Aggressionsverhalten – WTF?!

What’s the Function?

Aggressionsverhalten hat eine Funktion –> Distanzvergrößerung. UND gehört auch zum Normalverhalten unserer Hunde, das müssen wir Menschen auch akzeptieren lernen.

Im Alltag ist es oft sehr schwer, den Lerneffekt „Bellen, Knurren, in die Leine springen,… bewirken, dass fremder Hund und Mensch gehen“ zu verhindern und dem Hund ein adäquates und vor allem ruhiges Verhalten beizubringen.


Menschen und Hunde gehen einfach von A nach B oder am Garten vorbei oder … Und jedes Mal hat der eigene Hund aus seiner Sicht Erfolg – Menschen gehen weiter, fremder Hund biegt um Ecke, … genau in dem Moment, wo er sich maximal aufregt. Das ist ein RIESIGER Verstärker! Und auf „einmal“ hat man ein Problem am anderen Ende der Leine.
Dieser Lerneffekt tritt übrigens auch ein, wenn man den eigenen Hund regelmäßig wegzieht, „um Schlimmeres zu verhindern“. Dies bringt einerseits sehr viel Hektik in die Situation, andererseits bewirkt auch das eine Distanzvergrößerung – Funktion wieder erfüllt!

(Rechtzeitig!) Ausweichen, Abwenden, Hinschauen,… das alles muss geübt werden. 
Üben kann und soll man übrigens aber nicht nur „wenn’s brennt“, sondern vor allem in ruhigen Situationen! Schließlich muss man VOR einer Prüfung lernen, nicht WÄHREND! 👩‍🎓👨‍🎓

Gezieltes Üben klappt am Besten, wenn die Umweltfaktoren einigermaßen unter Kontrolle (der Trainerin) sind. Dann ist es möglich, dem eigenen Hund nahezubringen, dass Kooperation mit der BesitzerIn, Abwenden, … bewirken, dass der/die „Eindringlinge“ weggehen. Dieses „Verantwortung wieder an die Menschen“ abgeben bewirkt eine Reduktion von Aufregung und Stress, was wiederum zur Folge hat, dass sich Distanzen zu Auslösern relativieren bzw. zum Positiven verändern. 🥳

Training ist ein Prozess und kein Moment, was bedeutet, dass Gewohnheiten ändern Zeit und Geduld braucht. Wer schon mal eine Gewohnheit ändern wollte, weiß wie schwer so etwas sein kann: 1. muss das zu ändernde Verhalten ins Bewusstsein gelangen, 2. muss man es dann adäquat durch eine Alternative ersetzen, damit 3. eine neue Gewohnheit etabliert werden kann. 🤔

Das klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht, sondern macht Spaß, gemeinsam mit seinem Hund lernen zu dürfen! 


Das klingt anstrengend? Weniger ist mehr, das ist eine der wichtigsten Grundlagen. Anstrengend ist es nur so lange, wie auch auf der Menschenseite Gewohnheiten verändert werden müssen. 


Was ist wenn … im Alltag passiert? Nichts besonderes, ruhig bleiben, atmen und dem Hund ein souveränes Vorbild sein, auch wenn er sich aufregen muss und die Situation mehr als suboptimal ist. Der Alltag ist kein rosarotes Luftschloss, wo immer alles „superfein“ ablaufen kann. So ist das Leben.
🙏

Ein Hund aus dem Tierschutz zieht ein

Einem  Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause zu geben ist für viele ein großes Ziel, aber oft ist es nicht so einfach, dass Hund und Mensch zusammen glücklich werden.

Welche Vorbereitungen zu treffen sind, worauf man achten muss und wie man das neue Familienmitglied eingewöhnt, dazu habe ich einen umfangreichen Artikel für petdoctors.at geschrieben.

Ihr findet ihn unter https://www.petdoctors.at/hund/verhalten-ausbildung/ein-hund-aus-dem-tierschutz-zieht-ein.

