Schlagwort-Archiv: Motivation

Rottweiler Marlo aus Ungarn. Wie ein Welpe…

… erkundet er die Welt und es ist eine Freude, ihm dabei zuzusehen. 🙂

Marlo lebte in seinem kurzen Leben nahezu ausschließlich in kleinen Zwingern, teilweise auf 4m², das letzte Jahr auf 6m².
Marlo galt als aggressiv, im Schutzhundesport erfahrene Trainer wagten nicht, mit ihm zu arbeiten. Als er zum ersten Mal wieder ins Freie durfte, musste er buchstäblich gehen lernen (er robbte fast am Bauch), weil er mit dem Untergrund und allen Umwelteinflüssen überfordert war.

Marlo zeigt ausgeprägtes Interesse an seiner Umwelt und findet den Tunnel zum Durchlaufen toll.

 

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Er lernt, gemeinsam interessante Dinge zu finden und zu kooperieren:

 

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Apportieren:

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Beißkorbtraining fast abgeschlossen:

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Berührung an Kopf oder Hals ist kein Problem mehr für Marlo, also kommt mal der Rücken dran:

 

 

Marlo gibt die Pfote:

 

Marlo ist einfach freundlich:

Jetzt wird es Zeit, für diesen tollen Hund auch ein richtiges Zuhause zu finden.
InteressentInnen, nur her mit euch! Bitte an: u.aigner@gmail.com 

Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher „praktisch nichts“ kennengelernt hat.

 

Aber auch eine Patenschaft wäre sehr wünschenswert: Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe. Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und die Unterbringung in Österreich kostet – genauso wie in Ungarn – Geld. Daher sind finanzielle UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

 

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien   
AT16 5300 0032 5502 1086   
HYPNATWW   
Kennwort Marlo 

 

DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZER_INNEN!

… to be continued …

„Aber der hat keine Angst“ – das notwendige Erstgespräch

Oft ist der Grund für HundebesitzerInnen, mich zu kontaktieren, (beginnendes Angst-) Aggressionsverhalten. Manche sind überrascht, unter Umständen nicht gleich mit dem Training beginnen zu können oder gar, dass ich ihnen den Hund nicht ‚abrichte‘, sondern vorerst ’nur‘ einen Termin für ein Erstgespräch bekommen. Dabei wird hier oft die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg gelegt, denn es gilt, so einige veraltete Mythen (Dominanz und Rangordnung) aufzuklären.

 

Im Fall von Angstaggression erkläre ich unter anderem Folgendes:
  • Sozialisation: Hund bekommt Angst (und Stress) in – aus menschlicher Sicht – Normalsituationen, weil er zu wenig oder negativen ‚Input‘ in dieser wichtigen Lebenssphase bekommen hat
  • Lernerfahrungen: Funktion von Aggressionsverhalten (‚Bleib weg‘, ‚Geh weg‘, ‚Lass mich in Ruhe‘) wird erreicht, Deeskalation davor/in der Vergangenheit erfolglos
 
Hier gibt es bereits einige Posts von mir über Aggressionsverhalten nachzulesen:
 
Manchmal passiert es, dass ich beim Erklären der Eskalationsstufen von Aggressionsverhalten unterbrochen werde:
„Mein Hund hat keine Angst, ist nicht unsicher. Er ist dominant, hat ja auch den Schwanz aufgestellt.“
Tja, das kann so aussehen, wenn der Hund schon Übung darin hat, sich durch Aggressionsverhalten Erleichterung zu verschaffen:
Er ist sicher in dem, was er tut. Sein Verhalten bringt schließlich den erwünschten Erfolg: Der ‚Mann mit Hut‘ beispielsweise, der vom Hund im Vorbeigehen bellend und kurrend angesprungen wird, entfernt sich schleunigst.
 
