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Marlo lernt das Leben zu genießen

Die letzten Wochen waren für Marlo sehr erfreulich, denn er bekommt jetzt öfter Abwechslung: Marion, die neue Qualitätszeit-Patin, und Thomas, einer der Marlo-Rettungs-Helfer, besuchen ihn zusätzlich zu mir und seiner Retterin, die die Unterbringung finanziert. Aus dem „Pechvogel“ Marlo, der in seinem bisherigen Leben nur wenig kennen lernte – er wurde größtenteils in einem kleinen Zwinger gehalten – kommt ein entzückender und liebenswerter Hund zum Vorschein, der menschliche Nähe genießt.

 

Marlo wird bereits auf ein wirkliches Zuhause vorbereitet, er lernt:

 

  • neue Menschen positiv kennen
  • Menschen zu vertrauen
  • Leinenführigkeit
  • Beißkorbtraining
  • Decke als Sicherheitsort
  • Signale wie Komm, Sitz
  • positiv konditionierter Geschirrgriff
  • an anderen Hunden vorbeigehen
  • … und das Leben zu genießen … 🙂

 


Marlo mit Sternchen in den Augen: Dabei hatte der Rottweiler bisher einen ganz anderen Ruf: schmerzbedingt (er hat Spondylosen) und aufgrund eines harten und gewaltsamen Umgangs, wurde er – bevor ich ihn kennenlernen durfte – als aggressiv abgestempelt.

Gemeinsam mit engagierten TierschützerInnen konnte seine Rettung gelingen – fairer Umgang und Training durch positive Verstärkung ohne Bedrohungs- oder Strafszenarios sei dank. Dieser tolle Hund sucht noch seine Menschen! InteressentInnen, bitte unter u.aigner(ät)gmail.com melden! Marlo braucht dringend ein Zuhause!

 

Solange Marlo noch nicht in ein Zuhause umziehen kann, muss seine Unterbringung und Versorgung finanziert werden. Daher sind, neben der Qualitätszeit-Patenschaft, finanzielle UnterstützerInnen herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

Danke!

Rottweiler Marlo sucht seine Menschen

Marlo ist ein etwa 5jähriger, wunderschöner, kastrierter Rottweilerrüde, der positiv und aufgeschlossen auf Menschen zugeht, Streicheleinheiten genießt und in der Nähe von Wien untergebracht ist. In seinem bisherigen Leben lernte er nur wenig kennen, er wurde größtenteils in einem kleinen Zwinger gehalten. Wir wünschen uns ein ein ruhiges Zuhause am Land mit Garten, das hektische Leben in der Stadt würde ihn überfordern. Marlo sollte ohne andere Tiere oder Kinder leben. Der Rottweiler hatte bisher viel Pech in seinem Leben: schmerzbedingt (er hat Spondylosen)und aufgrund von hartem und gewaltsamem Umgang, wurde er – bevor ich ihn kennenlernen durfte – als aggressiv abgestempelt.

 

Gemeinsam mit engagierten TierschützerInnen konnte seine Rettung gelingen – fairer Umgang und Training durch positive Verstärkung ohne Bedrohungs- oder Strafszenarios machten aus Marlo einen neugierigen (Jung-) Hund, der vertrauensvoll die Welt entdeckt und viel dazulernt. Marlos Menschen sollten idealerweise bereits Hundeerfahrung haben und dem Um- bzw. Einzug etwas Zeit geben. Die Bereitschaft, auf seine Bedürfnisse und Möglichkeiten individuell einzugehen und vor allem im Bereich Umgang und Training dazuzulernen, ist eine Voraussetzung für die Vermittlung.

 

 

Marlo ein neues Zuhause zu geben, bedeutet bestimmt einen Mehraufwand im Vergleich zu einem Hund, der bisher viele positive Erfahrungen mit Menschen, anderen Tieren und der Umwelt machen durfte.
Es lohnt sich aber tausendfach – ein lachender und glücklicher Marlo ist das schönste Geschenk!
Er hat es sich von ganzem Herz verdient!
Wer Marlo kein Zuhause bieten kann, aber Zeit und Engagement mitbringt, kann auch mit einer Patenschaft helfen: 
Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe. 
Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und Unterbringung kostet Geld.
Daher sind UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:
Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

Danke!

