Schlagwort-Archiv: Aggressivität

Ein Hundeleben lang isoliert

Sogenannte Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

 

 

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer „Fight or Flight“-Reaktion ist enorm hoch. 

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer „tollen Strategie“ – aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der „Nutz“-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden…

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

 

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.
(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun. Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

 

 

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.

[evideo id=“uOeWa4184ug“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.

[evideo id=“qK6wvhew2D0″ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.

 

[evideo id=“TWaFH-sq7wY“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Voraussetzungen waren in seinem Fall:

  • positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
  • positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
  • positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
  • Verhalten „Kopf durch Schlaufe stecken“ positiv erlernt

 

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde „aufgegeben“ werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht „auszahlt“. Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

 

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt – unter Anleitung – stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon – der Hund sowieso.

 

Erster Spaziergang mit dem Rotti aus Ungarn

Einige Zeit ist vergangen, seitdem ich zum ersten Mal bei Macho, dem Rotti, war.Hier ist seine Geschichte nachzulesen:

Training „aggressiver Rottweiler“ – Hilferuf aus Ungarn

Fotoalbum 4. Besuch

Fotoalbum 5. Besuch

[Für weitere Infos bzgl. Training von gefährlichen Hunden:Aggression und Red Zone-HundeAggression? – Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist„Aber der hat keine Angst!“ – das notwendige Erstgespräch]Da der Name „nicht unbedingt“ passend ist, wurden mittels einer Umfrage auf meiner Facebook-Seite Canis sapiens – gewaltfreies Hundetraining nach geeigneteren Namen gesucht und diese dann an die verantwortlichen Personen zur Abstimmung weitergeleitet.

Hiermit darf ich das Ergebnis in Form eines Doppelnamens präsentieren:“Marlo-Pikachu„. Diverse Spitznamen werden folgen. 🙂 Marlo macht riesige Fortschritte, beim letzten Besuch (der 6. insgesamt Fotoalbum 6. Besuch) konnte er zum ersten Mal seit 10 Monaten (!!!) seinen Zwinger verlassen. Nicht mal ums Eck schauen konnte er monatelang!

 

 

 

 

Zuerst wagte er es fast nicht aus der Zwingertür und bewegte sich wie auf Nadeln. Er war völlig überwältigt und sehr schnell mit den Reizen überfordert. Hier ein kurzes Video vom ersten Spaziergang:

[evideo id=“-RML9EjTKTs“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

 

Gewaltfreies Training, basierend auf positiver Verstärkung anstatt Verunsichern, Unterwerfen oder Korrekturen/Maßregelungen, ist zwar unspektakulär und erscheint im ersten Moment als mäßig zielführend, dafür sind die Fortschritte mittelfristig unschlagbar und nachhaltig!Wir sind auf der Suche nach einem Fixplatz für Marlo. Da er so wenig kennengelernt hat, ist ein Haus (am Land) mit Garten Voraussetzung, keine (Klein-)Kinder. Ein Kennenlernen wäre ab sofort möglich, Marlo braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen.Verantwortungsvolle InteressentInnen melden sich bitte unter u.aigner@gmail.com. Er wird es mit ewiger Treue danken!

Training „aggressiver Rottweiler“ – Hilferuf aus Ungarn

Vor ein paar Wochen erreichte mich ein Anruf einer Tierschützerin. Sie hilft gemeinsam mit einer Tierschutzorganisation, Hunde aus Ungarn zu vermitteln bzw. vor der Tötungsstation zu retten.

Macho in seinem kleinen „Zuhause“ 
in der Tierpension.

„Seit einigen Monaten haben wir einen Rottweiler-Rüden in einer Tierpension untergebracht und niemand traut sich in den Zwinger. Sie wurden mir für die Resozialisation empfohlen.“, hörte ich die Dame am Telefon sagen. 

Nach einem langen Telefonat, bei dem ich meine Einstellung und Grundlagen im Umgang und Training erklärte, war klar: Alle 2 Wochen besuchen wir den „Problemhund“ und ich werde mit ihm arbeiten – häufiger geht sich beruflich nicht aus. Aber weniger ist ohnehin mehr – mal schauen, wie weit wir kommen werden.

Vorgeschichte des unkastrierten Rüden:
Macho – was für ein „genialer“ Name – lebte bei einem Mann, der spätestens ab Machos Pubertät mit ihm überfordert war. Macho musste bestimmt auch unangenehme Erfahrungen mit Menschen machen – als Konsequenz lernte er, dass Aggressionsverhalten funktioniert –> Menschen lassen ihn dann in Ruhe.
So kam es dazu, dass Macho nur noch in einem Zwinger eingesperrt war, der Besitzer kaum Zeit hatte, ein „Teufelskreis“…
Weil er so wenig Zeit für Macho hatte, entschied sich der Besitzer, ihm einen zweiten Rottweiler-Rüden „zum Spielen“ dazu zu kaufen. Tja, was soll mensch da sagen??? „Gut gemeint“ hilft halt auch nix. Denn anstatt zu spielen haben die beiden Hunde eher gekämpft. Was dazu geführt hat, dass beide nebeneinander eingesperrt in einem kleinen Zwinger ihr Dasein fristeten. Da der Besitzer immer mehr Angst vor Macho bekam, wurde entschieden, ihn abzugeben – zum Glück für Macho nicht in die Tötung, sondern in die Obhut der Tierschützer.