Die Verstärkung dieses Verhaltens beruht also eben nicht darauf, dass der Hund sich einen Vorteil ‚erhofft‘ – er möchte weder alle Menschen dominieren, noch die Person am anderen Ende der Leine ‚in der Rangordnung in Frage stellen‘.
Er will sich schlicht und einfach nicht mehr so unwohl fühlen oder fürchten müssen. Und da vorangegangene Versuche der Deeskalation seitens des Hundes nicht funktioniert haben, muss er notgedrungen seine Strategie ändern – und erklimmt die Stufen nach oben.Der Hund macht die – wahrlich einprägende – Erfahrung, sich durch Aggressionsverhalten zuverlässig ‚retten‘ zu können, was weiterführend bewirkt, dass körpersprachliche Anzeichen von Angst tendenziell mehr und mehr verschwinden: Der Hund weiß ja, dass Aggression funktioniert – mit jeder einzelnen Erfahrung wird er sicherer.
Und das in Riesenschritten: Etwas Unangenehmes oder Bedrohliches vermeiden oder vertreiben zu können, ist evolutionsbiologisch äußerst wichtig – unter Umständen überlebenswichtig.
 
Auf diesem Foto sieht man sieht deutlich die Unsicherheit in der Körpersprache eines Hundes im Tierheim. Hier beweist ihm eine Praktikantin, dass es keinen Grund zur Sorge gibt, sie bringt ihm gute Leckerlis und überfordert ihn nicht. Er lernt, dass Menschen am Gitter eigentlich nett sind. Würde ihn die Person vor dem Gitter anstarren, also aus seiner Sicht bedrohen, wäre er vermutlich bellend und knurrend an die Tür gesprungen. Geht die Person dann, lernt der Hund, wie er sich Menschen ‚vom Hals halten‘ kann.Es ist wichtig, dass HundebesitzerInnen wirklich verstehen, weshalb ein Hund sich unerwünscht verhält. Dies zu erklären braucht Zeit, die aber notwendig ist: Jemand, der insgeheim denkt, der Hund sei dominant, wird ein gewaltfreies, auf positiver Verstärkung aufbauendes Training im ungünstigsten Fall abbrechen und zu ‚logischeren‘ (und einfacheren, aber gefährlichen und tierschutzrelevanten) TV-Methoden wechseln.
Dabei sollte das Motto doch lauten: Trainieren statt dominieren! Gut erklärt, ist halb trainiert… 🙂

FunTrail – neuer Kursstart „for beginners“

Während die ersten AbsolventInnen den „for beginners„-Kurs bald abgeschlossen haben werden, stehen die nächsten schon in den Startlöchern für Ende Oktober/Anfang November.


Beim ersten FunTrail seines Lebens ist Mack voll bei der Sache 🙂

Und JAAA, es gibt noch freie Plätze!!!
Also schnell anmelden!
Und zwar ausschließlich per Mail an info@canis-sapiens.at!

Und unser Motto lautet nach wie vor: DER WEG IST DAS ZIEL! 

Noch ein kleiner Zusatz, denn FunTrail ist keineswegs ausschließlich „zum Spaß“:

FunTrail kann sowohl eine hundegerechte Freizeitbeschäftigung sein, als auch eine Unterstützung in der Verhaltenstherapie: 
Das positive Erlebnis für einen unsicheren oder ängstlichen Hund, der Spur eines (vielleicht fremden) Menschen zu folgen und dafür belohnt zu werden, kann kaum übertroffen werden (sorgfältiges Trainingsmanagement und -Planung vorausgesetzt!). 

Mein „untoter“ Hund und sein „Gehirntumor“

Seit März 2012 lebt Rotti-Schäfer-Mix Heinzi (um keine Verwirrung zu stiften: Heinzi = Hannes = Hans Black = Blacky) in unserer „wilden WG“. Heinzi hat deshalb auch den Beinamen „Untoter“, weil er Anfang 2011 hätte getötet werden sollen, und zwar in einem Tierheim. Begründung: Gehirntumor, weil der Hund unberechenbar sei und auch schwer gebissen hat. Zumindest sei er einfach bösartig. 