 

Rottweiler Marlo lernt … Vertrauen

Der heutige Besuch bei Marlo, dem Rottweiler aus Ungarn, war wieder äußerst erfreulich. 🙂

Für alle Neu-EinsteigerInnen im Bericht über Marlos Leben, hier ist seine Geschichte nachzulesen

Es ging wieder ins Freie. 🙂


Auf dem Weg in den Auslauf entdeckt Marlo eine interessante Stelle.

 

Ruhiges Training: Marlo wartet auf die Beißkorbübung

Auch als ein anderer Hund am Zaun vorbeiging, ließ sich Marlo, kurzfristig wieder angeleint, sehr gut umlenken.
Es ist sehr schön mitzuerleben, wie dankbar Marlo die Hilfe annimmt.


Marlo lernt Vertrauen.

 

Marlo genießt sein neues Leben, bekommt auch in meiner Abwesenheit Auslauf und erlebt freundliche und nette menschliche Gesellschaft.

Marlo hat es sich verdient, bald jemanden kennenzulernen, der oder die ihm ein schönes und liebevolles Zuhause geben kann.

 

Da er so wenig kennengelernt hat, ist ein Haus (am Land) mit Garten Voraussetzung, keine (Klein-)Kinder. Ein Kennenlernen wäre ab sofort möglich, Marlo braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen.

Doch bis zu einer erfolgreichen Vermittlung wird noch Zeit vergehen und die Unterbringung in Österreich kostet – genauso wie in Ungarn – Geld.

Zudem stehen derzeit medizinische Untersuchungen an.

 

Daher sind finanzielle UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien   
AT16 5300 0032 5502 1086   
HYPNATWW   
Kennwort Marlo 

DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZERINNEN!

In Ruhe lernen: Clickertraining ohne Hektik

„Schnell noch mit dem Hund was machen“, „Dieses Ziel müssen wir bis morgen erreichen“! Diese Gedanken hat man im durchgeplanten Alltag bald mal im Kopf. Das spiegelt sich dann oft auch im Verhalten des Hundes. Besonders beim Trainieren von Tricks oder auch bei der Verhaltensmodifikation von Hund-Hund-Aggressionsproblematik kann es passieren, dass zB. aufgedrehte oder hektische Verhaltensweisen belohnt werden.
Es soll ja Hunde geben, die beim Anblick des Clickers bereits eine sehr starke Erwartungshaltung haben: AUFREGUNG! 🙂

Dabei kann man Ruhe und Konzentration genauso üben, wie schnelle (Verhaltens-) Reaktionen.

Ja, auch mit „Hibbelhunden“.
Ja, auch mit mehreren Hunden.
Ja, auch mit mehreren „Hibbelhunden“.

 

Oder gerade bei diesen. 😉

 

Hunde, die lernen, auch mal mit Ruhe und Konzentration zum Erfolg zu kommen, können dies auch besser auf andere Situationen übertragen. Und das Training (bzw. der Clicker) bekommt eine neue emotionale Färbung.

 

 

Wichtige Grundlage, vor allem bei Mehrhundehaltung, ist das Warten auf einer Decke (Korb, Box):

1. Der Hund wird durch Handsignal oder durch Locken auf die Decke und in die Position „Platz“ gelockt, sobald der Hund auf der Decke liegt, wird geclickt und in der Position „Platz“ gefüttert. Steht der Hund nach dem Click auf, ist das kein Fehler. Einfach wieder in Position locken und danach Futter geben, nicht das Aufstehen belohnen.

2. Das Verhalten aktiv auflösen, der Hund soll lernen, nicht vor dem Auflösesignal aufzustehen. Das Auflösen kann auch mit Futter belohnt werden.


3. Die Distanz zum Hund schrittweise erhöhen: zuerst das Bein heben, währenddessen clicken und füttern wenn Hund auf seiner Decke liegen bleibt; dann einen Schritt zurück, währenddessen clicken und füttern wenn Hund auf seiner Decke liegen bleibt; etc… Das Auflösen des Verhaltens nicht vergessen!


4. Der Hund wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald selbstständig auf die Decke legen. Dann ist es soweit, das Verhalten zu benennen:

In dem Moment (idealerweise kurz davor), wenn der Hund zur Decke geht, wird das Wortsignal gesagt und dann mit Click und Futter belohnt, wenn er auf der Decke liegt. Verhalten wieder auflösen. 