Hund hat Spaß – und Mensch ist glücklich.

Erfreulicherweise hat sich der Verein tierschutzhund.info genau dieses Themas angenommen – zukünftigen AdoptandInnen wichtige Informationen über die Übernahme eines Tierschutzhundes weiterzugeben.

Rotti Marlo hat’s gefunden – sein Zuhause!

Im Sommer des Jahres 2014 erreichte mich eine dringende Anfrage – ein Rottweiler mit dem klingenden Namen „Macho“ ließ niemanden an sich ran, Schutzhunde-Trainer (O-Ton: „Ich hatte noch nie mit einem so aggressiven Hund zu tun.“) hielten ihn mittels Hochdruckreiniger auf Abstand und versorgten ihn gerade mal so, dass er nicht verdurstete… Die 6 m² Zwinger verließ Marlo viele Monate lange nie. Marlo hatte dennoch Glück im Unglück, denn er wurde nicht in eine Tötung gebracht, nachdem sein Besitzer Angst vor ihm bekam, sondern kam eben in die Obhut von TierschützerInnen, die die Unterbringung in der Tierpension der Schutzhunde-Trainer finanzierten.

Marlo (damals noch „Macho“) auf seinen 6 m²

Ich wurde also mit der „Resozialisierung“ des Hundes beauftragt, anfangs waren Trainings nur alle 2-3 Wochen möglich, da sich die Tierpension in Ungarn befand. Trotz dieser langen Intervalle machte Marlo Fortschritte. Aus nachvollziehbaren Gründen bestand ich nach etwa einem halben Jahr darauf, dass Marlo nach Österreich gebracht wird – unter den dortigen Umständen war ein „Weiterkommen“ nicht mehr möglich.

Erste Annäherungen…
Training im Zwinger
Die ersten Schritte hinaus…

In der langen Zeit in Österreich wurde Marlo auf Vieles vorbereitet, wie beispielsweise Vertrauen zu Menschen, Tierarzt-Vorbereitung, freundliche Menschenkontakte, Autofahren, ruhige Hundebegegnungen, dirverseste Umweltreize bei Spaziergängen, etc.

Hier eine Linkliste mit ALLEN Blogartikeln über die Zeit mit Marlo – viel Spaß beim Lesen 🙂


https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/training-aggressiver-rottweiler-hilferuf-aus-ungarn/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/erster-spaziergang-mit-dem-rotti-aus-ungarn/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-ungewisse-zukunft/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-bittet-um-hilfe-bald-kommt-er-nach-oesterreich/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/zwischenziel-erreicht-marlo-ist-umgezogen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/erster-besuch-bei-marlo-seit-dem-umzug/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-auf-der-wiese/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-lernt-vertrauen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-freut-sich/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-aus-ungarn-wie-ein-welpe/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hilfe-fuer-marlo-in-fremder-umgebung-decke-als-target/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rotti-marlo-wird-fuer-den-tierarzt-vorbereitet/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-und-die-tierklinik/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-aus-ungarn-zeigt-vertrauen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/rottweiler-marlo-sucht-seine-menschen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-lernt-das-leben-zu-geniessen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/marlo-sucht-dringend-seine-menschen/
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/was-sich-ein-hund-wie-marlo-fuers-neue-jahr-wuenscht/

Ich glaube, ihr ahnt es schon… so eine „Resozialisierung“ ist kein Zeitpunkt, sondern eine – durchaus lange – Zeitperiode, in der Engels-Geduld, unendliche Liebe und viel Wissen in Theorie und Praxis (in genau dieser Reihenfolge 😛 ) notwendig sind, ganz ohne Dominanz-, Rangordnungs- oder „wer ist hier der Alpha“-Getue:
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/aggression-und-red-zone-hunde/

Was Marlo alles gelernt hat, ist hier zusammengefasst:
https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hundetraining-im-tierheim/