 

[Genaueres zu Heinzis „Abrichtevergangenheit“, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist und seinen Entwicklungen findet Ihr hier:
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/04/besuch-bei-tierarztin-uber.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2013/03/hannes-lebt-seit-einem-jahr-bei-uns.html]

 

Heinzi (und seinem Gehirntumor 🙂 ) geht es inzwischen sehr gut. Die vermeintliche Unberechenbarkeit, die sich laut TierheimmitarbeiterInnen unter anderem dadurch gezeigt haben soll, dass Heinzi sich auf den Rücken wirft, dann aber auf Streicheln mit Aufspringen und Knurren reagiert, soll also deutliches Zeichen eines Gehirntumors sein. Der Amtstierarzt war sich seiner Sache sehr sicher, denn er wollte Heinzis Lebensrettung mit allen Mitteln verhindern.

Äääähhhhm, tja, was soll ich da als Hundetrainerin sagen???
Vielleicht war dieses auf den Rücken werfen keine Einladung zum Streicheln, sondern submissives Verhalten?
Vielleicht wollte er sogar wirklich gestreichelt werden, die Grenze, wann es ihm genug an Nähe ist, wurde aber nicht (an-)erkannt. 

 

Ich kann mir durchaus beides vorstellen.
Einerseits wurde mir erzählt, wie sich Heinzi noch im Tierheim lebend beim Heben einer Hand demütig auf den Rücken fallen ließ.
Andererseits ist Heinzi ein absolut liebenswerter Schmuser, der sich dadurch aber in Situationen bringt, die ihm dann doch unheimlich oder zuviel sein können – je nachdem, wie gut er die Menschen kennt bzw. wie gut die Menschen auf sein Ausdrucksverhalten achten (bzw. es überhaupt lesen können).

 

3-4 Mal seit Heinzi bei mir lebt, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie er sich von einer ihm bekannten Person streicheln lässt, dann aber plötzlich aufspringt und knurrt. Er ließ sich immer durch ein nettes „Heinzi, komm da her“ von mir abrufen und zeigte im Anschluss kein problematisches Verhalten. In jedem Fall lehnte sich die Person entweder leicht über ihn, blickte ihm in die Augen oder reagierte auf Heinzis Beschwichtigungsverhalten (Nase lecken, Schlucken) nicht adäquat – nämlich mit Streicheln aufhören! Ich lasse Heinzi selbstverständlich an sich von niemandem einfach so streicheln]

 

Wenn Heinzi heute von geliebten Menschen gestreichelt wird, sieht er so aus: 🙂

Flathead Heinzi hat keinen Grund zu beschwichtigen, denn er hat gelernt, manchen Menschen auch zu vertrauen.

„Ich bin sooooo lieb“, sagt Heinzi vertrauensvoll. Denn er kann sich darauf verlassen, dass er nicht mit Nähe überfordert wird.

Aber das Zusammenleben mit Heinzi ist anders, als mit einem „normalen“ Hund (gibt es so einen?).
Leider hat er in seiner dunklen Vergangenheit vor allem in Konflikt- oder Stresssituationen gelernt, dass ihm Aggressionsverhalten eine Erleichterung bringt. Danke an alle Rangordnungs- und DominanzfanatikerInnen, die auf absoluten Gehorsam und Hunde abrichten stehen:

 

Ihr habt Heinzi zu dem gemacht, was er heute ist: Ein schnell gestresstes Nervenbündel, in dessen Kopf Aggressionsverhalten überrepräsentiert ist.

 

Aber auch das ist bereits kein Vergleich mehr zur Anfangszeit bei mir (subjektiv ist frau ja immer kritischer, objektive Aufzeichnungen belegen die Fortschritte). Heinzi ist auch beim Besuch fremder Menschen lenkbar [selbstverständlich mit Sicherheitsmaßnahmen], ist schon U-Bahn gefahren und kommt überhaupt mit seinem Leben viel besser klar.

