen-Problem“: Intelligent wie er ist, hat er inzwischen sehr gut gelernt, dass Frauerl ab einer gewissen Distanz zu ihm keine Einwirkung mehr hat. So läuft er dann ungehindert (wenns sein muss mehrere hunderte Meter) zum geliebten Komposthaufen. Und das unter Umständen mit einem „Tut mir leid Frauchen, ich muss noch was erledigen“-Blick kurz vorm Durchstarten. 

Ärgerlich, oder?

Eigentlich nicht. Camillo macht das, was ein Hund eben so tut: Den Spaziergang auch zur Suche nach Essbarem nutzen. Wie schon erwähnt, im – vom Menschen gezielten Training – ja ein durchaus erwünschter Effekt. 

Was also tun? 

Dem Ärger freien Lauf lassen und den Hund versuchen durch Schimpfen, Nachlaufen, In den Weg stellen, Einfangen, Bestrafen,… vom „Fehlverhalten“ abhalten (oder sogar danach bestrafen)? Damit läuft Mensch jedoch Gefahr, das „Wettrüsten“ zu verlieren: Der immer ärgerlicher werdende Mensch schimpft und bestraft immer intensiver und lauter, der Hund lernt mehr und mehr, sich der Einwirkung zu entziehen oder sogar eine Strafe in Kauf zu nehmen für ein paar herzhafte Bissen. 

Da die meisten Menschen mit einem frei laufenden Hund spazieren gehen möchten, ist der erste Schritt (Level 1) zur Besserung nicht immer einfach: Anleinen, um das „Fehlverhalten“ zu verhindern. 

Level 2 wäre, dass der Hund losgelöst von der „Komposthaufen-Situation“ – im Trockentraining sozusagen – erstmal im Sitzen bzw. Stehen lernt, dass Essbares am Boden bedeutet, dass er von Frauchen/Herrchen etwas Besseres bekommt.

Kann der Hund das schon gut, kann damit begonnen werden, Level 3 anzugehen: Wenn der Hund sich beim Anblick von Futter am Boden erwartungsvoll zu Frauchen/Herrchen dreht, geht die/der BesitzerIn einen Schritt vom Futter weg, bevor der Hund belohnt wird. 

Klappt das ohne den Hund an der Leine zu ziehen, wäre Level 4, den Hund zu belohnen, nachdem man gemeinsam einen Schritt zur Seite macht.

Level 5, wenn alles ohne Leinenspannung funktioniert, kann man einen Schritt auf das Futter am Boden vor der Belohnung zugehen. 

Camillo kann das schon gut: 

Mehr Fotos zum Training mit Camillo: 

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.486224968104213.1073741825.126524544074259&type=1

Weitere Trainingsideen:

http://www.canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/03/videos-vom-heutigen-lernspaziergang-mit.html 

Wenn das alles störungsfrei klappt, das heißt, der Hund schaut zum Futter am Boden und bleibt ohne die Hilfe der Leine beim Menschen, kann begonnen werden, noch mehr Bewegung reinzubringen, die Wertigkeit des Futters am Boden zu erhöhen, möglichst reale Situationen nachstellen etc…

Natürlich ist diese Anleitung nur eine von vielen, Hunden schrittweise beizubringen, dass Frauchen/Herrchen immer – zumindest meistens – Besseres zu bieten haben.

Hauptsache: Keine Strafen, kein Bedrohen, die Trainingssituation so planen, dass der Hund Erfolg hat und Alltagssituationen – vorübergehend – so managen, dass das unerwünschte Verhalten nicht belohnt wird.

Und immer bedenken: Hunde lernen immer, nicht nur, wenn wir Menschen gerade trainieren wollen… 🙂