Macho lebt zwar unter sehr ungünstigen Umständen, aber er hat in seinem kleinen Zwinger eine Rückzugsmöglichkeit: Eine Hütte, deren Öffnung auf die Seite zeigt. Das bedeutet, dass Macho sich auch unangenehmen Blicken und Situationen entziehen kann – das gibt ihm sehr viel Sicherheit und vor allem Kontrolle. Ich bin mir sicher, diese Möglichkeit, auch weggehen zu können und nicht attackieren zu müssen, ist der Grund dafür, dass sich Macho gar nicht so aggressiv präsentiert.

Leckerli-Füttern und 
Clicker-Konditionieren.

Im Rahmen des ersten Besuchs konnte ich ihn bereits durch das Zwingergitter füttern (er nahm die Leckerlis unerwartet sanft!) und ihn auch in seine Hütte (auf ungarisch) schicken. Das hat er nämlich nach einiger Zeit gelernt, teilte mir der 
Tierpensionsleiter mit.
Letzterer hat seit 40 Jahren Hundeerfahrung (Schutzhunde“sport“) und O-Ton: „Ich hatte noch nie mit einem derart aggressiven Hund zu tun.“.
Anmerkung von mir: Er hatte noch nie mit Hunden zu tun, die sich nicht jede unfaire Bestrafung und brutale Behandlung gefallen lassen, sondern sich wehren.
Aber alles hat auch seinen Sinn: Der Tierpensionsleiter ist inzwischen auch schon dazu übergegangen, beruhigend auf Macho einzureden, während er ihm Leckerlis durch das Gitter steckt. 🙂

Auch beim zweiten Besuch hat Macho richtig toll mitgemacht.
Folgendes haben wir erfolgreich bewältigt:

Macho bestimmt selbst, 
wie weit wir gehen beim Training „Tür öffnen“.
  • Clicker ankonditionieren
  • Handtarget mit Nase folgen
  • Click für Blick zu mir
  • Tür öffnen, Macho in sein Haus schicken – Click & Belohnung
  • Tür öffnen – Click & Belohnung
  • Halsband und Leine zeigen – Click & Belohnung
  • Einfach „da sein“ und ihm zeigen, dass Nichts passiert, was er nicht will und wovor er Angst hat. 

Macho denkt: „Die ist offenbar keine 
Gefahr, da kann ich mich auch hinlegen.“

Letzteres ist besonders wichtig. Macho hat eindeutig große Angst davor, in eine bedrängende Situation zu kommen – seine Augen und seine Körpersprache zeigen 
das ganz deutlich. Hat er keine Möglichkeit auszuweichen und erkennt mensch seine Angst nicht, ist es klar, dass Macho in einen massiven Konflikt gebracht wird.

Bei mir braucht Macho jedoch keine Angst zu haben. Ich gehe nur soweit, wie es für ihn ok ist. 

Die Arbeit mit und um Macho wird von mir weiter dokumentiert und hier auf meinem Blog veröffentlicht. Demnächst kommt sicher schon das eine oder andere tolle Video von dem lieben Rotti-Buben!

Vielleicht findet sich ja jemand, der/die sich in Macho verliebt und bereit ist, ein bisschen mehr Arbeit „reinzustecken“… Macho wird es jedem/jeder danken!

Ich kann ihn leider nicht zu mir nehmen, mein Hundekontingent ist voll! 

InteressentInnen können sich bei mir gerne melden: info@canis-sapiens.at

Schermaschinen-Training mit Heinzi

Es ist sehr heiß – Baghira und Nemo springen schon in ihrer Kurzhaar-Sommerfrisur durch die Gegend.

Baghira und Nemo mit angenehmer Sommerfrisur
Bei Heinzi geht das nicht so einfach: Er hat ganz schlechte Erfahrungen mit festhalten und untersuchen, generell Nähe zu Menschen gemacht, wurde brutal abgerichtet… hat also gelernt, dass Menschen nicht sooo toll sind und hund sich diese Lebewesen lieber vom Leib hält. Diese Erfahrungen führten dazu, dass er schwer gebissen hat – und zwar nicht seine Peiniger (die ihn töten wollten), die haben sich ihn mit der Fangstange vom Leib gehalten; sondern jemand, der möglicherweise durch eine Bewegung zu nahe an seinem Körper sehr unangenehme und schmerzhafte Erinnerungen ausgelöst hatte.

Heinzi am Tag seiner Lebens-Rettung mit seiner vertrauten Spaziergängerin von damals.