 

UND: Heinzi ist einer der besten Lehrmeister, den sich eine Hundetrainerin wünschen kann. 🙂

Reaktive Hunde – Erfolge durch belohnungsbasiertes und bedürfnisorientiertes Training

Nomen est omen: reaktive Hunde heißen nicht ohne Grund so… Sie reagieren auf mehr oder weniger viele Umweltreize mit Aggressionsverhalten. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben: Schlechte Erfahrungen, aversive Trainingsmethoden, Überforderung, Krankheiten… Ich möchte mich hier hauptsächlich auf mangelhafte Sozialisation beziehen (über den Einfluss aversiver Trainingsmethoden auf das hundliche Verhalten habe ich bereits einige Blogeinträge verfasst). 

Oft leben reaktive Hunde in Situationen, auf die sie in ihrer Kindheit nicht vorbereitet wurden. Am Land aufgewachsen mit wenig Menschenkontakt ist es nicht verwunderlich, dass ein Leben als erwachsener Hund in der Großstadt mehr als stressig ist. Mangelhafte Sozialisation (Gewöhnung an belebte Umwelt) und Habituation (Gewöhnung an unbelebte Umwelt) sind dafür verantwortlich, dass die Hunde auf unbekannte Reize ängstlich reagieren. Aus dieser Angst heraus entwickelt sich sehr schnell ein Teufelskreis – in Richtung Selbstverteidigung, sprich Aggressionsverhalten.

In den ersten Wochen in der städtischen Umgebung sind die Hunde oft noch so überwältigt und eingeschüchtert von den vielen Eindrücken, dass sie „keine Reaktion“ (aus Sicht der BesitzerInnen, also kein Bellen, Knurren, in die Leine springen, Zähne zeigen, Schnappen,…) zeigen und vermeintlich „sooo brav“ sind.

Das ist jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm. Sind Umstellung und erster Schock mal verarbeitet, machen viele Hunde die Erfahrung, dass sie sich selbst durch Aggressionsverhalten Erleichterung verschaffen können:
Denn die Funktion von Aggressionsverhalten ist eine Distanzvergrößerung zum Auslöser: Fremde Menschen weichen aus, andere Hunde ziehen sich zurück oder werden an der Leine schnell weggezogen, wenn sich der eigene Hund knurrend in die Leine wirft.
Aber auch in Situationen, in denen Menschen, Hunde, Autos … (oder worauf auch immer der Hund reaktiv reagiert) sowieso vorbeigehen, wie beispielsweise am Gartenzaun, wird der funktionale Verstärker bedient: die auslösenden Reize verschwinden, wenn der Hund sich aufregt.
Zu allem Unglück reagieren die meisten BesitzerInnen – verständlicherweise – intuitiv falsch; sie werden hektisch, ziehen an der Leine, schimpfen, … und alles wird immer schlimmer. Der öffentlich soziale Druck ist groß, wer möchte schon einen „aggressiven und gefährlichen“ Hund haben bzw. von Fremden darauf aufmerksam gemacht werden???

Das Training von reaktiven Hunden kommt völlig ohne Leinenruck, Geschrei, Alpha-Würfe oder sonstige (Nieren-)Sticheleien (jaaa… ich meine Cesar Millan’s Kicks!) aus. Die Hunde sollen schließlich lernen, mit den Angstauslösern gut leben zu können und Vertrauen in ihre Menschen gewinnen. Problematisches Verhalten durch Strafe kaschieren bzw. unterdrücken sieht nur im ersten Moment (für Laien) „gut“ aus, der Hund fühlt sich noch immer völlig überfordert (durch die Bestrafung noch schlimmer) und traut sich nur nicht mehr, seine Gefühle zu zeigen.

Durch positive Verstärkung (Clicker- bzw. Markertraining), Stressreduktionsmaßnahmen und Management hat der Malinois-Mischling Apollo gelernt, dass er nicht mehr *Alles* anschreien, anbellen oder anspringen muss, das sich im Freien bewegt. Inzwischen sind wir schon so weit im Training, dass ein „normaler“ Trainingsspaziergang „wenig hergibt“ und wir bereits Cafe-Besuche machen können mit einem entspannten Apollo.

Im Bauhaus ist alles unaufregend…

Zwischendurch mal Belohnen für den braven Bub!

Während Frauerl auf der einen Seite sucht, hat Apollo was Interessantes in der Nase…

Beißkorbtraining musss auch sein… 🙂 Aber alles positiv!