Schon weit fortgeschrittenes Training: direkte Hundebegegnung
… wie im Kaffeehaus …

Fast genau 4 Jahre später, im Sommer 2018, meldeten sich endlich passende Menschen, die alle Hürden auf sich nahmen, um Marlo endlich ein Zuhause geben zu können:
Mehrere Monate lang dauerte das gegenseitige Kennenlernen, das Abstimmen der Chemie, das Zueinanderfinden, das Zuhause-Besuchen, das „Harmonie-Training“.
Vor etwas über 3 Monaten war es dann soweit, Marlo zog endgültig in sein Zuhause um und vor ein paar Tagen absolvierte er gemeinsam mit seinen Menschen erfolgreich den Wiener Hundeführschein!
Auf Marlos Facebook-Seite gibt es viel Wunderschönes darüber nachzulesen: https://www.facebook.com/wunderhund.marlo/

… da freut sich jemand über seine Menschen …
… Zuhause besuchen fahren ..
… Marlo fühlt sich wohl …
… nach dem Umzug ganz toll eingelebt …
Wiener Hundeführschein mit Bravour bestanden!
… da freut sich auch die Trainerin …
… und Marlo freut sich auch!

Dass Marlo nach all der Zeit seine Menschen gefunden hat und ich ihn begleiten durfte, ist das Beste, das passieren konnte.
Die 4 Jahre mögen lange erscheinen – aber zumindest ein Großteil davon war nötig, um ihm Vertrauen, Alltagskompetenzen und vor allem Liebe nahezubringen, bevor er „ganz normal“ mit Menschen zusammenleben konnte.

Ich wünsche Marlo und seinen Menschen alles Liebe und Gute für 2019 und noch viele viele gemeinsame Jahre!

TRAINIEREN STATT DOMINIEREN! 🙂


Tierschutz @ Canis sapiens – gewaltfreies Hundetraining

TIERSCHUTZ wird bei Canis sapiens – gewaltfreies Hundetraining GROSS geschrieben.

 

Trainiert wird basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über Lern- und Hundeverhalten, belohnungsorientiert und ohne Zwangs- oder Strafmaßnahmen, die weder langfristige Verhaltensänderungen bewirken noch Sicherheit garantieren – im Gegenteil. Und gut für die Mensch-Hund-Beziehung sind sie sowieso nicht.

 

 

Fang den Keks!

Anstatt konfrontativer Methoden arbeiten wir daher tierschutzqualifiziert mit unseren geliebten Mitlebewesen – beispielsweise mit Futterbelohnungen – und alle haben Spaß am Lernen.

 

 

 

Damit Tierschutz im Hundetraining möglichst weit verbreitet wird, unterstütze ich folgende Institutionen tatkräftig:

https://www.tierschutzhund.info/

 

und

http://tierschutzkonform.at/fachstelle/

 

Gibt es Fragen, weshalb die eine oder andere Methode, die „bisher immer funktioniert hat“, nicht mehr zeitgemäß ist (übrigens funktionieren diese veralteten Methoden so lange, bis man an DEN Hund kommt, der sich – zu Recht – wehrt!)? Hier eine kleine Linkliste, lesen lohnt sich! 😉

 

 

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/aggression-und-red-zone-hunde/  –> inkl. Links im Text!!!

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/ein-hundeleben-lang-isoliert/

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/problemloesungen-via-tv-nicht-empfehlenswert/

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hunde-vermenschlichen-ein-problem/

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/aber-der-hat-keine-angst-das-notwendige-erstgespraech/

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hundetraining-im-tierheim/

https://canis-sapiens.at/trainieren-statt-dominieren/hunde-im-tierschutz-die-2-seite-der-medaille/

 

 

(Psychische oder physische) Gewalt beginnt dort, wo Wissen endet!