Heinzis Sozialisation ging wohl auch zumindest ungenutzt vorüber. Andere Tiere findet er gerade zum Jagen geeignet… und so normale Dinge im Leben von Menschen wie Autos, LKWs, Jogger, Radfahrer, etc. regen ihn auch „eher“ negativ auf.

Vor allem Lärm, und da besonders metallische Geräusche, machen ihm zu schaffen: Dies wurde wohl durch Leinenruck (Karabiner-Lärm am Halsband) und Fangstange „antrainiert“…
Beim Konditionieren auf den Clicker musste ich daher besonders vorsichtig vorgehen: Nach dem (auch noch so abgedämpften) Geräusch hat er sich anfangs ganz hektisch umgedreht, wohl um zu sehen, wer ihm da demnächst weh tut…

Zum Glück ist das alles jetzt doch schon einige Zeit her und Heinzi lebt mit Baghira, Nemo, Leila und mir in einer wilden WG. An die Katze Leila hat er sich inzwischen bereits so gut gewöhnt, dass ein Kindergitter – außerhalb der „Ursi trainiert“-Zeit – genügt und er gelassen ruht, während Leila vor seiner Nase herumspaziert.

Auch das Leben in Wien ist längst nicht mehr so stressig für ihn: Autos, Jogger, Radfahrer und sogar die laute Müllabfuhr dürfen inzwischen bereits existieren – belohnunsorientiertes Training mittels Clicker und Markersignal sei dank.

Aber nun mehr zum eigentlichen Schermaschinen-Training:

Ich mache mit ihm ohnehin Medical-Training, da kennt er bereits, dass meine Hand beispielsweise an seinem Rücken die Haut aufhebt, angekündigt durch ein Signalwort – große Hilfe beim TierärztIn-Besuch…

Stufe 0: Meine Hand an seinem Rücken – Click & Belohnung

Seit 5 Einheiten (je 10-15 Min inkl Pausen) trainiere ich mit Heinzi, dass die Schermaschine kein Grund zum Durchdrehen ist…

Stufe 1: Präsentieren der Schermaschine – Click & Belohnung
Stufe 2: Schermaschine bewegt sich (auf ihn zu) – Click & Belohnung
Stufe 3: Schermaschine kurz einschalten, entfernt von Heinzi – Click & Belohnung
Stufe 4: Schermaschine  bewegt sich auf Heinzi zu und wird kurz eingeschalten – Click & Belohnung
Stufe 5: Schermaschine bewegt sich auf Heinzi zu, wird kurz eingeschalten und bewegt sich am Körper entlang, ohne ihn zu berühren – Click & Belohnung
Stufe 6: mit der Schermaschine kurz ein paar Haare schneiden – Click & Belohnung

Von dieser 6. Stufe gibt es ein Video, das zeigt, wie ruhig und vertrauensvoll Heinzi inzwischen bleibt, obwohl die Schermaschine direkt an seinem Ohr vorbeigeführt wird, er nicht sieht, was ich da genau mache, … kurz: er ist durchaus in einer Situation, die bei ihm Verteidigungsverhalten auslösen könnte. Den Beißkorb trägt er, damit dies dann bei der Tierärztin kein ungewohnter Parameter ist.

[evideo id=“1jXfxVnvxLM“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

Bald wird also auch Heinzi mit gekürzter Mähne umherziehen. Ein paar Haare am Hals und Rücken musste er aber heute auch schon lassen.

Hier noch zum Vergleich ein Video, das Heinzi und mich ein paar Tage nach seiner Rettung zeigt: Ich trainiere mit ihm fast zum ersten Mal in seinem Leben, dass ein Brustgeschirr nichts Böses ist. Seine Augen wurden zu dem Zeitpunkt schon ganz starr, seine Pupillen riesig, wenn mensch zum Halsband nur gegriffen hat.

[evideo id=“hKOi2Fm1TH4″ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

Und wieder einmal: Trainieren statt dominieren! Gerade bei ängstlichen – aggressiven Hunden!

Hilfe beim Schermaschinen-Training oder Medical-Training? Kontaktieren Sie uns!

🙂

Problemlösungen via TV – nicht empfehlenswert!

 Es gibt diverse TV-Shows, in denen problematische Verhaltensweisen von Hunden schnell „gelöst“ werden. Dies wird durch folgende strafbasierte Maßnahmen erreicht:

  • Zischen (das physische Bestrafung ankündigt)
  • Finger in den Hals rammen
  • in die Flankengegend treten
  • und/oder andere Grausamkeiten

 

Alle Bestrafungen erfolgen zumeist unter dem Deckmantel Rangordnung oder Dominanz und machen daher einen guten (weil kurzfristig „erfolgreichen“) und logischen („Hunde gehen untereinander auch nicht sanft um“) Eindruck. Die (Todes-)Angst der Hunde, deutlich erkennbar an Körpersprache und Ausdruck der Augen, will niemand mehr sehen –> kann ja nicht so schlimm sein.