 

 

Im Falle einer Mehrhunde-WG:

Bei Mehrhundehaltung sollten diese Basics eventuell mit jedem Hund einzeln aufgebaut werden. Danach kann es beispielsweise so weitergehen:

1. Alle Hunde liegen auf ihrem Platz, in ausreichend großem Abstand zueinander und werden – gleichzeitig – durch Clicker und Futter belohnt.
Inzwischen sollten sie bereits verstanden haben, dass das Aufstehen erst nach dem Auflösesignal erwünscht ist.
Dennoch sollte bei den ersten Einheiten mit mehreren Hunden die Anforderungen wieder heruntergeschraubt werden, also Belohnungsintervall hoch, Abstand zu den Hunden gering, wenig Ablenkung, etc… Schritt für Schritt (siehe oben) diese Kriterien verändern. 

Ja, es ist sehr gut möglich, mit einem Clicker zwei (oder mehrere) Hunde zu belohnen: auch wenn im weiteren Verlauf einer „arbeitet“ und der andere „wartet“. Hunde sind intelligent und wissen, wann sie dran sind, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt. 

Hier ist bereits eine fortgeschrittene Stufe zu sehen, Click für beide, danach gehe ich ruhig zurück und jedeR bekommt einen Keks serviert:

Nemo bekommt seinen Keks, Baghira ist noch mit Kauen beschäftigt:

2. Das Auflösen erfolgt einzeln: Hier wird Nemo mittels Name und Auflösesignal gefragt, ob er aufstehen mag. In dem Moment, wo Nemo aufsteht, bzw. Baghira liegen bleibt, erfolgt der Click und die Hunde bekommen mit ruhigen und langsamen Handbewegungen Kekse.
Es ist empfehlenswert, anfangs dem ruhenden Hund zuerst den Keks nach dem Click zu geben, oder beide gleichzeitig zu füttern (Achtung: keine hektischen, schnellen Bewegungen!):

 

 

Sobald beim Grundlagentraining der „wartende“ Hund seinen Keks gegessen hat, ist der „arbeitende“ dran:

3. Wenn das einzeln auflösen gut klappt (dh, es gibt keine Fehlstarts vom falschen Hund), bekommt der „arbeitende“ Hund wirklich Etwas zu tun.
Das soll anfangs gar nichts Schwieriges oder Neues sein, ein Sitz genügt (für „Hibbelhunde“ ohnehin schwer genug). Achtung: Click und Futter gibts nur in der erwünschten Position:

4. Nun sollte mehr und mehr begonnen werden, den „wartenden“ Hund nicht mehr bei jedem Click (der ja in weiterer Folge eigentlich für den „arbeitenden“ gedacht ist) mit Futter zu belohnen. Gute ZielwerferInnen unter uns können natürlich auch zwischendurch Kekse auf den Platz des „wartenden“ Hundes werfen.
Der „arbeitende“ Hund lernt unterschiedliche (zuerst) ruhige Signale (Sitz, Handtouch, später auch neue Verhaltensweisen…) auszuführen. 
Das Ziel nicht aus den Augen verlieren: „wartende“ Hund lernt geduldig zu warten, „arbeitende“ Hund lernt sich zu konzentrieren.

Diese Anleitung kann natürlich nicht jede Eventualität abdecken und ist gerade für Clicker-AnfängerInnen (dasselbe für Markersignal) anfangs ohne Unterstützung in der Praxis schwierig umsetzbar. Es ist daher sehr empfehlenswert, eine Stunde bei einem Trainer oder Trainerin zu nehmen, als lange Zeit bei den Basics nicht weiter zu kommen. Das frustriert nicht nur die Menschen, sondern auch die Hunde – und bringt vielleicht genau deshalb wieder mehr Hektik rein. Wenn die Grundlagen passen, kann das Training „alles mögliche“ umfassen: alte Tricks, neue Tricks, etc.
Dann macht es ja erst so richtig Spaß. 

Hier lernen meine Hunde langsam und konzentriert Körperübungen, die die Balance, Muskulatur und Beweglichkeit fördern. Für die 12-jährige Baghira besonders wertvoll:

 
Click für bewusst langsames Hinaufsteigen

 


Keks danach nicht vergessen. 