Alltagskompetenzen trainieren mit Hunden (aus dem Tierschutz) – Seminar für TrainerInnen

Einige Hunde bringen ein ganzes Paket an unerwünschtem Verhalten mit sich, insbesondere Hunde aus dem Tierschutz. Entweder, weil sie durch zu wenige oder schlechte Erfahrungen in Situationen des Alltags überfordert sind, oder weil sich der selbst „erzogene“ (Zucht-)Welpe mehr und mehr problematisches bis gefährliches Verhalten angewöhnt hat.

Zu den Problematiken zählen vor allem Aggressionsverhalten, Angst und Panik, und/oder fehlgeleitetes Beutefangverhalten (Jagdverhalten), was sowohl für Hund, HalterIn und Umwelt sehr gefährlich werden kann.

 

Im Training dieser Hunde geht es unter anderem darum, alternative, sichere und positive Bewältigungsstrategien zu festigen – für Hund und HalterIn.

Dieses Praxis-Seminar bietet für (angehende) HundetrainerInnen die Möglichkeit, unter fachkundiger Aufsicht Trainingspläne zu erstellen, „Problemhunde“ und deren Menschen zu trainieren und – abgestimmt auf die jeweiligen Umstände – alltagstauglich zu machen.

 

Dies ist umso wichtiger, da die Herausforderungen für Hund und Mensch besonders im städtischen Bereich mehr und mehr zunehmen und vor allem weil es immer mehr Hunde (und deren Menschen) gibt, die aus unterschiedlichen Gründen im Alltag schlecht oder nicht zurechtkommen.

 

 

Zielgruppe:

  • TrainerInnen nach der Grundausbildung
  • TrainerInnen, die Praxis speziell im Training von unerwünschtem Verhalten sammeln wollen
  • TrainerInnen, die sich bezüglich Hunden mit Vorgeschichte in der Praxis weiterbilden möchten

 

 

Ablauf:

  • Samstag:
    Vormittag: Theorie (Lernverhalten, Aggressionsverhalten, Beutefangverhalten, Trainingsgrundlagen, typische Problemsituationen)
    Nachmittag: Trainingspläne erstellen (Mensch-Hund-Teams aus dem KundInnen-Kreis von Mag. Ursula Aigner, Canis sapiens)
  • Sonntag:
    Vormittag: Trainingspraxis (Anleitung der Mensch-Hund-Teams unter Aufsicht von Mag. Ursula Aigner)
    Nachmittag: Videoanalyse Trainingspraxis (Was war gut? Was geht besser? Wie geht’s weiter?)

 

Zeitrahmen und Datum:

3. – 4. März 2018 oder 26. – 27. Mai 2018 oder 15. – 16. September 2018

Samstag: 09:00-17:00 (inkl. Pausen)
Sonntag: 08:00-12:00 und 14:00-18:00

 

Ort:
Theorie – FUN-Bildungszentrum, 1220 Wien, Donaufelder Straße 252 / Top 2
Praxis – Vösendorf, Wr. Neudorf

 

Anzahl der TeilnehmerInnen aufgrund der intensiven Praxis begrenzt auf 8 Personen.

 

Kosten: 300 Euro (inkl. Kaffee, Tee, Snacks)

 

Anmeldung und Fragen unter info(ät)canis-sapiens.at

Dieses Seminar erfolgt in Kooperation mit tierschutzhund.info.

Das Seminar wird als Fortbildung für Tierschutzqualifizierte HundetrainerInnen anerkannt.

 

Die Teilnahme an diesem Seminar ist ausschließlich OHNE eigenem Hund möglich!

Der „Problemhund“ im Alltag – Seminar

Wege aus der Krise

Dein Hund reagiert sehr aufgeregt und bellt oder springt sogar knurrend in die Leine, wenn er fremde Hunde (oder andere Auslöser) sieht? Oder er steht generell „unter Strom“ und sucht die Umgebung nach „Feinden“ ab? Vielleicht zeigt er aber auch große Angst in manchen Situationen, lässt sich nicht beruhigen und ist nicht ansprechbar?
In diesem Seminar werden Ursachen und Auslöser erklärt – nur wer das Verhalten seines Hundes versteht, kann auch adäquat darauf eingehen.
Im weiteren werden mögliche Bewältigungsstrategien, Trainingsansätze und vor allem Lösungen für schwierige Alltagssituationen („Notfallpläne“) vorgestellt.
Die Theorie wird anhand von Videos veranschaulicht.