(Mehr Infos: http://www.trainieren-statt-dominieren.de/artikel/der-hundefluesterer und http://dogsinthecity.at/blog/die-h%C3%A4ufigsten-tv-mythen-um-hundeerziehung )

„Gut“ sind diese Methoden jedoch keineswegs:

Sie widersprechen

  • dem Österreichischen Tierschutzgesetz:

§ 5 Verbot der Tierquälerei

(1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.

  •  und der Verordnung über die tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden:
Grundsätze der Hundeausbildung 
 
§ 2. (1) Die Ausbildung des Hundes muss tierschutzkonform erfolgen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass keine Maßnahmen zur Anwendung kommen, die gemäß § 5 TSchG vom Verbot der Tierquälerei erfasst sind.
(2) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf Wert zu legen, dass
  1. ein gutes Sozialverhalten der Hunde gegenüber Menschen und anderen Hunden und eine geeignete Gewöhnung an ihre Lebens- und Trainingsumgebung gefördert werden,
  2. die Ausbildung altersgemäß ist und den körperlichen Möglichkeiten und Lernvoraussetzungen des Hundes entspricht,
  3. auf rassespezifische Eigenschaften und individuelle Eigenschaften des Hundes angemessen eingegangen wird.

 

(3) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf zu achten, dass sie auf den Grundlagen der lerntheoretischen Erkenntnisse aufbaut und Methoden der positiven Motivation der Vorzug vor aversiven Methoden gegeben wird.

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/

Auch sind diese veralteten Methoden auf keinen Fall „logisch“ – schon gar nicht für den Hund:

  • Es gibt im Rudel keine heftigst verteidigte und ständig umkämpfte Rangordnung, sondern eine Familienstruktur!
  • Die Rudelführer sind Eltern und zeichnen sich durch große Toleranz, Freundlichkeit und Fürsorglichkeit gegenüber ihren Schützlingen aus. Ihr Hauptanliegen ist es, ihnen Schutz zu bieten und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht.
  • Ranghohe Tiere sind absolut souverän. Niemals gehen von ihnen unberechenbare Gewaltaktionen aus. Sie bedrohen keine Rudelmitglieder.
  • Nur im absoluten Ausnahmefall kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Wenn ein Wolf einen anderen angreift, geht es meist um Leben und Tod. Übrigens werden deshalb auch der so genannte “Alphawurf” oder das “Nackenschütteln” als Disziplinierungsmaßnahme in der Hundeerziehung vom Hund als ernsthafte Angriffe auf Leib und Leben, ja sogar Tötungsabsichten, interpretiert … mit dem Risiko entsprechender Gegenwehr – ganz abgesehen von dem Vertrauensverlust in den anscheinend unberechenbaren Menschen. Unterwerfungsgesten werden im alltäglichen Umgang mit einander immer freiwillig gezeigt und niemals erzwungen.
  • “Gehorsam” spielt in einem Wolfsrudel keine Rolle.

Quelle: http://www.spass-mit-hund.de/mehr-wissen/die-sache-mit-der-dominanz/wolfsrudel/

Derartige vermeintliche Pauschallösungen im TV großflächig zu streuen, mutiert immer mehr zu einem tierschutzrechtlichen Problem.

Im Rahmen der PetExpo 2014 in Wien fand ein Podiumsgespräch zum Thema „TV-Hundetraining-Shows im Lichte des Status quo in Österreich“ statt.

Dankenswerterweise ist die gesamte Diskussion als auch die Abschluss-Statements der Podiumsgäste (Karl Weißenbacher, Messerli-Institut, VetMedWien; Iris Schöberl, UniWien, Präsidentin VÖHT; Erik Schmid, Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz; Sunny Benett, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin und Bloggerin; Christine Arhant, Institut für Tierhaltung und Tierschutz, VetMedWien; Ursula Aigner, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin, BMG) auf YouTube zu finden.

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=ZC-pU_SdCSU[/embedyt]

 

Podiumsgespräch „TV-Hundetraining-Shows im Lichte des Status quo in Österreich“
[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=GyyFSZBWqok[/embedyt]
Abschluss-Statements „www.trainieren-statt-dominieren.de

Was diese „TV-Hunde-Gurus“ also großflächig ignorieren, ist grundlegendes Wissen über hundliches Verhalten. Hunde sind hochsoziale Säugetiere und keine Reiz-Reaktions-Maschinen, die mittels Pauschalmaßnahme XY zu „behandeln“ sind! Weitere Infos zu diesem Thema findet ihr hier: http://www.welt.de/print/wams/lifestyle/article109247711/Was-Hunde-wirklich-denken.html und http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html.