 


Das klappt auch auf der oberen Stufe. 

 

Handtouch nach oben bringt Baghira dazu, sich zu strecken. 

Click für Nemo, wenn er nur auf die erste Stufe steigt, anstatt hektisch zu springen.

 

 

 

 

Click und freudige Erwartung…

…auf den Keks – ganz ohne Hektik und Frust. 

 

Wichtig: Zum Schluss gibt es immer auf dem Platz….

 

…Kekse, und zwar mehrere. Durchaus auch auf Decke suchen lassen. Für ein ruhiges Ende der Trainingszeit 🙂 

Viel Spaß beim Training! 

Erster Spaziergang mit dem Rotti aus Ungarn

Einige Zeit ist vergangen, seitdem ich zum ersten Mal bei Macho, dem Rotti, war.Hier ist seine Geschichte nachzulesen:

Training „aggressiver Rottweiler“ – Hilferuf aus Ungarn

Fotoalbum 4. Besuch

Fotoalbum 5. Besuch

[Für weitere Infos bzgl. Training von gefährlichen Hunden:Aggression und Red Zone-HundeAggression? – Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist„Aber der hat keine Angst!“ – das notwendige Erstgespräch]Da der Name „nicht unbedingt“ passend ist, wurden mittels einer Umfrage auf meiner Facebook-Seite Canis sapiens – gewaltfreies Hundetraining nach geeigneteren Namen gesucht und diese dann an die verantwortlichen Personen zur Abstimmung weitergeleitet.

Hiermit darf ich das Ergebnis in Form eines Doppelnamens präsentieren:“Marlo-Pikachu„. Diverse Spitznamen werden folgen. 🙂 Marlo macht riesige Fortschritte, beim letzten Besuch (der 6. insgesamt Fotoalbum 6. Besuch) konnte er zum ersten Mal seit 10 Monaten (!!!) seinen Zwinger verlassen. Nicht mal ums Eck schauen konnte er monatelang!

 

 

 

 

Zuerst wagte er es fast nicht aus der Zwingertür und bewegte sich wie auf Nadeln. Er war völlig überwältigt und sehr schnell mit den Reizen überfordert. Hier ein kurzes Video vom ersten Spaziergang:

[evideo id=“-RML9EjTKTs“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Gewaltfreies Training, basierend auf positiver Verstärkung anstatt Verunsichern, Unterwerfen oder Korrekturen/Maßregelungen, ist zwar unspektakulär und erscheint im ersten Moment als mäßig zielführend, dafür sind die Fortschritte mittelfristig unschlagbar und nachhaltig!Wir sind auf der Suche nach einem Fixplatz für Marlo. Da er so wenig kennengelernt hat, ist ein Haus (am Land) mit Garten Voraussetzung, keine (Klein-)Kinder. Ein Kennenlernen wäre ab sofort möglich, Marlo braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen.Verantwortungsvolle InteressentInnen melden sich bitte unter u.aigner@gmail.com. Er wird es mit ewiger Treue danken!

Hunde vermenschlichen – ein Problem?

Dieser Artikel wurde unter folgenden Titel auf http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html veröffentlicht:

Mäntel, Spielzeug, Gourmetfutter: Wie weit dürfen wir Hunde zu Menschen erziehen?

„Rangordnung vs. Verweichlichung“ – „Natur des Hundes vs. böse Vermenschlichung“- das sind wohl DIE gegensätzlichen Glaubenssätze in der Hundewelt.

Liegt die Wahrheit in der Mitte? Im Durchschnitt – „Von allem ein bisschen“, „Jede Seite hat Recht“?
Wie in vielen anderen Bereichen auch gibt es bei solchen Rechnungen keine Verbesserung: Wenn die Hälfte der Menschen ein Kilogramm Brot täglich zur Verfügung hat, die andere Hälfte jedoch nichts, bedeutet das eben NICHT, dass alle ein halbes Kilogramm tatsächlich essen können.
Ich kann hier lediglich auf ein paar ausgewählte Bereiche eingehen, um zu zeigen, dass nur ein Ansatz im Umgang mit dem Lebewesen Hund gesellschaftlich adäquat, moralisch und ethisch vertretbar und wissenschaftlich fundiert ist.

