Schlagwort-Archiv: Euthanasie

Spider hat ein neues Zuhause!

Um den Jahreswechsel 2010/2011 hätte der Schäfer-Malamute-Mischling Spider euthanasiert werden sollen, er wurde als gefährlich eingestuft. Im Rahmen meiner damaligen Arbeit im Tierschutz (Vier Pfoten) gelang seine Rettung.

Seit dem lebte er in der Pfotenhilfe in Lochen/OÖ. 

Heute durfte ich erfahren, dass Spider seine Menschen gefunden hat und bereits in sein Zuhause eingezogen ist 🙂 *mademyday* Ich freue mich so für ihn!

Und ich hoffe, dass Rottweiler Marlo nicht so lange warten muss und auch bald seine Menschen kennenlernt. 

Marlo und die Tierklinik

Anfang dieser Woche war es soweit: Marlo, der Rotti aus Ungarn, wurde zu einer Tierklinik gebracht, um ihm Blut abzunehmen, seinen Bewegungsapparat durchzuchecken und ihn zu kastrieren. 

 


Alles hat wie am Schnürchen geklappt, von der kompetenten Unterstützung der Pflegerin, bis hin zu einen sich sehr sehr lieben und braven Marlo, im Auto und auch beim Spritze geben. Tierarzt-Training sei dank…

Der Beitrag „Rottweiler Marlo – ungewisse Zukunft“ hat sich zum Glück inzwischen grundlegend verändert. Marlo entwickelt sich prächtig, er erscheint oft wie ein Welpe/Junghund, der die Umwelt entdeckt.

Die Ergebnisse:

Kastration ohne Zwischenfälle. 
Blutbild: alles OK.
Röntgen: Hüfte OK, Ellenbogen, Schultergelenk leichte Arthrose… und Spondylosen im Brust- sowie auch Lendenwirbelbereich.


Jetzt schauen wir mal, was wir da unterstützend für ihn tun können. 
Denn eines ist nahezu sicher: das Attribut „gefährlich aggressiv“ hat er auch deshalb bekommen, weil er einfach Schmerzen hatte, die wahrscheinlich durch einen harten Umgang verschlimmert wurden: ein Leinenruck während eines Schmerzschubes „tut weh zur Potenz“!

Aber jetzt wird es aber wirklich Zeit:

Dieser tolle Hund soll bald sein richtiges Zuhause kennenlernen:
InteressentInnen, nur her mit euch! 🙂 u.aigner(ät)gmail.com

Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher „praktisch nichts“ kennengelernt hat.

Aber auch eine Patenschaft wäre sehr wünschenswert: Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe.
Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und Unterbringung und vor allem akut die Tierklinik kosten Geld.

Daher sind UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZER_INNEN!

Ein Hundeleben lang isoliert

Sogenannte Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

 

 

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer „Fight or Flight“-Reaktion ist enorm hoch. 

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer „tollen Strategie“ – aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der „Nutz“-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden…

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

 

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.
(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun. Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

 

 

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.

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Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.

[evideo id=“qK6wvhew2D0″ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.

 

[evideo id=“TWaFH-sq7wY“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Voraussetzungen waren in seinem Fall:

  • positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
  • positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
  • positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
  • Verhalten „Kopf durch Schlaufe stecken“ positiv erlernt

 

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde „aufgegeben“ werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht „auszahlt“. Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

 

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt – unter Anleitung – stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon – der Hund sowieso.

 

Rottweiler Marlo lernt … Vertrauen

Der heutige Besuch bei Marlo, dem Rottweiler aus Ungarn, war wieder äußerst erfreulich. 🙂

Für alle Neu-EinsteigerInnen im Bericht über Marlos Leben, hier ist seine Geschichte nachzulesen

Es ging wieder ins Freie. 🙂


Auf dem Weg in den Auslauf entdeckt Marlo eine interessante Stelle.

 

Ruhiges Training: Marlo wartet auf die Beißkorbübung

Auch als ein anderer Hund am Zaun vorbeiging, ließ sich Marlo, kurzfristig wieder angeleint, sehr gut umlenken.
Es ist sehr schön mitzuerleben, wie dankbar Marlo die Hilfe annimmt.


Marlo lernt Vertrauen.

 

Marlo genießt sein neues Leben, bekommt auch in meiner Abwesenheit Auslauf und erlebt freundliche und nette menschliche Gesellschaft.

Marlo hat es sich verdient, bald jemanden kennenzulernen, der oder die ihm ein schönes und liebevolles Zuhause geben kann.

 

Da er so wenig kennengelernt hat, ist ein Haus (am Land) mit Garten Voraussetzung, keine (Klein-)Kinder. Ein Kennenlernen wäre ab sofort möglich, Marlo braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen.

Doch bis zu einer erfolgreichen Vermittlung wird noch Zeit vergehen und die Unterbringung in Österreich kostet – genauso wie in Ungarn – Geld.