Inhalte:

„Problemhund“ – Warum?
Lerntheoretische und verhaltensbiologische Grundlagen
Markertraining / Clickertraining
Bewältigungsstrategien
Verschiedene Trainingsansätze…
… sinnvoll im Alltag anwenden

5 stündiges Seminar, 75 Euro.

Informationen über Termine auf Facebook Canis sapiens – gewaltfreies Hundetraining

Das Theorie-Seminar wird als Fortbildung für tierschutzqualifizierte HundetrainerInnen anerkannt.

MedTrain: Bittere Medizin nehmen

Die etwa 7jährige Alice wohnt seit mehreren Jahren bei ihrer Besitzerin, nachdem sie wohl einige unschöne Erfahrungen durchmachen musste (ganz kurz abgeschnittene Ohren). Alice ist eine sehr ängstliche Hündin, die auch einiges an körperlichen „Wehwehchen“ mitbringt: Allergien, Schilddrüsenunterfunktion, mehrmals Mastzelltumore, …
Dinge, die an ihren Körper kommen, werden von ihr argwöhnisch beäugt: Brustgeschirr oder Mantel anziehen muss sehr sorgfältig und vorausschauend trainiert werden, damit Alice nicht unter der Bank verschwindet. Für Alice war es auch kein Problem, sich wirklich lange Zeit nicht zu lösen.
Alice muss nun leider bittere Medizin nehmen, die nicht gemeinsam mit Futter gegeben werden soll. Verstecken in Leberstreichwurst oder ähnlichem ist also nicht möglich. Vor dem gezielten Medical Training war es eine tägliche Prozedur, der Hündin mittels Einmalspritze die Flüssigkeit zwangseinzuflößen. Alice versteckte sich schon bei den Vorbereitungen unter der Bank und wurde immer unkooperativer.

 

Durch positiv aufgebautes Medizinisches Training mit Hilfe eines Clickers oder Markers konnten wir diese unangenehme Zwangssituation, die auch gefährlich werden könnte (Angstaggression), in ein geliebtes tägliches Spiel-Ritual verwandeln.

 

1. Alice lernte, mit Nase/Mund die Pipette zu berühren –> Click und Belohnung
2. Alice lernte, den Mund an der Pipette zu öffnen –> Click und Belohnung
3. Alice lernte, an der Pipette zu lecken, wenn Mensch etwas Flüssigkeit (verdünnter Fleischsaft) herausdrückte –> Click und Belohnung
4. Alice lernte, an der Pipette zu lecken, wenn Mensch Wasser herausdrückte –> Click und Belohnung
5. In weiterer Folge wurde der Inhalt der Pipette immer wieder zwischen Wasser und Fleischsaft verändert, das Ziel war, Alice daran zu gewöhnen, dass nicht immer der Fleischsaft kommt, aber bestimmt die Belohnung danach.
6. Bittere Medizin in tägliches Ritual integrieren.

 

 

Innerhalb kürzester Zeit hatte Alice gelernt, freiwillig, gerne und selbstständig den Inhalt der Pipette abzulecken und zu schlucken, selbst wenn es die bittere Medizin war – ohne Zwangsmaßnahmen wie den Hund unter der Bank hervorziehen und Flüssigkeit einflößen zu müssen.

 

Es gibt viele Hunde, die sich derartige Maßnahmen besser gefallen lassen als Alice. Also die sich nicht sofort verstecken und der Situation entfliehen wollen. Auch für solche Hunde – „der lässt sich das ohnehin gefallen“ – zahlt sich der vergleichsweise geringe Aufwand eines Medical Trainings aus, um mehr Miteinander und weniger Gegeneinander im Alltag zu leben.