 

1. Der Hund als Ersatz für (zwischen-)menschliche Lücken?
Hunde sind hochsoziale, (mit-)fühlende, intelligente und bindungsfähige Lebewesen, die sich im Laufe der Domestikation an ein Leben mit Menschen angepasst haben und sie sind kognitiv vergleichbar mit menschlichen Kleinkindern. Daher ist eine sehr enge Beziehung und Bindung zwischen Mensch und Hund etwas Wünschenswertes.
Eines sollten wir jedoch nicht vergessen: Hunde sind trotz allem Hunde und keine kleinen Menschen in Hundegestalt. Daher ist es IMMER – unabhängig von der Hunderasse – notwendig, sich mit Hundeverhalten und hundlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Schließlich sollte die Gemeinschaft Mensch-Hund eine Win-win-Situation sein. Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n FreundIn zu haben, die eine tiefe Verbundenheit mit sich bringt UND der Hund dabei glücklich ist – wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, ihr/sein Bedürfnis zu befriedigen, sich um jemanden zu kümmern UND der Hund dabei glücklich ist – wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n verlässliche/n PartnerIn für Freizeitaktivitäten zu haben UND der Hund dabei glücklich ist – wunderbar!
Abzulehnen ist selbstverständlich die Anschaffung eines Hundes, der als Mode-Accessoire missbraucht und wie eine Tasche behandelt wird. Auch menschliche Individuen, deren Finanzen ein teures Auto nicht erlauben, die sich aber dafür einen „scharfen“ Hund halten – und ihn dementsprechend hart behandeln -, um ihr Mini-Ego aufzubessern, sind zu verurteilen.

Daher:
Vermenschlichung im Sinne der Hunde: JA.
Hundehaltung, die aus einer Modeströmung erwächst oder die kleine Egos aufbessern soll: NEIN.

 

2. Manche Hunde tragen Mäntel – absolut unnatürliche Vermenschlichung?
Hunde haben durch künstliche (also vom Menschen verursachte) Zuchtauswahl sehr divergierende Erscheinungsbilder. Zudem leben sie in beheizten Räumen, was verhindert, dass sich ein entsprechendes Winterfell bildet. Vor allem manche kurzhaarige Rassen haben in der kalten Jahreszeit also nichts zu lachen. Dasselbe gilt für ältere Tiere, die ihre Energien nicht für Wärmeproduktion verschwenden sollten, im Sinne eines weiteren langen Lebens. Es hat daher grundsätzlich gar nichts mit „böser Vermenschlichung“ zu tun, wenn ein Hund einen Mantel trägt.
Ausgenommen sind natürlich Mode-Accessoires, deren Funktion erst erfunden werden muss, oder Kleidungsstücke, die den Hund in seinem natürlichen Verhalten behindern und/oder ihm unvorbereitet aufgezwungen werden. Also: zuerst informieren (was unter anderem bis zum Ende lesen und verstehen bedeutet) und dann urteilen!

 

3. Natürliche Hundeernährung?
Der Hund stammt vom Wolf ab. Der Wolf frisst Beutetiere samt deren Mageninhalt. Daher tendieren Hunde, wie auch Wölfe, schon mal eher in Richtung Allesesser (Omnivore) – viel mehr als unsere Hauskatzen, die die Innereien eher liegen lassen.
Hunde sind jedoch keine Wölfe mehr. Sie haben sich im Zuge der Domestikation (Haustierwerdung) mit großer Wahrscheinlichkeit unter anderem freiwillig der menschlichen Gesellschaft angeschlossen und die Vorteile davon genossen: Die Nahrungsreste der Menschen waren gute, nahrhafte und einfache „Beute“. Und Überraschung: Die Nahrungsreste bestanden nicht unbedingt aus Fleisch.
Daher: Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen ist sowohl mittels rein pflanzlicher Quellen als auch „herkömmlich“ möglich. Die Gesundheit unserer Hunde hängt nicht davon ab, ob die Inhaltsstoffe tierlicher oder pflanzlicher Herkunft sind, sie müssen den Bedürfnissen der Hunde angepasst sein. Wenn also über Ernährung von Hunden diskutiert wird, dann bitte auf einem höheren Niveau und nicht über „Glaubenskriege“.
Dasselbe gilt im Übrigen auch für Fertigfutter vs. Frischfütterung/Kochen für den Hund: Es gibt hochwertiges Fertigfutter, das selbstverständlich einer einseitigen Frischfütterung überlegen ist, genauso wie minderwertige Produkte, in denen Abfälle der menschlichen Nahrungsmittelproduktion verarbeitet und teuer verkauft werden.