Cafe-Haus-Liegen ist laaangweilig…

Zum Glück ist Apollo kamerageil und freut sich, ein so großer Star zu sein.

Wenns mal wieder länger dauert… 

Frauchen ist doch die Beste!!!

Die Golden Retriever-Hündin Fee ist noch am Anfang des Trainings. Sie lebte lange Jahre am Land und ist erst seit ein paar Monaten in der Großstadt Wien. Vorbeigehende Hunde und vor allem Menschen springt sie mit enormer Kraft an und regt sich sehr auf. Ja, genau, es hängt eben nicht von der Rasse ab, ob ein Hund unerwünschtes Aggressionsverhalten zeigt.
Auch Fee hat inzwischen schon große Fortschritte gemacht, sie lernt, den Entscheidungen ihres Frauchens zu vertrauen und die Umwelt nicht mehr so furchtbar zu finden. Und ihr Frauchen weiß endlich, wie sie Fee am Besten unterstützen und helfen kann. 🙂

Fee lernt, sich an ihrem Frauchen zu orientieren…

… anstatt alles selbst in die Pfote zu nehmen.

„Ich sehe fremde Menschen!“

„Mami sagt, das ist OK…“

Fee und ihre Menschin machen angenehme Erfahrungen.

Trainieren statt dominieren!!!

Unterstützerin bei „Trainieren statt dominieren – Gegen Gewalt in der Hundeerziehung“

Als mitglied der „pet professional guild“ und dem „kollegenkreis gewaltfreies hundetraining“ stehe ich ohnehin für gewaltfreiheit und positive verstärkung.

und seit heute bin ich unterstützerin von „trainieren statt dominieren – gegen gewalt in der hundeerziehung“… eine tolle initiative!

Die Hundebox sinnvoll und hundegerecht verwenden

 ich hab ja ein „dynamisches trio“… 🙂

eine, die herdi-mäßig territorial reaktiv handelt,
einen, der schon schwer gebissen hat (aus tierheim, dort „abgerichtet“ und fast getötet worden) und „kein blatt vor den mund nimmt“,
und einen, der zwar grundsätzlich alles liebt, was lebt, aber mit seinem fröhlichen gewusle eher mehr aufregung reinbringt als gelassenheit fördert.

daher ist naturgemäß besuch empfangen kein zuckerschlecken… oder doch? 🙂

ich habe mich dagegen entschieden, hannes bei besuch den beißkorb anzuziehen. obwohl der beißkorb immer was positives ankündigt (spaziergang, futter,…) und er auch zu sabbern beginnt, sobald er den beißkorb sieht (pavlov sei dank :-)), hasst er ihn noch immer abgrundtief.

ein ordentliches boxentraining war mir – und hannes – bedeutend sympathischer.

also lernten die hunde auf signal „rein“ in die box (hannes) bzw. in ihren korb (baghira und nemo) zu gehen. dort gibts dann immer was leckeres zum kauen.

als auf mein „rein“ die hunde freudigst auf ihre plätze gelaufen sind – das checken die supertopcheckerdoggers gaaanz schnell – , hab ich begonnen, das auch beim (besser vor :-)) empfang von besucherInnen einzuführen.

mit großem erfolg:
wenn die menschen meine wohnung betreten sind die hunde noch glücklichst damit beschäftigt, ihr kauli zu zerteilen und zu essen. das nimmt die aufregung (kauen beruhigt wie daumenlutschen) und macht alles zu einem angenehmen ereignis (pavlov is always on your shoulder ;-)).

bei bekannten (und geliebten) menschen ist danach sowieso alles paletti und die box von hannes wird geöffnet, baghira und nemo freuen sich.

bei bekannten, aber nicht so „bevorzugten“, menschen kann hannes an einer kurzen schleppleine (zur sicherheit) aus der box, alle hunde bekommen für besuch anschauen kekse. auch das führt innerhalb kürzester zeit – wenn nicht sofort – zu relaxten hunden.

bei unbekannten menschen bleibt hannes zuerst noch in der box und alle 3 bekommen für blick zu besucherInnen click & leckerli. da ists dann schnell vorbei mit der aufregung (die ohnehin von mal zu mal weniger wird) und hänschen kann wieder an der schleppleine raus.