 

 

 

„Alles ist möglich“ – Zähne putzen mittels Kooperation statt Zwang:

Demnächst wird das Angebot an Kleingruppentrainings erweitert – MedTrain steht in den Startlöchern! 🙂

 

 

 

 

Hundetraining… im Tierheim

Vor kurzem wurde ich gefragt, welche Übungen ich mit Hunden mache, die im Tierheim leben, und wie der Ablauf eines Trainings aussieht.

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Grundsätzlich ist es für mich wichtig, Hunden Alltags-Kompetenzen zu vermitteln. Das hilft einerseits einmal direkt bei der Vergabe, denn je mehr ein Hund kann, desto besser vermittelbar ist er. Aber auch je mehr Strategien ein Hund gelernt hat und je zielgerichteter er auf ein zukünftiges Leben in einem Privathaushalt vorbereitet wird, desto besser wird es ihm selbst im neuen Zuhause gehen (und auch den Menschen).

 

 

Hier eine (unvollständige) Liste an Trainingsmöglichkeiten für Hunde, die im Tierheim leben. Nicht alles ist für jeden Hund gleich wichtig, nicht jeder Hund muss alles können!!!

 

  • Clickertraining / Markertraining: Klare und eindeutige Kommunikation für Hund (und Mensch). So hat der Hund die Chance, möglichst schnell verstehen zu können, was erlernt werden soll (und sinnvoll ist). Schnelligkeit im Training per se ist zwar kein Kriterium im Training, das über die Qualität etwas aussagt, aber je effektiver das Training (und damit der Fortschritt des Hundes), desto besser für den Hund: besonders empfehlenswert bei Hunden im Tierheim, wenn mehrere Personen mit dem Hund umgehen; Futter als Verstärker, zusätzlich Weggehen als Verstärker einsetzen (je nach Übung)S2550008
  • Click für Blick (mit dem Ziel: Selbstständiges Abwenden) –> eher auf Gefühlsebene unterstützen
  • Umorientierungssignal (mit dem Ziel: Selbstständiges Abwenden) –> eher auf Verhaltensebene unterstützen
  • Selbstständiges Abwenden von Reiz –> Futter als Verstärker, eventuell Weggehen als Verstärker einsetzen
  • Geschirrgriff / Anspannung an Leine positiv verknüpfen –> Assoziiert der Hund den Griff ins Geschirr/Leinenspannung mit der Aufregung einer Hundebegegnung, ist es notwendig, daran in ruhigen Situationen ohne Auslöser zu trainieren, sodass der Hund mit Geschirrgriff/Leinenspannung etwas Positives verknüpft.
  • Maulkorb-Training: Absolutes Muss bei Hunden in der Stadt (Hundeführschein, Sachkundenachweis) oder Hunden, die Aggressionsverhalten zeigen
  • Decken-Training: Hilfe in unbekannter Umgebung (Tierarzt, …), Sicherheitsort für ängstliche Hunde, etc…
  • Weiter: An Auslösereiz vorbeigehen
  • Sitz: Hilfreich für viele Situationen (Suchspiele, Hundebegegnung, durch Tür gehen, etc…)
  • Bleib: Hilfreich für viele Situationen (Suchspiele, durch Tür gehen, etc…)
  • Erwünschtes Verhalten gezielt belohnen/fördern: jeder Hund zeigt vor unerwünschtem Verhalten etwas Erwünschtes – das ist anzuerkennen und zu fördern!_DSC2232
  • Unerwünschtes Verhalten verhindern / Management: Situationen, die unerwünschtes Verhalten auslösen, vermeiden (zB. Direktkontakt mit anderen Hunden, bis Trainingslevel erreicht ist)
  • Aus unerwünschtem Verhalten raushelfen: Das Leben ist kein Wunschkonzert, wenn der Hund Unerwünschtes zeigt – aktiv raushelfen!
  • In erster Linie gute Zeit haben: Leistung ist zweitrangig
  • Wohlfühlbudget auffüllen: Hundedinge machen ohne Beeinflussung vom Menschen, Leckerli-Suchen, Beutespielchen, Streicheln, Massage, … je nach Hund und Trainingslevel.