 

4. Korrigieren, dominieren, Rangordnung klarstellen, bestrafen statt belohnen?
Manche Ewiggestrige sehen den Hund ausschließlich als Rudeltier, das sich einem Führer natürlich unterordnet, wenn sich dieser nur entsprechend dominant behauptet. „Dominant behaupten“ heißt hier meistens, den Hund mit Zischlauten, Leinenrucks, Alpha-Würfen von unerwünschtem, aber durchaus natürlichem Verhalten abzuhalten. „Korrektur“ wird das dann beschönigend genannt.
Selbst wenn diese Korrektur auch nur irgendwie tierschutzgerecht wäre oder effektiv erscheint, lernt ein Hund dadurch nicht, was er eigentlich tun soll oder könnte. Allein die Tatsache, dass derartige Korrekturen immer und immer wieder notwendig sind (und häufig immer heftiger ausfallen, sobald die „mildere“ Korrektur ihre Wirkung verfehlt), oder zumindest die Androhung dieser – ein warnender Blick z.B. -, sollte doch schon Hinweis genug sein, dass diese Methode nicht nachhaltig ist.
Das Resultat eines solchen „Trainings“ ist lediglich ein Hund, der aufgehört hat, sich zu wehren und unter Umständen sogar in einen depressiven bis lethargischen Zustand verfällt. „Gut abgerichtet“, würden manche „KollegInnen“ sagen. Viele TrainerkollegInnen, WissenschafterInnen und ich sagen dazu „erlernte Hilflosigkeit“. Dabei verschwindet das – im wahrsten Sinne des Wortes – bekämpfte Fehlverhalten, doch der Hund wird ein Ventil für seine aufgestauten Gefühle suchen müssen: Stressbedingte Erkrankungen, andere Verhaltensauffälligkeiten wie Stereotypien, etc.
In diversen TV-Shows wird ein Hund, der nach einem langen Kampf mit dem selbsternannten Hundetrainer regungslos am Boden liegt, als „entspannt“ bezeichnet. Der Hund ist jedoch in Wirklichkeit alles andere als das: „Vor Angst nach Luft ringend und völlig erschöpft“ wäre noch immer eine beschönigende Formulierung dieser Tierquälerei.
Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, wie eine derartige Empathielosigkeit seitens aller beteiligten Menschen (auch der leichtgläubigen ZuseherInnen!) zustande kommen kann: Die Augen derart behandelter Hunde sind vor Angst weit aufgerissen, die Atmung ist schnell und flach und nicht ruhig, wie es ein tatsächlich entspannter Hund zeigen würde.

 

5. Verhundlichen des Menschen als Lösung?
„Hunde untereinander sind auch nicht zimperlich.“, „Hunde bestrafen sich gegenseitig auch.“ – Das oder Ähnliches hört man immer wieder als Legitimation für mehr oder minder harte Bestrafungen oder Korrekturen.
Erstens gehen Hunde Konfrontationen primär aus dem Weg und zweitens sind wir MENSCHEN, keine Hunde. Des Weiteren habe ich auch noch keinen Hund erlebt, der einem anderen Hund Leinenführigkeit beibringen wollte. In diesem Sinne für die unverbesserlichen BesserwisserInnen: Viel Spaß bei der Ano-Genital-Kontrolle und beim Revier markieren! Wenn schon, denn schon!
Es muss doch unser Ziel sein, unseren Hunden zu helfen, erwünschtes und gesellschaftlich sicheres Verhalten zu zeigen – ob der vielen Unnatürlichkeiten im Leben unserer Hunde AUCH mit Leckerli-Belohnung! Allein schon die Geräuschkulisse in unserem Großstadtleben hat sich sehr schnell sehr stark verändert, verglichen mit den Umweltreizen zu Zeiten der Domestikation. Das ist von einer Natürlichkeit aus „Hundesicht“ weit entfernt.