Die Folgen derartiger veralteter rangordnungs- und strafbasierter Methoden können „böse enden“ (ZuseherInnen der YouTube-Links wissen inzwischen Genaueres). Folgende Blogeinträge von mir (und viele KollegInnen an anderer Stelle – danke dafür!) erklären auch einiges dazu:

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.com/2013/03/aggression-und-red-zone-hunde.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.com/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html

Daher schließe ich diesen Eintrag mit einem Zitat (denn besser könnte frau es nicht formulieren):

  • „Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten.“
Ute Blaschke-Berthold, www.cumcane.de

und

Training – Dressur – Abrichten

 Tyke, 20 Jahre lang gequälte Zirkuselefantenfrau, musste sterben. Sie wurde gewaltsam trainiert. Sie funktionierte lange Zeit. Bis zu dem Tag, an dem sie sich zur Wehr setzte – endlich. Das war zwar ihr Todesurteil, aber für sie nach einem qualvollen Leben eine Erleichterung. 

Video: Tykes letzter Kampf

[evideo id=“90759248″ site=“vimeo“ autoplay=“0″ /]

Sowas Training zu nennen, was vielen Tieren angetan wird, bringt mich zum nachdenken. Ich hab inzwischen manchmal Probleme damit, meine Arbeit als „Training“ zu bezeichnen, wenn diese gewaltsame Dressur eines sein soll. Oder wenn – einige – Menschen es damit assoziieren. 

Das, was Elefantin Tyke mitmachen musste, erleben viele Hunde tagtäglich. Schockiert? Es ist leider so. „Abrichten“ wird das genannt von älteren Semestern – „Training“ von jüngeren. Abscheulich, verachtenswert, widerlich.

Hunde müssen funktionieren. Das ist das Ziel des „Trainings“. Ein harmonisches Miteinander, Freundschaft, Vertrauen spielen keine Rolle: Hauptsache, der Hund „spurt“, ist unauffällig wie eine Handtasche oder ein Koffer, den man als Mensch nachzieht – ein Accessoire oder eine gebändigte Kampfmaschine zum Angeben.

Und alle staunen:

„BOAH, ist er gut abgerichtet.“

JAAAA. Bis er zurückschlägt. Denn im Rahmen meiner Arbeit habe ich mit vielen Hunden zu tun, die sich irgendwann zur Wehr setzen.

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html

Meine Hunde zeigen mir, wie es ihnen geht. Und ich stelle mich darauf ein. Sie müssen nicht immer alles können, sie sind keine Maschinen oder Automaten mit Signalen anstatt von Knöpfen.
Und schon gar nicht werden sie gewaltsam – weder physisch noch psychisch – zu etwas gezwungen.
Für unser gemeinsames Wohlbefinden, Vertrauen zueinander und für Sicherheit im Leben.

„Aber der hat keine Angst“ – das notwendige Erstgespräch

Oft ist der Grund für HundebesitzerInnen, mich zu kontaktieren, (beginnendes Angst-) Aggressionsverhalten. Manche sind überrascht, unter Umständen nicht gleich mit dem Training beginnen zu können oder gar, dass ich ihnen den Hund nicht ‚abrichte‘, sondern vorerst ’nur‘ einen Termin für ein Erstgespräch bekommen. Dabei wird hier oft die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg gelegt, denn es gilt, so einige veraltete Mythen (Dominanz und Rangordnung) aufzuklären.

 

Im Fall von Angstaggression erkläre ich unter anderem Folgendes:
  • Sozialisation: Hund bekommt Angst (und Stress) in – aus menschlicher Sicht – Normalsituationen, weil er zu wenig oder negativen ‚Input‘ in dieser wichtigen Lebenssphase bekommen hat
  • Lernerfahrungen: Funktion von Aggressionsverhalten (‚Bleib weg‘, ‚Geh weg‘, ‚Lass mich in Ruhe‘) wird erreicht, Deeskalation davor/in der Vergangenheit erfolglos
 
Hier gibt es bereits einige Posts von mir über Aggressionsverhalten nachzulesen:
 
Manchmal passiert es, dass ich beim Erklären der Eskalationsstufen von Aggressionsverhalten unterbrochen werde:
„Mein Hund hat keine Angst, ist nicht unsicher. Er ist dominant, hat ja auch den Schwanz aufgestellt.“
Tja, das kann so aussehen, wenn der Hund schon Übung darin hat, sich durch Aggressionsverhalten Erleichterung zu verschaffen:
Er ist sicher in dem, was er tut. Sein Verhalten bringt schließlich den erwünschten Erfolg: Der ‚Mann mit Hut‘ beispielsweise, der vom Hund im Vorbeigehen bellend und kurrend angesprungen wird, entfernt sich schleunigst.
 
Die Verstärkung dieses Verhaltens beruht also eben nicht darauf, dass der Hund sich einen Vorteil ‚erhofft‘ – er möchte weder alle Menschen dominieren, noch die Person am anderen Ende der Leine ‚in der Rangordnung in Frage stellen‘.
Er will sich schlicht und einfach nicht mehr so unwohl fühlen oder fürchten müssen. Und da vorangegangene Versuche der Deeskalation seitens des Hundes nicht funktioniert haben, muss er notgedrungen seine Strategie ändern – und erklimmt die Stufen nach oben.Der Hund macht die – wahrlich einprägende – Erfahrung, sich durch Aggressionsverhalten zuverlässig ‚retten‘ zu können, was weiterführend bewirkt, dass körpersprachliche Anzeichen von Angst tendenziell mehr und mehr verschwinden: Der Hund weiß ja, dass Aggression funktioniert – mit jeder einzelnen Erfahrung wird er sicherer.
Und das in Riesenschritten: Etwas Unangenehmes oder Bedrohliches vermeiden oder vertreiben zu können, ist evolutionsbiologisch äußerst wichtig – unter Umständen überlebenswichtig.
 