 

 

Ganz allgemein kann ein 45-60-Minuten-Training – je nach Trainingslevel und Situation flexibel änderbar – aus folgenden Abfolgen bestehen:

 

Beispiel für Tierheim-Hund Strolchi, seit 1 Woche im Tierheim, Trainingsbeginn:

 

  • Hund seine Erledigungen machen lassen – sich lösen, schnüffeln, laufen – bis er zeigt, dass er „bereit“ ist
  • Übung Nr. 1: Clicker konditionierenS2370018
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 2: Decken-Training
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, möglichst ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 3: Decken-Training
  • Ruhiges Ende des Trainings  – Futter suchen zB. (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)

 

Beispiel für Tierheim-Hund Struppi, seit 4 Monaten im Tierheim, Training 1 mal pro Woche:

 

  • Hund seine Erledigungen machen lassen – sich lösen, schnüffeln, laufen – bis er zeigt, dass er „bereit“ ist
  • Übung Nr. 1: Hunde-Begegnungstraining (Click für Blick, Umorientierungssignal, Selbstständiges Abwenden)
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)0041
  • Übung Nr. 2: Decken-Training Innenraum als Vorstufe zum Tierarzt-Training
  • Pause – sich lösen, schnüffeln, laufen, möglichst ohne Aktivität des Menschen (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)
  • Übung Nr. 3: Sitz-Bleib-Suchspiele im Auslauf
  • Ruhiges Ende des Trainings  – Futter suchen zB. (wenn Hund soweit ist – Kuschelpause)

 

 

 

Die Übungen können, aber müssen nicht dieselben (in unterschiedlicher Schwierigkeit) sein – das hängt sowohl vom Hund, vom Trainingslevel als auch von der Tagesverfassung ab. Was den Ort betrifft, der hängt natürlich von den Übungen ab, kann aber durchaus gewechselt werden. S3170065

 

 

 

Die beiden oben genannten Beispiele dienen auch nur zur Orientierung, keine Regel ohne Ausnahme: Ein Social Walk kann natürlich nicht den beschriebenen Abläufen entsprechen.

 

 

 

 

Wichtig im Training allgemein ist es, nicht krampfhaft ein Ziel zu verfolgen, sondern das Training an den Hund anzupassen:

 

Keep it simple! – dem Hund einfach zeigen, wie er sich sinnvoll verhalten könnte. S2370011

Keep it fun! – denn am Besten und Schnellsten lernt Hund (und Mensch), wenn es Spaß macht. Und dann werden die Grenzen zwischen Übungen und Pausen, Training und Alltag fließend – bis man nur noch auf die Rahmenbedingungen achtet und den Hund für selbstständig gezeigtes erwünschtes Verhalten belohnt.

Weniger ist mehr! – ein schlechter Tag, ungute Stimmung? Dann ist ein Spaziergang alleine oder nur im Auslauf laufen absolut ausreichend. Wichtig ist, dass der Hund eine gute Zeit erlebt, wenn er aus dem Zwinger draußen ist!

 

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Diese Art von Umgang und Training bringt selbstbewusste und humorvolle Hunde hervor,

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  • die auf gute Ideen ohne Anleitung kommen,
  • die jederzeit ansprechbar und damit
  • umlenkbar (Alternativverhalten) sind, wenn nötig,
  • und die gelernt haben, (ihren) Menschen und deren Entscheidungen zu vertrauen.