Zudem stehen derzeit medizinische Untersuchungen an.

 

Daher sind finanzielle UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien   
AT16 5300 0032 5502 1086   
HYPNATWW   
Kennwort Marlo 

DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZERINNEN!

Mein „untoter“ Hund und sein „Gehirntumor“

Seit März 2012 lebt Rotti-Schäfer-Mix Heinzi (um keine Verwirrung zu stiften: Heinzi = Hannes = Hans Black = Blacky) in unserer „wilden WG“. Heinzi hat deshalb auch den Beinamen „Untoter“, weil er Anfang 2011 hätte getötet werden sollen, und zwar in einem Tierheim. Begründung: Gehirntumor, weil der Hund unberechenbar sei und auch schwer gebissen hat. Zumindest sei er einfach bösartig. 

 

[Genaueres zu Heinzis „Abrichtevergangenheit“, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist und seinen Entwicklungen findet Ihr hier:
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/04/besuch-bei-tierarztin-uber.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2013/03/hannes-lebt-seit-einem-jahr-bei-uns.html]

 

Heinzi (und seinem Gehirntumor 🙂 ) geht es inzwischen sehr gut. Die vermeintliche Unberechenbarkeit, die sich laut TierheimmitarbeiterInnen unter anderem dadurch gezeigt haben soll, dass Heinzi sich auf den Rücken wirft, dann aber auf Streicheln mit Aufspringen und Knurren reagiert, soll also deutliches Zeichen eines Gehirntumors sein. Der Amtstierarzt war sich seiner Sache sehr sicher, denn er wollte Heinzis Lebensrettung mit allen Mitteln verhindern.

Äääähhhhm, tja, was soll ich da als Hundetrainerin sagen???
Vielleicht war dieses auf den Rücken werfen keine Einladung zum Streicheln, sondern submissives Verhalten?
Vielleicht wollte er sogar wirklich gestreichelt werden, die Grenze, wann es ihm genug an Nähe ist, wurde aber nicht (an-)erkannt. 

 

Ich kann mir durchaus beides vorstellen.
Einerseits wurde mir erzählt, wie sich Heinzi noch im Tierheim lebend beim Heben einer Hand demütig auf den Rücken fallen ließ.
Andererseits ist Heinzi ein absolut liebenswerter Schmuser, der sich dadurch aber in Situationen bringt, die ihm dann doch unheimlich oder zuviel sein können – je nachdem, wie gut er die Menschen kennt bzw. wie gut die Menschen auf sein Ausdrucksverhalten achten (bzw. es überhaupt lesen können).

 

3-4 Mal seit Heinzi bei mir lebt, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie er sich von einer ihm bekannten Person streicheln lässt, dann aber plötzlich aufspringt und knurrt. Er ließ sich immer durch ein nettes „Heinzi, komm da her“ von mir abrufen und zeigte im Anschluss kein problematisches Verhalten. In jedem Fall lehnte sich die Person entweder leicht über ihn, blickte ihm in die Augen oder reagierte auf Heinzis Beschwichtigungsverhalten (Nase lecken, Schlucken) nicht adäquat – nämlich mit Streicheln aufhören! Ich lasse Heinzi selbstverständlich an sich von niemandem einfach so streicheln]

 

Wenn Heinzi heute von geliebten Menschen gestreichelt wird, sieht er so aus: 🙂

Flathead Heinzi hat keinen Grund zu beschwichtigen, denn er hat gelernt, manchen Menschen auch zu vertrauen.

„Ich bin sooooo lieb“, sagt Heinzi vertrauensvoll. Denn er kann sich darauf verlassen, dass er nicht mit Nähe überfordert wird.

Aber das Zusammenleben mit Heinzi ist anders, als mit einem „normalen“ Hund (gibt es so einen?).
Leider hat er in seiner dunklen Vergangenheit vor allem in Konflikt- oder Stresssituationen gelernt, dass ihm Aggressionsverhalten eine Erleichterung bringt. Danke an alle Rangordnungs- und DominanzfanatikerInnen, die auf absoluten Gehorsam und Hunde abrichten stehen:

 

Ihr habt Heinzi zu dem gemacht, was er heute ist: Ein schnell gestresstes Nervenbündel, in dessen Kopf Aggressionsverhalten überrepräsentiert ist.

 

Aber auch das ist bereits kein Vergleich mehr zur Anfangszeit bei mir (subjektiv ist frau ja immer kritischer, objektive Aufzeichnungen belegen die Fortschritte). Heinzi ist auch beim Besuch fremder Menschen lenkbar [selbstverständlich mit Sicherheitsmaßnahmen], ist schon U-Bahn gefahren und kommt überhaupt mit seinem Leben viel besser klar.

 

UND: Heinzi ist einer der besten Lehrmeister, den sich eine Hundetrainerin wünschen kann. 🙂