Auf diesem Foto sieht man sieht deutlich die Unsicherheit in der Körpersprache eines Hundes im Tierheim. Hier beweist ihm eine Praktikantin, dass es keinen Grund zur Sorge gibt, sie bringt ihm gute Leckerlis und überfordert ihn nicht. Er lernt, dass Menschen am Gitter eigentlich nett sind. Würde ihn die Person vor dem Gitter anstarren, also aus seiner Sicht bedrohen, wäre er vermutlich bellend und knurrend an die Tür gesprungen. Geht die Person dann, lernt der Hund, wie er sich Menschen ‚vom Hals halten‘ kann.Es ist wichtig, dass HundebesitzerInnen wirklich verstehen, weshalb ein Hund sich unerwünscht verhält. Dies zu erklären braucht Zeit, die aber notwendig ist: Jemand, der insgeheim denkt, der Hund sei dominant, wird ein gewaltfreies, auf positiver Verstärkung aufbauendes Training im ungünstigsten Fall abbrechen und zu ‚logischeren‘ (und einfacheren, aber gefährlichen und tierschutzrelevanten) TV-Methoden wechseln.
Dabei sollte das Motto doch lauten: Trainieren statt dominieren! Gut erklärt, ist halb trainiert… 🙂

Aggressionsverhalten von Leichtgewichten – auch kleine Hunde wollen ernst genommen werden!

Bereits in vergangenen Posts habe ich erklärt, weshalb Unterordnung, Rangordnung und Dominanz nichts, absolut gar nichts, im Hundetraining zu suchen haben – im Fall von Aggressionsverhalten noch weniger:

Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist…
Besuch bei Tierärztin – über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und, Hansi dem Untoten
Aggression und Red-Zone-HundeDer kleine Malteser-Mix Maxi hat Glück im Unglück: Ungünstig aufgewachsen, nichts kennen gelernt und einige Besitzerwechsel später wird er endlich ernst genommen: Er hat Menschen gefunden, die wollen, dass er ein erfülltes und glückliches Leben führt – und die auch etwas dafür tun. Maxi zeigt nämlich aufgrund seiner Vergangenheit einige problematische Verhaltensweisen.

Maxi und viele andere Kleinhunde machen sowas nicht zum Spaß – auch wenn sie unter Umständen mit dem kleinen Finger an der Leine zurückzuhalten sind: 

  • Menschen verbellen, nachjagen, schnappen, zwicken
  • Radfahrer, Skater, etc verbellen, jagen, zwicken
  • vor allem größere Hunde verbellen, abschnappen, zwicken
  • mit Spielzeug weglaufen – Spielzeug verteidigen
  • etc…etc…etc
Manchmal ist die Vorstellung sehr skurril, dass wohl kaum jemand einen 30kg-Hund lustig finden würde, der einen (meist ohnehin mehrere) der oben aufgezählten Verhaltensweisen zeigt.

Wie auch immer – ärgern über diese Belustigungen auf dem Rücken hilfloser Lebewesen hilft nichts, ich freu mich über die Fortschritte, die Maxi nach der 2. Praxisstunde schon macht. 🙂Und das alles gewaltfrei, belohnungsbasiert, bedürfnisorientiert – durch positive Verstärkung via Clicker bzw. Marker. 🙂


Maxi lernt, dass RadfahrerInnen keine Bedrohnung darstellen und dass sie auch keine jagdbaren Subjekte sind… 🙂


Auch joggende Menschen lernt Maxi jetzt „mit anderen Augen“ zu sehen… 🙂

Menschen, die sich merkwürdig bewegen bzw etwas in der Hand halten, findet Maxi bedrohlich. Frauchen lernt, wie sie Maxi eine andere Strategie als „Angriff ist die beste Verteidigung“ beibringt. 🙂

So macht der Spaziergang doch Spass – Maxi grinst übers ganze Gesicht! 🙂

Und hier die Videos dazu: 

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=U8kDtAJd3Zw[/embedyt]

[evideo id=“gm7SyN4Sw1c“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

[evideo id=“U8kDtAJd3Zw“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]

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[evideo id=“8j8mNuuOGtA“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]
[evideo id=“ExiU8p06ZcM“ site=“youtube“ autoplay=“0″ /]
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Mein „untoter“ Hund und sein „Gehirntumor“

Seit März 2012 lebt Rotti-Schäfer-Mix Heinzi (um keine Verwirrung zu stiften: Heinzi = Hannes = Hans Black = Blacky) in unserer „wilden WG“. Heinzi hat deshalb auch den Beinamen „Untoter“, weil er Anfang 2011 hätte getötet werden sollen, und zwar in einem Tierheim. Begründung: Gehirntumor, weil der Hund unberechenbar sei und auch schwer gebissen hat. Zumindest sei er einfach bösartig. 