[ganz allgemein instruiere ich besuchspersonen natürlich im vorhinein, belohne wünschenswertes verhalten der hunde und manage, wenns notwendig sein sollte!]

die box ist immer offen… hannes legt sich oft einfach so hinein. für ihn bedeutet die box, dass etwas angenehmes bis entspannendes passiert. niemals wird er bestraft durch „einsperren“ – was er sich ohnehin nicht lange gefallen lassen würde, genau das eingesperrt werden war im tierheim das größte problem mit ihm.

auch nemo findet die box sehr einladend, und macht schon mal ein nickerchen drinnen. kein problem für hannes, er schläft inzwischen auf der couch. 🙂

Aggression und „Red Zone“-Hunde

Hunde, die Aggressionsverhalten gegenüber Menschen oder anderen Hunden (generell Lebewesen) zeigen, machen uns Angst. Im Gegensatz zu manch anderen – für Menschen problematischen – Verhaltensweisen ist hier unmittelbarer Handlungsbedarf.

Darüber herrscht soweit mal Einigkeit; was man von den „Behandlungsmethoden“ nicht gerade sagen kann: von – in Österreich illegalen – Trainingsutensilien wie Teletakt und Stachelhalsband über Leinenruck und anderen gegen das Österreichische Tierschutzgesetz verstoßende Korrekturen bis hin zum gewaltfreien Training mit Leckerlis und co ist alles vertreten.

 

Inzwischen gibt es genügend Erkenntnisse über das Ausdrucks- und Lernverhalten, hundliche Bedürfnisse und Sozialverhalten, die beweisen, dass ein Training von Hunden, das auf Korrekturen und Bestrafung aufbaut, einen Hund weder „sicher“ macht noch tierschutzgerecht ist. Einige Argumente habe ich bereits in vergangenen Posts thematisiert (selbstverständlich kein Anspruch auf Vollständigkeit!):

 

Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist

Besuch bei Tierärztin – über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und Hansi, dem Untoten

Training mit dominanter und aggressiver Super Susi

Die Vorurteile gegenüber dem gewaltfreien und belohnungsbasierten Training von Hunden

 

Trotzdem erscheint es jedoch für viele Menschen logisch, einen Hund insbesondere für aggressives Verhalten zu bestrafen oder zu korrigieren, ihm deutlich zu zeigen, dass sein Verhalten unangemessen ist. Veraltete und überholte Rangordnungs- und Dominanztheorien untermauern dieses Vorgehen.

 

Medial, vor allem im Fernsehen, sind Beiträge beliebt, die sich mit der „Behandlung“ von Aggressionsverhalten befassen. Teilweise spektakuläre Maßnahmen, wie den Hund auf den Boden drücken bis er aufgibt, und weniger auffällige Korrekturen wie Leinenrucke, Tritte oder anderweitige Androhungen unangenehmer Konsequenzen erreichen viele ZuseherInnen. Und zum Leidtragen der Hunde (und der Sicherheit!) gibt es inzwischen auch viele NachahmerInnen. Der amerikanische Hundeflüsterer Cesar Millan ist der wohl bekannteste Anwender dieser tierquälerischen Methoden.

 

Hier ein vor kurzem erschienenes Interview einer Österreichischen Zeitung über die Gefahren und Tierschutzrelevanz von Cesar Millan und co:

 

 

 

Gerade Aggressionsverhalten erfordert also keine aversiven Trainingsmethoden (auch keine psychischen Bedrohungen „Wehe wenn du das tust“, „Nein“, Zischlaute aller Art), sondern Management (auslösende Situationen verhindern oder sinnvolle „Schadensbegrenzung“) und gezieltes Training durch positive Verstärkung (abseits der Abklärung möglicher gesundheitlicher Ursachen, Stressreduktion, klare Strukturen, Veränderungen im Tagesablauf, etc). Weder psychische noch physische Gewalt führt zu Hunden, die für ihre Umwelt keine Gefahr (mehr) darstellen.

