Training – Dressur – Abrichten

 Tyke, 20 Jahre lang gequälte Zirkuselefantenfrau, musste sterben. Sie wurde gewaltsam trainiert. Sie funktionierte lange Zeit. Bis zu dem Tag, an dem sie sich zur Wehr setzte – endlich. Das war zwar ihr Todesurteil, aber für sie nach einem qualvollen Leben eine Erleichterung. 

Video: Tykes letzter Kampf

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Sowas Training zu nennen, was vielen Tieren angetan wird, bringt mich zum nachdenken. Ich hab inzwischen manchmal Probleme damit, meine Arbeit als „Training“ zu bezeichnen, wenn diese gewaltsame Dressur eines sein soll. Oder wenn – einige – Menschen es damit assoziieren. 

Das, was Elefantin Tyke mitmachen musste, erleben viele Hunde tagtäglich. Schockiert? Es ist leider so. „Abrichten“ wird das genannt von älteren Semestern – „Training“ von jüngeren. Abscheulich, verachtenswert, widerlich.

Hunde müssen funktionieren. Das ist das Ziel des „Trainings“. Ein harmonisches Miteinander, Freundschaft, Vertrauen spielen keine Rolle: Hauptsache, der Hund „spurt“, ist unauffällig wie eine Handtasche oder ein Koffer, den man als Mensch nachzieht – ein Accessoire oder eine gebändigte Kampfmaschine zum Angeben.

Und alle staunen:

„BOAH, ist er gut abgerichtet.“

JAAAA. Bis er zurückschlägt. Denn im Rahmen meiner Arbeit habe ich mit vielen Hunden zu tun, die sich irgendwann zur Wehr setzen.

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html

Meine Hunde zeigen mir, wie es ihnen geht. Und ich stelle mich darauf ein. Sie müssen nicht immer alles können, sie sind keine Maschinen oder Automaten mit Signalen anstatt von Knöpfen.
Und schon gar nicht werden sie gewaltsam – weder physisch noch psychisch – zu etwas gezwungen.
Für unser gemeinsames Wohlbefinden, Vertrauen zueinander und für Sicherheit im Leben.

Canis sapiens – Ursula Aigner – Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin

Gewaltfreiheit in der Hundeerziehung ist in Österreich inzwischen gesetzlich eindeutig geregelt. 
Hier ein Auszug aus der „Verordnung über die tierschutzkonforme Ausbildung von Hunden“:

Grundsätze in der Hundeausbildung
§ 2. (1) Die Ausbildung des Hundes muss tierschutzkonform erfolgen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass keine Maßnahmen zur Anwendung kommen, die gemäß § 5 TSchG vom Verbot der Tierquälerei erfasst sind.
(2) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf Wert zu legen, dass
  1. ein gutes Sozialverhalten der Hunde gegenüber Menschen und anderen Hunden und eine geeignete Gewöhnung an ihre Lebens- und Trainingsumgebung gefördert werden,
  2. die Ausbildung altersgemäß ist und den körperlichen Möglichkeiten und Lernvoraussetzungen des Hundes entspricht,
  3. auf rassespezifische Eigenschaften und individuelle Eigenschaften des Hundes angemessen eingegangen wird.

(3) Bei der Ausbildung des Hundes ist darauf zu achten, dass sie auf den Grundlagen der lerntheoretischen Erkenntnisse aufbaut und Methoden der positiven Motivation der Vorzug vor aversiven Methoden gegeben wird.

Am 14. 3. 2014 habe ich gemeinsam mit Baghira, meiner besten Freundin, Lehrerin, Wegweiserin und Mentorin die Prüfung zur Tierschutzqualifizierten Hundetrainerin absolviert. 🙂 
Mir war besonders wichtig, dass ich diesen Schritt mit ihr gehe, ich verdanke ihr alles, was ich bin. 

2. Termin und Vertiefungsseminar: Psychologie für „Problem“-HundehalterInnen – Knackpunkt Hund

Der erste Termin im Februar war ein voller Erfolg: DAHER GIBT ES EINEN ZWEITEN (und dann dritten, vierten, … 🙂 ):

HINWEIS:  DIESES SEMINAR IST NICHT NUR FÜR HALTERINNEN, SONDERN INSBESONDERE FÜR TRAINERINNEN ALS FORTBILDUNG INTERESSANT. LETZTENDLICH LIEGT DIE TÄTIGKEIT ALS HUNDETRAINERIN WENIGER IM DIREKTEN TRAINING VON HUNDEN, SONDERN IM TRAINING VON HUNDEHALTERINNEN.

Seminar: Psychologie für „Problem“-HundehalterInnen – Knackpunkt Hund

Wann: 17./18. Mai 2014, zweitägiges Seminar
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at!
 
HINWEIS für SchülerInnen von http://www.sztvt.at/: Es wird Praxiszeit angerechnet!!!

Vertiefungsseminar für AbsolventInnen des oben angekündigten Seminars

Wann: 7. oder 8. Juni 2014, eintägiges Seminar
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at!
 
 
Hier die Seminarankündigung des ersten Seminars für Interessierte:
Ich stolperte im Umgang mit Dana dauernd über Steine, die ich mir selbst in den Weg legte. Aus diesen persönlichen Erfahrungen entwickelte ich dieses Seminar. Warum soll nur ich aus meinen Fehlern lernen?
Dipl.-Psych. Kirsten Cordes

Der hier vorgestellte Informationsvortrag war übervoll, daher ist es Zeit, das eigentliche Seminar „Knackpunkt Hund – Psychologie für (Problem-)Hundehalter“ anzukündigen:

Wann: 8./9. Februar 2014, ganztags
Wo: im FUN-Bildungszentrum, Simmeringer Platz 1, 1110 Wien
Weitere Infos, Preis und Anmeldungen unter info@canis-sapiens.at

(auch diejenigen, die sich bereits vorangemeldet haben, bitte ich um nochmalige Bestätigung per Email!)