 

[Genaueres zu Heinzis „Abrichtevergangenheit“, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist und seinen Entwicklungen findet Ihr hier:
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/04/besuch-bei-tierarztin-uber.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2013/03/hannes-lebt-seit-einem-jahr-bei-uns.html]

 

Heinzi (und seinem Gehirntumor 🙂 ) geht es inzwischen sehr gut. Die vermeintliche Unberechenbarkeit, die sich laut TierheimmitarbeiterInnen unter anderem dadurch gezeigt haben soll, dass Heinzi sich auf den Rücken wirft, dann aber auf Streicheln mit Aufspringen und Knurren reagiert, soll also deutliches Zeichen eines Gehirntumors sein. Der Amtstierarzt war sich seiner Sache sehr sicher, denn er wollte Heinzis Lebensrettung mit allen Mitteln verhindern.

Äääähhhhm, tja, was soll ich da als Hundetrainerin sagen???
Vielleicht war dieses auf den Rücken werfen keine Einladung zum Streicheln, sondern submissives Verhalten?
Vielleicht wollte er sogar wirklich gestreichelt werden, die Grenze, wann es ihm genug an Nähe ist, wurde aber nicht (an-)erkannt. 

 

Ich kann mir durchaus beides vorstellen.
Einerseits wurde mir erzählt, wie sich Heinzi noch im Tierheim lebend beim Heben einer Hand demütig auf den Rücken fallen ließ.
Andererseits ist Heinzi ein absolut liebenswerter Schmuser, der sich dadurch aber in Situationen bringt, die ihm dann doch unheimlich oder zuviel sein können – je nachdem, wie gut er die Menschen kennt bzw. wie gut die Menschen auf sein Ausdrucksverhalten achten (bzw. es überhaupt lesen können).

 

3-4 Mal seit Heinzi bei mir lebt, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie er sich von einer ihm bekannten Person streicheln lässt, dann aber plötzlich aufspringt und knurrt. Er ließ sich immer durch ein nettes „Heinzi, komm da her“ von mir abrufen und zeigte im Anschluss kein problematisches Verhalten. In jedem Fall lehnte sich die Person entweder leicht über ihn, blickte ihm in die Augen oder reagierte auf Heinzis Beschwichtigungsverhalten (Nase lecken, Schlucken) nicht adäquat – nämlich mit Streicheln aufhören! Ich lasse Heinzi selbstverständlich an sich von niemandem einfach so streicheln]

 

Wenn Heinzi heute von geliebten Menschen gestreichelt wird, sieht er so aus: 🙂

Flathead Heinzi hat keinen Grund zu beschwichtigen, denn er hat gelernt, manchen Menschen auch zu vertrauen.

„Ich bin sooooo lieb“, sagt Heinzi vertrauensvoll. Denn er kann sich darauf verlassen, dass er nicht mit Nähe überfordert wird.

Aber das Zusammenleben mit Heinzi ist anders, als mit einem „normalen“ Hund (gibt es so einen?).
Leider hat er in seiner dunklen Vergangenheit vor allem in Konflikt- oder Stresssituationen gelernt, dass ihm Aggressionsverhalten eine Erleichterung bringt. Danke an alle Rangordnungs- und DominanzfanatikerInnen, die auf absoluten Gehorsam und Hunde abrichten stehen:

 

Ihr habt Heinzi zu dem gemacht, was er heute ist: Ein schnell gestresstes Nervenbündel, in dessen Kopf Aggressionsverhalten überrepräsentiert ist.

 

Aber auch das ist bereits kein Vergleich mehr zur Anfangszeit bei mir (subjektiv ist frau ja immer kritischer, objektive Aufzeichnungen belegen die Fortschritte). Heinzi ist auch beim Besuch fremder Menschen lenkbar [selbstverständlich mit Sicherheitsmaßnahmen], ist schon U-Bahn gefahren und kommt überhaupt mit seinem Leben viel besser klar.

 

UND: Heinzi ist einer der besten Lehrmeister, den sich eine Hundetrainerin wünschen kann. 🙂

Reaktive Hunde – Erfolge durch belohnungsbasiertes und bedürfnisorientiertes Training

Nomen est omen: reaktive Hunde heißen nicht ohne Grund so… Sie reagieren auf mehr oder weniger viele Umweltreize mit Aggressionsverhalten. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben: Schlechte Erfahrungen, aversive Trainingsmethoden, Überforderung, Krankheiten… Ich möchte mich hier hauptsächlich auf mangelhafte Sozialisation beziehen (über den Einfluss aversiver Trainingsmethoden auf das hundliche Verhalten habe ich bereits einige Blogeinträge verfasst). 