 

 

 

So lernte auch Marlo (er ist übrigens noch zu haben 🙂 ), der lange Zeit sozial isoliert (sowohl von Hunden als auch Menschen) lebte, dass beispielsweise Hundebegegnungen

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  • kein Grund zur Aufregung sind,
  • er sogar ohne Anleitung bzw. Hilfestellung seiner Trainerin Direktkontakt mit einer Hündin hatte,
  • 100% ansprechbar war,
  • sich selbstständig abwenden konnte und 
  • positives Sozialverhalten zeigte,

 

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und dass Besuche beim TierarztS2370053

 

 

  • kein Grund zur Aufregung sind,
  • bestimmte Übungen mit sich bringen, die wie ein Trick gelernt wurden und
  • keine unangenehmen Zwangshandlungen erfordern.

 

 

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Und last but not least: Hunde im Tierheim sind normalerweise einem höheren Stresslevel ausgesetzt als Privathunde. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie deswegen nicht lernen können – Genau sie brauchen eine gute Trainingsunterstützung, damit es ihnen besser geht und sie Kompetenzen lernen – für’s Leben!

 

Interesse geweckt? 🙂

Mehr dazu gibt es selbstverständlich in Fortbildungen und Seminaren mit Canis sapiens speziell zum Thema Tierheime – Beratung und Schulung: https://canis-sapiens.at/tierheime-beratung-und-schulung/

Einfach anfragen unter u.aigner@gmail.com 🙂

 

 

Fallbeispiele *interaktiv* am 3. Österreichischen Hundetrainerkongress

Der 3. Österreichische Hundetrainerkongress findet am 20./21. Februar 2016 auf der VetMedUniVienna statt.

Ein spannendes Programm wartet auf HundetrainerInnen und -HalterInnen.

 

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Wer gerne einen Ausschnitt aus meiner Arbeit mit „Problemhunden“ (nahezu) *live* miterleben möchte, meldet sich noch schnell an: http://petpartner.at/anmeldung-shop/

 

Ich werde anhand von 3 Fallbeispielen (auch der tolle Rottweiler Marlo) mittels vieler Videos zeigen, wie die Theorie konkret an Hund und TrainerIn (also mir 🙂 ) in der Praxis aussieht.
Das Publikum wird dabei interaktiv in den Vortrag eingebunden – eine spannende Premiere.

 

So kann sich jede und jeder in die Lage der TrainerIn hineinversetzen und sich fragen: „Wie hätte ich es gemacht?“

 

 

Der „Problemhund“ im Alltag – Seminar

Wege aus der Krise?

Dein Hund reagiert sehr aufgeregt und bellt oder springt sogar knurrend in die Leine, wenn er fremde Hunde (oder andere Auslöser) sieht? Oder er steht generell „unter Strom“ und sucht die Umgebung nach „Feinden“ ab? Vielleicht zeigt er aber auch große Angst in manchen Situationen, lässt sich nicht beruhigen und ist nicht ansprechbar?
In diesem Seminar werden Ursachen und Auslöser erklärt – nur wer das Verhalten seines Hundes versteht, kann auch adäquat darauf eingehen.
Im weiteren werden mögliche Bewältigungsstrategien, Trainingsansätze und vor allem Lösungen für schwierige Alltagssituationen („Notfallpläne“) vorgestellt.
Die Theorie wird anhand von Videos veranschaulicht.

Inhalte:

  • „Problemhund“ – Warum?
  • Lerntheoretische und verhaltensbiologische Grundlagen
  • Markertraining / Clickertraining
  • Bewältigungsstrategien
  • Verschiedene Trainingsansätze…
  • … sinnvoll im Alltag anwenden

Wann?

Termin: Samstag, 12.3.2016

Zeit: 10:00 – 14:30 Uhr

Preis: 70 Euro – inklusive Kaffee, Tee, Getränke

Ort: FUN-Bildungszentrum, Donaufelderstraße 252 / Top 2, 1220 Wien

Weitere Informationen bzw. Anmeldung via Email an u.aigner@gmail.com

 

gewaltfreies Hundetraining