 

Doch was ist mit diesen „Red Zone“-Hunden, die Cesar Millan meist innerhalb „kurzer Zeit rehabilitiert“? Die sind doch „wirklich aggressiv“ und „absolut gefährlich“, Ausnahmehunde in Punkto Aggressivität, die eine Trainerin wie ich und viele meiner KollegInnen noch nie live gesehen haben. Cesar rettet Hunde vor dem Einschläfern – ein Held?

Nein. Auch andere HundetrainerInnen retten Hunden das Leben, arbeiten aber gewaltfrei und belohnungsbasiert, mich eingeschlossen. Zahlreiche ExpertInnen warnen außerdem vor dem Training mittels Strafe und Korrekturen.
Ein weiterer Fehler in dieser Herangehensweise besteht vor allem auch darin, dass das Aggressionsverhalten überhaupt ausgelöst wird, um es dann bestenfalls zu unterdrücken. Eine sinnvolle, tierschutzkonforme und sichere Verhaltensänderung findet hier nicht statt. Fast jeder Hund kann zu einem „Red Zone“-Hund werden, wenn er für sein Ausdrucksverhalten bestraft und/oder massiv körperlich „bedrängt“ wird (ein Tritt in die Flanken ist übrigens kein Aufmerksamkeitssignal wie ein menschliches auf die Schultern tippen, was auch niemals Aggressionsverhalten unterbrechen könnte!).

 

Gutes Training von Aggressionsproblemen behandelt die Ursachen: die Assoziationen der Hunde werden positiv verändert und der Hund lernt eine adäquate Verhaltensalternative. Das sieht dann wenig spektakulär aus. Auch bei „Red Zone“-Hunden.

Gerade heute hatte ich einen Hund im Training, den „sogar“ Cesar Millan als „Red Zone“-Hund bezeichnen würde: Dämon (er wird Dämi gerufen), ein kastrierter Pitbull-Rüde, hat andere Hunde bereits mehrfach gebissen und einen sogar getötet (auch VertreterInnen anderer Rassen, die eine ähnliche Geschichte haben, sind bei mir im Training). Menschen gegenüber ist Dämon sehr freundlich, obwohl er bestimmt in der Vergangenheit vom Vorbesitzer körperlich bestraft wurde. Sein jetziger Besitzer erzählte mir im Erstgespräch, dass Dämon lange Zeit bei schnellen Bewegungen zusammenzuckte.
Der Hund hat Glück, sein Mensch ist ein Naturtalent. Nach nur zwei Theorieeinheiten (auch für den NÖ-Sachkundenachweis) inkl. Videobeispielen konnten wir die erste Praxisstunde erfolgreich abschließen: mittels positiver Verstärkung (hier mit Clicker) verändern sich Dämons Assoziationen anderen Hunden gegenüber und er lernt ein adäquates Alternativverhalten. Ausschlaggebend für den Erfolg war, dass wir Dämon nie in die Situation führten, die Aggressionsverhalten auslöst.
Die Prognose ist gut und ich bin zuversichtlich, dass wir die Distanz zu anderen Hunden bald verringern können, denn der Besitzer trainiert auch im Alltag ganz bewusst mit dem Hund, hat viel Einfühlungsvermögen und Empathie. Ziel ist es, dass man Dämon sicher an anderen Hunden in angemessenem Abstand vorbeiführen kann und dass er generell ansprechbar und damit kontrollierbar bleibt. Dämon trägt ein Brustgeschirr (an dem auch die Leine befestigt ist), wird „mit Leckerlis belohnt“ und ist mit Beißkorb gesichert.

Die 2. Praxiseinheit und es klappt schon wunderbar:

 

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=tRCXeYy2JzQ[/embedyt]

(Im Training von Hund-Hund-Aggression ist mir übrigens auch wichtig, dass der hundliche Trainingspartner, in dem Fall „mein“ Nemo, auch Spass daran hat – an der Leine gehen kann und soll ja auch lustig sein.)