Worum geht es? Nicht (nur) um die Veränderung von Hundeverhalten, sondern darum, wie wir Menschen unser Verhalten ändern können.
Das ist die mitunter wichtigste Voraussetzung, um in Zukunft harmonisch mit dem Hund zu kooperieren.
Insofern richtet sich das Seminar sowohl an bereits interessierte HundehalterInnen, als auch an HundetrainerInnen.
Gute TrainerInnen wissen beispielsweise viel über Lerntheorie und wenden dies im Training mit Hunden an.
Sehr gute Trainerinnen wissen oben genanntes UND wenden dies gerade im Umgang mit Menschen an. 🙂

Denn:
„Innere Überzeugungen, Glaubenssätze, (verdrängte) Ängste und (unbewusste) Handlungen machen uns oft einen Strich durch die wohlgeplante „Erziehung“ des Hundes. Da helfen in der Regel keine noch so guten Erziehungsratgeber, denn des Pudels Kern beim „Problemhund“ liegt nicht selten im Halter selbst.“
Dipl.-Psych. Kirsten Cordes 

Ich freue mich auf ein spannendes Wochenende!!!

„Aber der hat keine Angst“ – das notwendige Erstgespräch

Oft ist der Grund für HundebesitzerInnen, mich zu kontaktieren, (beginnendes Angst-) Aggressionsverhalten. Manche sind überrascht, unter Umständen nicht gleich mit dem Training beginnen zu können oder gar, dass ich ihnen den Hund nicht ‚abrichte‘, sondern vorerst ’nur‘ einen Termin für ein Erstgespräch bekommen. Dabei wird hier oft die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg gelegt, denn es gilt, so einige veraltete Mythen (Dominanz und Rangordnung) aufzuklären.

 

Im Fall von Angstaggression erkläre ich unter anderem Folgendes:
  • Sozialisation: Hund bekommt Angst (und Stress) in – aus menschlicher Sicht – Normalsituationen, weil er zu wenig oder negativen ‚Input‘ in dieser wichtigen Lebenssphase bekommen hat
  • Lernerfahrungen: Funktion von Aggressionsverhalten (‚Bleib weg‘, ‚Geh weg‘, ‚Lass mich in Ruhe‘) wird erreicht, Deeskalation davor/in der Vergangenheit erfolglos
 
Hier gibt es bereits einige Posts von mir über Aggressionsverhalten nachzulesen:
 
Manchmal passiert es, dass ich beim Erklären der Eskalationsstufen von Aggressionsverhalten unterbrochen werde:
„Mein Hund hat keine Angst, ist nicht unsicher. Er ist dominant, hat ja auch den Schwanz aufgestellt.“
Tja, das kann so aussehen, wenn der Hund schon Übung darin hat, sich durch Aggressionsverhalten Erleichterung zu verschaffen:
Er ist sicher in dem, was er tut. Sein Verhalten bringt schließlich den erwünschten Erfolg: Der ‚Mann mit Hut‘ beispielsweise, der vom Hund im Vorbeigehen bellend und kurrend angesprungen wird, entfernt sich schleunigst.
 
Die Verstärkung dieses Verhaltens beruht also eben nicht darauf, dass der Hund sich einen Vorteil ‚erhofft‘ – er möchte weder alle Menschen dominieren, noch die Person am anderen Ende der Leine ‚in der Rangordnung in Frage stellen‘.
Er will sich schlicht und einfach nicht mehr so unwohl fühlen oder fürchten müssen. Und da vorangegangene Versuche der Deeskalation seitens des Hundes nicht funktioniert haben, muss er notgedrungen seine Strategie ändern – und erklimmt die Stufen nach oben.Der Hund macht die – wahrlich einprägende – Erfahrung, sich durch Aggressionsverhalten zuverlässig ‚retten‘ zu können, was weiterführend bewirkt, dass körpersprachliche Anzeichen von Angst tendenziell mehr und mehr verschwinden: Der Hund weiß ja, dass Aggression funktioniert – mit jeder einzelnen Erfahrung wird er sicherer.
Und das in Riesenschritten: Etwas Unangenehmes oder Bedrohliches vermeiden oder vertreiben zu können, ist evolutionsbiologisch äußerst wichtig – unter Umständen überlebenswichtig.
 
Auf diesem Foto sieht man sieht deutlich die Unsicherheit in der Körpersprache eines Hundes im Tierheim. Hier beweist ihm eine Praktikantin, dass es keinen Grund zur Sorge gibt, sie bringt ihm gute Leckerlis und überfordert ihn nicht. Er lernt, dass Menschen am Gitter eigentlich nett sind. Würde ihn die Person vor dem Gitter anstarren, also aus seiner Sicht bedrohen, wäre er vermutlich bellend und knurrend an die Tür gesprungen. Geht die Person dann, lernt der Hund, wie er sich Menschen ‚vom Hals halten‘ kann.Es ist wichtig, dass HundebesitzerInnen wirklich verstehen, weshalb ein Hund sich unerwünscht verhält. Dies zu erklären braucht Zeit, die aber notwendig ist: Jemand, der insgeheim denkt, der Hund sei dominant, wird ein gewaltfreies, auf positiver Verstärkung aufbauendes Training im ungünstigsten Fall abbrechen und zu ‚logischeren‘ (und einfacheren, aber gefährlichen und tierschutzrelevanten) TV-Methoden wechseln.
Dabei sollte das Motto doch lauten: Trainieren statt dominieren! Gut erklärt, ist halb trainiert… 🙂