Oft leben reaktive Hunde in Situationen, auf die sie in ihrer Kindheit nicht vorbereitet wurden. Am Land aufgewachsen mit wenig Menschenkontakt ist es nicht verwunderlich, dass ein Leben als erwachsener Hund in der Großstadt mehr als stressig ist. Mangelhafte Sozialisation (Gewöhnung an belebte Umwelt) und Habituation (Gewöhnung an unbelebte Umwelt) sind dafür verantwortlich, dass die Hunde auf unbekannte Reize ängstlich reagieren. Aus dieser Angst heraus entwickelt sich sehr schnell ein Teufelskreis – in Richtung Selbstverteidigung, sprich Aggressionsverhalten.

In den ersten Wochen in der städtischen Umgebung sind die Hunde oft noch so überwältigt und eingeschüchtert von den vielen Eindrücken, dass sie „keine Reaktion“ (aus Sicht der BesitzerInnen, also kein Bellen, Knurren, in die Leine springen, Zähne zeigen, Schnappen,…) zeigen und vermeintlich „sooo brav“ sind.

Das ist jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm. Sind Umstellung und erster Schock mal verarbeitet, machen viele Hunde die Erfahrung, dass sie sich selbst durch Aggressionsverhalten Erleichterung verschaffen können:
Denn die Funktion von Aggressionsverhalten ist eine Distanzvergrößerung zum Auslöser: Fremde Menschen weichen aus, andere Hunde ziehen sich zurück oder werden an der Leine schnell weggezogen, wenn sich der eigene Hund knurrend in die Leine wirft.
Aber auch in Situationen, in denen Menschen, Hunde, Autos … (oder worauf auch immer der Hund reaktiv reagiert) sowieso vorbeigehen, wie beispielsweise am Gartenzaun, wird der funktionale Verstärker bedient: die auslösenden Reize verschwinden, wenn der Hund sich aufregt.
Zu allem Unglück reagieren die meisten BesitzerInnen – verständlicherweise – intuitiv falsch; sie werden hektisch, ziehen an der Leine, schimpfen, … und alles wird immer schlimmer. Der öffentlich soziale Druck ist groß, wer möchte schon einen „aggressiven und gefährlichen“ Hund haben bzw. von Fremden darauf aufmerksam gemacht werden???

Das Training von reaktiven Hunden kommt völlig ohne Leinenruck, Geschrei, Alpha-Würfe oder sonstige (Nieren-)Sticheleien (jaaa… ich meine Cesar Millan’s Kicks!) aus. Die Hunde sollen schließlich lernen, mit den Angstauslösern gut leben zu können und Vertrauen in ihre Menschen gewinnen. Problematisches Verhalten durch Strafe kaschieren bzw. unterdrücken sieht nur im ersten Moment (für Laien) „gut“ aus, der Hund fühlt sich noch immer völlig überfordert (durch die Bestrafung noch schlimmer) und traut sich nur nicht mehr, seine Gefühle zu zeigen.

Durch positive Verstärkung (Clicker- bzw. Markertraining), Stressreduktionsmaßnahmen und Management hat der Malinois-Mischling Apollo gelernt, dass er nicht mehr *Alles* anschreien, anbellen oder anspringen muss, das sich im Freien bewegt. Inzwischen sind wir schon so weit im Training, dass ein „normaler“ Trainingsspaziergang „wenig hergibt“ und wir bereits Cafe-Besuche machen können mit einem entspannten Apollo.

Im Bauhaus ist alles unaufregend…

Zwischendurch mal Belohnen für den braven Bub!

Während Frauerl auf der einen Seite sucht, hat Apollo was Interessantes in der Nase…

Beißkorbtraining musss auch sein… 🙂 Aber alles positiv!

Cafe-Haus-Liegen ist laaangweilig…

Zum Glück ist Apollo kamerageil und freut sich, ein so großer Star zu sein.

Wenns mal wieder länger dauert… 

Frauchen ist doch die Beste!!!

Die Golden Retriever-Hündin Fee ist noch am Anfang des Trainings. Sie lebte lange Jahre am Land und ist erst seit ein paar Monaten in der Großstadt Wien. Vorbeigehende Hunde und vor allem Menschen springt sie mit enormer Kraft an und regt sich sehr auf. Ja, genau, es hängt eben nicht von der Rasse ab, ob ein Hund unerwünschtes Aggressionsverhalten zeigt.
Auch Fee hat inzwischen schon große Fortschritte gemacht, sie lernt, den Entscheidungen ihres Frauchens zu vertrauen und die Umwelt nicht mehr so furchtbar zu finden. Und ihr Frauchen weiß endlich, wie sie Fee am Besten unterstützen und helfen kann. 🙂

Fee lernt, sich an ihrem Frauchen zu orientieren…

… anstatt alles selbst in die Pfote zu nehmen.

„Ich sehe fremde Menschen!“

„Mami sagt, das ist OK…“

Fee und ihre Menschin machen angenehme Erfahrungen.

Trainieren statt dominieren!!!