 

6. Positive Verstärkung – Degradierung zum Futterautomat?
Selbstverständlich nicht. Der gezielte Einsatz von Futter- oder anderen Belohnungen ermöglicht dem Hund in kleinen positiven Lernschritten, sich im Dickicht der menslichen Regeln zurechtzufinden.
Stellen wir uns einmal vor (als EuropäerInnen), plötzlich in Peking alleine auf der Straße zu stehen. Wir kennen weder die Schriftzeichen, noch verstehen wir ein gesprochenes Wort. Ich denke, wir wären sehr dankbar, wenn sich jemand uns annehmen würde, der in kleinen, verständlichen Schritten erklärt, was wichtig ist, damit wir uns verständigen können.
Jemand, der uns bei jedem falschen Wort – und es kann nur falsch sein! – bestraft, wird uns bestimmt zur Verzweiflung bringen. Selbst wenn die Strafe nur ein Korrekturwort (nämlich „falsch“) wäre, also nichts Bedrohliches oder Schmerzhaftes, wird uns das Gefühl der Frustration früher oder später äußerst lernunwillig machen.
Manche sagen auch „stur“ dazu … Klingelt’s? Sie kennen bestimmt viele Hunde, die total „stur“ einfach nicht das tun, was sie tun sollen. Schon mal darüber nachgedacht, dass sie vielleicht noch gar nicht wissen, was sie überhaupt tun sollen? Oder dass es andere Gründe außer „Sturheit“ geben kann, weshalb ein Hund nicht sofort unsere Gedanken lesen kann?

 

7. Muss man dann immer mit Leckerlis belohnen? 
Nein, aber man kann, da fällt mir auch kein Zacken aus der Krone. Warum auch nicht, wenn mein Hund daran eine Freude hat, habe auch ich eine Freude damit (meine Hunde sind im Übrigen schlank und pumperlgesund). Aber es gibt auch genügend andere Möglichkeiten, einen Hund zu belohnen oder ihn glücklich zu machen.
Merkwürdig erscheint mir überhaupt, dass die Frage recht häufig ist: „Wann kann man aufhören mit den Belohnungen?“ Wieso sollte ich aufhören, meinem Hund Anerkennung, Zufriedenheit und Glück zu bescheren? Neben der Tatsache, dass es für unsere harmonische Beziehung förderlich ist?
Interessanterweise stellt kaum jemand die Frage: „Wann kann ich mit bestrafen/korrigieren aufhören?“… Weshalb? Weil die Begründung ja so „logisch“ ist: Der Hund möchte halt noch immer die WeltHERRschaft an sich reißen. Welch veraltetes Halb-Wissen (abseits der Macho-Allüren übertragen auf unschuldige Hunde; allein deshalb schon abzulehnen!).
Die Theorie der starren Rangordnung, bei der der „Dominante“ immer aufpassen muss, dass er nicht vom „Subdominanten“ überfallen und gestürzt wird, stützt sich auf Konfrontationen, die bei Wölfen in Gefangenschaft beobachtet wurden. Was sagt uns das über Hunde? Gar nichts, da Hunde längst keine Wölfe mehr sind. Und selbst die Schlussfolgerung Wölfen gegenüber ist inkorrekt, denn eine natürliche Wolfsfamilie hat mit einem willkürlich zusammengewürfelten Haufen an Wolfindividuen auf zu engem Raum nichts zu tun.

Fazit: Alles, was Hunde gerne tun/mögen, kann als Belohnung angeboten werden: Schnüffeln, Spuren suchen, spielen, laufen, Aufmerksamkeit, … und natürlich auch Essbares.
Daher individuell auf die Bedürfnisse und Vorlieben des jeweiligen Hundes eingehen statt vermeintliche Pauschallösungen aufzwingen!
Vermenschlichung bedeutet für mich, Hunde und deren Gefühlswelt ernst zu nehmen. Denn wir Menschen sind verantwortlich dafür, ob es unseren Hunden gut oder schlecht geht. Hunde haben keine Wahl und lieben zumeist ihre Menschen – bedingungslos. Diese bedingungslose Liebe verpflichtet uns als vernunftbegabte und empathiefähige Menschen, dafür zu sorgen, dass es unseren Hunden gut geht und sie glücklich sind!